YOUTH TOPIA (2021)

YOUTH TOPIA (2021)

  1. ,
  2. ,
  3. 85 Minuten

Filmkritik: Don't f**k with the Algorithmus

Das Coming of Age Drama erzählt, wie Wanja, gespielt von Lia von Blarer, durch den allgegenwärtigen «Algorithmus» von einer Aussenseiterin zur Erwachsenen gemacht wird. Sie lässt ihr aufregendes Jugendleben als Taugenichts hinter sich und findet in ihrem neugewonnenen Traumjob als Architektin die Anerkennung, die sie lange vermisst glaubte. Von nun an ziehen Wanjas beste Freunde ohne sie um die Häuser, um auf Krawall gebürstet ordentlich Spass zu haben. Sie sind das einzige und wertvollste Überbleibsel aus Wanjas früherem Leben. Ohne sie fühlt sie sich schrecklich einsam und alleine. Wenn Wanja die Karriereleiter weiter hoch klettern will, muss sie eine schwerwiegende Entscheidung treffen.

Youth Topia hinterlässt den Eindruck eines Mixes aus Musikvideo, Dokumentarfilm und fiktionalem Film. Und in allen drei Kategorien misslingt die Inszenierung. Mit gutem Willen kann man bei der einen oder anderen Szene ein wenig schmunzeln. Das war's. Bei einer solchen Umsetzung eines Drehbuchs, das notabene auch etwas fade ist, geht auch die bestgemeinte Botschaft auf dem Weg zu den Zuschauern verloren.

Youth Topia wird als Komödie/Dramedy bezeichnet. Doch lustig ist daran so überhaupt nichts. Zusammen mit einem wilden Mix aus Emojis und Kommentaren werden mittels Handycam die verschiedenen Charaktere eingeblendet, die dem Publikum im positivsten Fall egal sind, meistens aber unsympathisch. Die Kommentare lauten dann auch mal «Wenn Du Arschloch meine Bratpfanne klauen würdest, würde ich Spiegeleier aus deinen Hoden machen», und die Jugendlichen machen sich einen Spass daraus, mit den dümmsten (oder für sie besten?) Kommentaren um sich zu werfen.

Auch der Charakter von Hauptdarstellerin Lia von Blarer wirkt unsympathisch. Und doch ist sie mit das Positivste am Film. Mit ihrer Mimik weiss sie schauspielerisch zu überzeugen. Nur was sie im Film etwas sagt und wie sie das tut, ist anstrengend.

Immerhin ist Youth Topia das Erstlingswerk von Regisseur Dennis Stormer, und man darf ihm zugutehalten, dass er sich bei der Inszenierung etwas traut. Zusammen mit Marisa Meier ist er auch für das Drehbuch verantwortlich.

Die Idee, dass Wanja unerwartet die Vormundschaft für ihren Vater Jochen (Nicolas Rosat) übernehmen muss, hat ja durchaus was. Und dieser kleine Handlungsstrang ist bezeichnend für den gesamten Film: Er bietet eine interessante Idee, doch wird daraus herzlich wenig gemacht. Schlussendlich ist der Film sehr oberflächlich und klischeebehaftet. Das Leben der Jugendlichen besteht zum grossen Teil aus Wetttrinken, Selbstzerstörung und Vandalismus. Schade.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. facebook
  4. Twitter
  5. Instagram
  6. Letterboxd

Kommentare Total: 2

SusiSonnenschein

Diese filmische Vision ist krass, schrill, wild und schräg. Youth Topia von Dennis Stormer und Marisa Meier ist absolut sehenswert. Die Story und ihre Protagonisten (wie Wanja, die Lia von Blarer überzeugend gespielt) ist eindruckvoll und wirkt nach. Ein Film nicht nur für junge Menschen. Anschauen!

Nach dem Publikumspreis auf dem Zürcher Filmfestival folgten weitere Auszeichnungen und Preis, zuletzt in Linz und Berlin.
Und das werden nicht die letzten Anerkennungen der Meisterleistung eines aussergewöhnlichen Drehbuchs und richtungsweidender Regiearbeit bleiben.

achtung BerlinFilmfestival mit der Verleihung der new berlin film awards
Beste Regie dotiert mit einem Postproduktionspreis für Tonbearbeitung oder Color Grading an Dennis Stormer für YOUTH TOPIA

Begründung der Jury Spielfilm: »Die Regiearbeit an diesem Film zeigt eine starke Vision. Der Regisseur hat eine Welt erschaffen, die so abgefahren und doch in sich so logisch ist, dassman sie in keinem Moment in Frage stellt. Er erzählt seine Geschichte konsequent und doch gibt er uns Zeit zum Staunen, Fühlen, Atmen in dieser neuen Welt. Wir lieben den diversen, individuellen Cast, die Schauspielführung, die das Ensemble zu einem Organismus zusammenwachsen lässt, den Humor, die Explosion an Ideen, Farben und den intensiven Soundtrack, bei dem der Regisseur als Music Supervisor und Musiker ebenfalls federführend war und den man sofort als Playlist haben möchte. Er geht allerdings noch einen Schritt weiter: Er stellt die eigene Vision zur Verfügung, damit sich alle Beteiligten in ihr austoben und sie erweitern können. Er schafft Raum für ernst gemeinte Partizipation. Sowohl Teammitglieder als auch alle Spielenden sollten sich bei diesem Projekt selbst verwirklichen. Das zeugt von einem Willen zum Abbau veralteter Hierarchien und von Vertrauen. Die Lust der Filmemacher:innen,neue Welten zu denken, überträgt sich auf uns Zuschauer:innen und macht diesen Film zu etwas ganz Besonderem. Es geht in dem Film um den Zauber und die Power des Kollektivs. Um die Utopie, die hoffentlich keine ist, dass Zusammenhalt zu einer Veränderung führen «

chr

Filmkritik: Don't f**k with the Algorithmus

Kommentar schreiben