Rotzbub - Willkommen in Siegheilkirchen (2021)

Rotzbub - Willkommen in Siegheilkirchen (2021)

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  2. 86 Minuten

Filmkritik: Boobs für den Rotzbub

17. Zurich Film Festival 2021
«Du hast da was im Gesicht!»
«Du hast da was im Gesicht!» © Praesens Film

Der 2016 verstorbene österreichische Karikaturist Manfred Deix stellt sich in diesem bunten Animationsfilm gleich selber vor. Im fiktiven Örtchen Siegheilkirchen beginnt die Geschichte des jugendlichen Schülers, der von allen im Ort nur «Rotzbub» genannt wird. Seine Leidenschaft ist die Zeichenkunst, die, seitdem eine neue, vollbusige Nachbarin eingezogen ist, einen vermehrt obszönen Einschlag bekommt.

Ständig stört er den Schulunterricht des örtlichen Pfarrers mit seinen heimlichen Kritzeleien und Malereien. Schnell stellt sich heraus, dass seine eher vulgäre Kunst hauptsächlich den gleichaltrigen Buben aus seiner Klasse gefällt. Seine beiden besten Freunde wittern sogar ein Geschäft mit dem Vertrieb der Gemälde. Dass sich das schnell im kleinen Ort herumspricht, lässt sich erahnen - sehr zum Unmut des Pfarrers. Einzig Rotzbubs Onkel, der ebenfalls Künstler ist und sich um das neue Fresko an der Mauer des Rathauses bemüht, schätzt die Kunst seines Neffen.

Ganz im Stile des Karikaturisten Manfred Deix bleibt die Animation unzensiert und funktioniert mit stellenweise unglaublich vulgärem Humor. Wer sich mit einem Schmunzeln an Kleines Arschloch oder die Werner-Filme erinnert, wird sich in diesem Film um das fiktive konservative Dorf pudelwohl fühlen, denn er strapaziert die Lachmuskeln.

Niederösterreich im Jahre 1960. Im Fokus steht das kleine Örtchen Siegheilkirchen. Eigentlich ein idyllischer Ort mit vielen kleinen Geschäften, Wirtshäusern und einem Dorfplatz, welcher eine Kirche und ein Rathaus ziert.

Als Sohn des hiesigen Wirtes wächst der jugendliche Rotzbub (sein wahrhaftiger Name) unter schwierigen Umständen auf. Bereits inmitten des Mutterleibs, wo die ersten Szenen des Filmes stattfinden, beginnt man zu schmunzeln. Der kleine Racker will einfach nicht raus.

Die Geschichte gleicht einer Romeo-und-Julia-Story, konkret: zwei Teenager, welche sich ineinander verlieben. Mariolina und ihre Mutter werden in diesem Ort aber auf Grund der Herkunft nicht gerne gesehen. Man erkennt Parallelen zur heutigen Zeit. Rassismus ist auch gegenwärtig noch ein grosses Thema.

Auch bei dem Thema der Sexualität dürfte sich der eine oder andere an seine jugendliche Zeit erinnern. Die erste Liebe, der erste Kuss, die ersten Versuche jemandem nahe zu sein. Wer als Teenie eine gewisse schüchterne Seite oder gar Komplexe nachweisen kann, erkennt sich in der Rolle des Rotzbubs wieder.

Dieser Film verdient das Prädikat «sehr gut». Er ist gespickt mit vulgärem Humor, provoziert von der ersten Sekunde an. Er zeigt den Anfang einer pubertären Phase, woran sich wohl so mancher Mann erinnern kann.

Willkommen in Siegheilkirchen wirkt von Anfang an sexistisch. Was in der heutigen Zeit ein No-Go wäre, ist 1960 gang und gäbe. Frauen werden hauptsächlich auf den Körper reduziert und in die Küchen zitiert.

Der Film soll aber eindeutig eine Andeutung auf die Kindheit des österreichischen Karikaturisten Manfred Deix darstellen. Wer spezielle animierte Filme mag und sich nicht ab vulgärem Humor die Haare ausreist, ist in diesem Film wunderbar aufgehoben.

Sandro Götz [goe]

Sandro bringt seit 2021 für OutNow seine Worte auf den Bildschirm. Sein erster Kinofilm, «The Lion King», hat den Löwen in ihm geweckt. Seither liebt und lebt er alles, was mit dem Thema Film zu tun hat. Auch für Videospiele ist er stets zu begeistern und daddelt gerne auf Controllern rum.

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Trailer Deutsch, 01:46