Tina (2021)

Tina (2021)

Tina Turner
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  2. 118 Minuten

Filmkritik: What's love got to do with it?

Simpy the best
Simpy the best © Piece of Magic

1981 gibt Rocklegende Tina Turner dem Chefredakteur des People-Magazines ein zutiefst persönliches Interview: Jahre nach der Trennung von Ike Turner, mit dem sie fast zwei Jahrzehnte lang als Musikduo erfolgreich war, gibt sie der Öffentlichkeit preis, welch schlimmen Missbrauch sie durch ihren Ex-Mann erfahren hat. Mit Songs wie «Proud Mary» hatten die beiden Musikgeschichte geschrieben, doch hinter den Kulissen misshandelte Ike die Sängerin schwer. Als es ihr endlich gelang, sich von ihm loszusagen, überliess sie ihm das gesamte Vermögen - nur eines wollte sie behalten: ihren Künstlernamen, Tina.

Ein Bild aus früheren Zeiten.
Ein Bild aus früheren Zeiten. © Piece of Magic

Mit dem People-Interview beginnt für die Sängerin ein neuer Lebens- und Karriereabschnitt. Sie schafft mit Mitte vierzig das Comeback, kämpft sich zurück an die Spitze der Charts und legt eine unfassbare Karriere hin, die von einem Spielfilm und einem Musical gekrönt wird. Auch privat findet sie endlich das Glück. Doch die gewaltsame Vergangenheit mit Ike verfolgt Tina wie ein Schatten, den sie nicht loswird.

Tina wartet mit bisher unveröffentlichten Archivaufnahmen, exklusiven Interviewmitschnitten sowie der Rocklegende höchstpersönlich auf, die sich 2019 eigens für die Doku in Zürich interviewen liess. Grösstenteils chronologisch erzählt, zeichnet der Film die Meilensteine und grossen Wendepunkte in der Karriere der Wahlschweizerin nach und kreist dabei immer wieder um die gemeinsame Vergangenheit mit Ike Turner. Obwohl vor allem Fans bereits mit der Geschichte der Sängerin vertraut sein dürften, bietet die Doku einen zutiefst persönlichen und intimen Einblick in das Leben einer einzigartigen Künstlerin und Frau, die sich allen Widerständen zum Trotz immer wieder nach oben kämpfte.

Über vierzig Jahre ist es her, dass Tina Turner sich von Ike Turner trennte, und doch holt sie die schmerzhafte gemeinsame Zeit immer wieder ein. Wie tief die Wunden sitzen und welche Kämpfe sie beruflich wie privat auszufechten hatte, zeigt der Dokumentarfilm Tina eindrücklich.

In vier etwa dreissigminütige Abschnitte untergliedert, zeichnet die Dokumentation das Leben der Sängerin nach: von ihrem Karrierestart mit Ike über ihre Familie und die Scheidung bis zu ihren sagenhaften Erfolgen als Solokünstlerin, die schliesslich auch in privatem Glück mündeten. Die Tonaufnahmen aus dem «People»-Interview von 1981 - in dem Turner zum ersten Mal die psychische und physische Gewalt bekanntmachte, die sie durch Ike erfahren hat - setzen dabei den Erzählrahmen des Films.

Vor allem Fans, die Turners Biografien gelesen haben, dürften bereits bestens mit ihrer Lebensgeschichte vertraut sein. Die Doku bietet in dieser Hinsicht keine neuen Enthüllungen. Dafür trumpft Tina aber mit einer Fülle an teils bisher unveröffentlichtem Archivmaterial auf, darunter auch zahlreiche private Aufnahmen. Auf sehr intime, fast lückenlose Weise lässt sich so Turners musikalische und private Geschichte bebildern. Clips von ihren Auftritten demonstrieren dabei immer wieder, was für eine bahnbrechende Sängerin und Tänzerin sie war und ist. Hinzu kommen die exklusiven Interviews mit Turner selbst, sowie ihrem Mann Erwin Bach und weiteren Wegbegleitern. So kommen zum Beispiel auch Oprah Winfrey und Angela Bassett zu Wort.

Trotz einer Lauflänge von knapp zwei Stunden adressiert der Film nur die wichtigsten Meilensteine im Leben der Rockikone. Auf die Kindheit der Sängerin, deren Geburtsname Anna Mae Bullock ist, geht er nur kurz ein. Ihre legendären Begegnungen mit Rockgrössen wie den Stones finden keine Erwähnung. Stattdessen kommt der Film immer wieder auf die traumatische Vergangenheit mit Ike zu sprechen, die Turner nie komplett hinter sich lassen konnte. Interviewausschnitte zeigen, wie sie noch Jahre nach der Trennung immer wieder auf ihren Ex-Mann angesprochen wurde, obwohl damals längst bekannt war, was er ihr angetan hatte. So wurde Tina Turner einerseits zum Vorbild für Überlebende von häuslicher Gewalt, konnte aber selbst nie mit dem Thema abschliessen. Oder wie Angela Bassett es treffend formuliert: «It's hard when the worst part of your life has been an inspiration.»

Mit Tina will die Rockröhre nun endlich einen Schlussstrich unter dieses Kapitel ziehen. Der Film bietet dabei einen würdigen Schlusspunkt, denn am Ende bleibt das Bild einer Frau, die eine unglaubliche Stärke besitzt und in ihrem Leben mehr als einmal Musikgeschichte geschrieben hat.

Swantje Oppermann [swo]

Swantje ist seit 2013 Teil der OutNow-Crew. Zu ihren Lieblingen gehören «Jurassic Park», «When Harry Met Sally» und «Se7en». Bei «Titanic» muss sie noch heute heulen. Das Filmfestival Venedig liebt sie nicht nur wegen der Filme, sondern auch, weil dort der Aperol Spritz in rauen Mengen fliesst.

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