The 355 (2022)

The 355 (2022)

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  3. 124 Minuten

Filmkritik: Quersumme Dreizehn

«Über die Kunst reden wir noch einmal…»
«Über die Kunst reden wir noch einmal…» © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Bei einer Drogenrazzia in Südamerika verschwindet eine Software mit dem Potenzial, die Welt in den Untergang zu stürzen. Sofort sind Geheimdienstorganisationen auf der ganzen Welt in Alarmbereitschaft. So zum Beispiel auch die CIA-Agentin Mace (Jessica Chastain), die den Fall mit ihrem Partner Nick (Sebastian Stan) übernehmen möchte. Als ihnen die deutsche Top-Agentin Marie (Diane Kruger) in die Quere kommt, kommt es zu einem tragischen Zwischenfall, der Chase auf sich alleine gestellt zurücklässt.

Jessica auf der Überholspur
Jessica auf der Überholspur © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Chase realisiert schnell, dass sie keine Chance hat, den Fall alleine zu lösen. So bittet sie ihre britische Kollegin, Computerspezialistin Khadijah (Lupita Nyong'o), um Hilfe. Diese lässt alles links liegen und gemeinsam geht es auf eine Kontinente umspannende Mission. Unterwegs gabeln sie noch einige Helferinnen auf, bis ihr unschlagbares Team endlich komplett ist und sie den Drahtziehern hinter dem Diebstahl auf die Schliche kommen.

Der unterhaltsame und actionreiche Agentinnen-Thriller The 355 wartet mit einem tollen Team an Powerfrauen auf spannender McGuffin-Jagd auf und startet das Kinojahr 2022 fulminant. Hier wird sogar James Bond schwindelig, denn in Sachen Action und Tempo hat Simon Kinbergs energetischer Film die Nase vorn. Es wird bewusst auf Gefühlsduseleien oder schleppende und überkomplizierte Plot-Elemente verzichtet. Stattdessen liegt der Fokus auf den Fähigkeiten des hochkarätig besetzten Ensembles und den mitreissenden Action- und Spanungssequenz, was angenehm an die Blütezeit des Genres erinnert.

Es scheint so, als ob viele Autorinnen und Autoren manchmal vergessen, dass es nicht viel braucht um einen fesselnden Actionfilm zu schreiben. So verlieren sich viele in überkomplizierten Plot oder denken bereits an die eventuelle Spin-off-Streamingserie ihres Filmes. Simon Kinberg (Dark Phoenix) und Theresa Rebeck haben es aber kapiert: Wenn die Chemie zwischen den Darstellern und die Actionsequenzen stimmen, ist das schon mehr als die halbe Miete.

Obwohl sie von drei Oscargewinnerinnen umgeben ist, schafft es Diane Kruger, ihren Kolleginnen die Show zu stehlen. Ihre Marie ist gleichzeitig die ultimative Badass der Truppe, zeigt aber auch am meisten Facetten. Als Avatar der Zuschauer agiert Penelope Cruz als Graciella. Ihre Figur wäre eine einfache Zielscheibe für hysterisches Herumgeschreie und andere Klischees gewesen, doch auch sie fügt sich schnell ins Team ein und leistet ihren wertvollen Beitrag.

Die Freundschaft, die sich zwischen den Frauen entwickelt ist spürbar und ein Wiedersehen mit ihnen wäre keinesfalls unerwünscht. Wenn Tom Cruise schon beim siebten Teil angelangt ist, hat auch dieser Agentenfilm ein Sequel verdient. Dass die männlichen Kollegen hier hintanstehen müssen, ist gegeben und die Bösewichte sind herrlich überfordert mit dem internationale Superteam und haben als Schauspieler sichtlich Spass dabei.

In den vielen blutleere Ballerszenen und Verfolgungsjagden wirkt Kimber durch das PG-13 Rating eingeschränkt und gewisse schnelle Schnitte sind möglicherweise nur aufgrund dieser Altersfreigabe so gestaltet. Trotzdem ist die Action gut choreographiert und übersichtlich gefilmt, während der routinierte Score von Tom Holkenborg das Tempo angibt.

Im Zentrum des mit vielen tollen Locations aufwartenden Filmes steht eine klassische Heist-Szene in einem Auktionshaus. Hier gesellt sich zu der Lässigkeit und dem Stil eines Ocean's Eight auch noch ein ausgeklügelter Plan, wie er nur von den besten Spioninnen der Welt ausgeheckt werden kann. Dieser Heist ist eine Art Film im Film und macht unheimlich Spass. Es ist diese Szene, die The 355 auf das Wesentliche destilliert: pures Unterhaltungskino der Extraklasse ganz ohne Schnickschnack.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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