Werewolves Within (2021)

Werewolves Within (2021)

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Filmkritik: Mister Rogers lässt grüssen

20. Neuchatel International Fantastic Film Festival 2021
Ene, mene, mu und raus bist du...
Ene, mene, mu und raus bist du... © NIFFF

Finn Wheeler (Sam Richardson) kommt als Ranger neu in die Kleinstadt Beaverfield in den Bergen von Vermont an. Ausser ein paar wenigen Bewohnern und den Gästen der Inn-Betreiberin Jeanine (Catherine Curtin) sind die meisten bereits aus dem verschneiten Örtchen abgereist. Finn verguckt sich gleich ein bisschen in die junge Briefträgerin Cecily (Milana Vayntrub), die wie er im Inn wohnt. Als ein Schneesturm aufzieht, wird Beaverfield komplett von der Aussenwelt abgeschnitten. Die wenigen Stadtbewohner, die noch nicht abgereist sind, versammeln sich bei Jeanine, um dort zu übernachten.

Doch bald schon geschehen unheimliche Dinge: Ein Hund verschwindet, alle Generatoren wurden aufgeschlitzt und schliesslich taucht sogar eine Leiche auf, die offenbar von einem wilden Tier zerfleischt wurde. Schnell kommt der Verdacht auf, dass ein Werwolf dahinterstecken muss. Ist es etwa der kauzige Trapper Emerson Flint (Glenn Fleshler), der schon lange der Wilderei verdächtig wird? Oder ist es einer der Bewohner, die für oder gegen das Öl-Pipeline-Projekt des Geschäftsmanns Sam Parker (Wayne Duvall) sind? Es folgt eine Nacht voller Knarren, Verdächtigungen und jeder Menge Blut.

Nur sehr lose basierend auf dem gleichnamigen Social Deduction Game von Ubisoft, bietet Werewolves Within ganz ordentlichen Gruselspass mit Knarren, Intrigen und einer ganzen Reihe schräger Figuren. Der mit kleinem Budget, wenigen Schauplätzen und überschaubarem Cast gedrehte Film ist kaum jemals wirklich überraschend, verdreht die klassische Whodunnit-Formel aber zu einem unterhaltsamen Werweissen, das vor allem dank dem Charme des Mr.-Rogers-esken Rangers und der herzigen Pöstlerin funktioniert.

Mit seinem zweiten Langspielfilm hat Regisseur, Schauspieler und Autor Josh Ruben das VR-Game «Werewolves Within» von Ubisoft adaptiert. In diesem können sich Spieler*innen virtuell zusammensetzen, um rätselnd und lügend herauszufinden bzw. zu vertuschen, wer unter ihnen ein blutrünstiger Werwolf ist. Allerdings ist der Bezug zu diesem Rätsel- und Intrigenspiel derart lose, dass auch ein klassischer Whodunnit-Krimi die Hauptinspiration gewesen sein könnte. Im Grunde könnte die Ausganslage - eine Gruppe zusammengewürfelter Leute eingeschneit in einer Hütte, die von einem mysteriösen Angreifer bedroht wird - so ziemlich jedem Monsterfilm entnommen worden sein. Oder ist da vielleicht gar kein Monster, sondern einfach nur ein menschlicher Mörder, der da sein Unwesen treibt?

Werewolves Within weiss vor allem in jenen Dialogszenen zu überzeugen, in denen die illustren Figuren näher charakterisiert werden. Sobald sich diese jedoch gegenseitig des Werwolftums bezichtigen und ihre Knarren zücken, läuft das Ganze ein bisschen aus dem Ruder. Zweifellos erfindet der Film weder das Genre neu, noch reisst er einen jemals wirklich vom Hocker. Irgendwie fühlt sich das Ganze doch immer wieder recht vorhersehbar an; insbesondere die Nebenfiguren - vom geldgierigen Öl-Unternehmer über das schwule Influencer-Paar bis zum White-Trash-Mechanikerpaar - wirken in erster Linie schrill, schablonenhaft und tragen so wenig zur Spannung bei. Zudem sind einige Figuren, etwa die sozial unbeholfene Forscherin, etwas gar wenig ausgearbeitet und deshalb auch eindeutig zu viel des Guten. Das macht aber insofern wenig aus, weil die beiden Hauptfiguren, einnehmend gespielt von Sam Richardson und Milana Vayntrub, genügend Charme mit sich bringen, um die Zuschauenden bei der Stange zu halten. Weil die Dynamik zwischen den beiden stimmt, verzeiht man es dem Film auch fast, dass er uns die richtig überraschenden Twists schuldig bleibt.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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