tick, tick...Boom! (2021)

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tick, tick... Boom!
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  2. 115 Minuten

Filmkritik: Mit 30 ist das Leben vorbei

Netflix
Wer braucht schon eine Freundin, wenn er ein Keyboard ins Bett kriegt?
Wer braucht schon eine Freundin, wenn er ein Keyboard ins Bett kriegt? © Netflix

Es ist Ende Januar 1990 und Johnathan Larson (Andrew Garfield) wird in knapp einer Woche 30 Jahre alt. Vor rund acht Jahren ist er mit seinem besten Freund Michael (Robin de Jesus) nach New York gezogen, um am Broadway durchzustarten. Michael hat seinen Traum inzwischen ad acta gelegt und arbeitet mittlerweile erfolgreich in einer Marketingfirma. Johnathan arbeitet als Kellner in einem kleinen Diner, wohnt in der alten schäbigen Wohnung und möchte noch vor seinem 30. Geburtstag mit «Superbia» einen Musical-Erfolg für den Broadway schreiben, solange er noch jung ist.

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Berufe raten: Coole 90er-Truppe oder moderne Hipster? © Netflix

In den Tagen bevor er die Chance erhält sein Musicaldebüt zu präsentieren, baut sich immer mehr Druck auf. Susan (Alexandra Shipp), Johnathans Freundin, möchte zusammen mit ihm New York verlassen und ein gemeinsames ruhiges Leben beginnen. Michael versucht Johnathan mit Jobs im Marketingbereich zu helfen, um finanziell über die Runden zu kommen. Und gleichzeitig erkranken immer mehr Freunde aus der Künstlerszene an AIDS. Und die Lebenszeit läuft, bald wird Johnathan 30... tick... tick... BOOM?

Das autobiographische Musical erzählt die Geschichte von Johnathan Larson, der die Musicalwelt Anfang der Neunzigerjahre erobern will. Durch die vielen Stilwechsel innerhalb des Films fällt es manchmal schwer der Handlung zu folgen. Insgesamt bietet die Musicalverfilmung aber viel Abwechslung, Spannung und einen trockenen Humor - eine Mischung, die einen daran erinnert, das Leben nicht allzu ernst zu nehmen.

Mit tick, tick... BOOM! bringt Lin-Manuel Miranda (Hamilton) das autobiographische Musical von Jonathan Larson (Rent) in das heimische Netflixkino. Dabei erzählt Larson, sympathisch gespielt von Andrew Garfield (The Amazing Spider-Man), seine eigene Geschichte - untermauert mit Gesang und einer Band. Andrew Garfield passt perfekt in die Rolle des verwirrt-zerstreuten Künstlers, der sich immer mehr in seiner eigenen Welt des Musical-Schreibens verliert. Dazu passt auch das Setdesign seiner schäbigen New Yorker Wohnung, die vor lauter Büchern und Kassetten beinahe aus allen Nähten platzt. Sogar ein alter grauer Macintosh-PC hat einen kleinen Auftritt. Dies vermag diejenigen unter dem Publikum, die vor den Neunziger-Jahren geboren wurden, in eine schöne nostalgische Stimmung zu versetzen.

Problematisch ist das Tempo des Films. Das Szenenbild wechselt immer wieder zwischen der eigentlichen Geschichte, Musicaleinlagen und dem Auftritt Larsons in seinem Musical. Dadurch ist es nicht immer einfach der Storyline zu folgen. Zudem erschwert diese sprunghafte Erzählweise es dem Publikum, sich auf die Figuren einzulassen und hineinzufühlen. Das ist sehr bedauerlich, zumal die einzelnen Handlugnsstränge um Larsons Freundin Susan, gespielt von Alexandra Shipp (X-Men: Apocalypse), und seinen besten Freund Michael, gespielt von Robin de Jesus (The Boys in the Band), einiges an emotionaler Achterbahnfahrt zu bieten hätten: Bleiben die beiden zusammen? Ja? Nein? Es ist kompliziert... Leben sich die beiden Kindheitsfreunde auseinander? Und was passiert eigentlich Offscreen mit all den an Aids erkrankten Freunden?

Die zweite Hälfte des Films wird jedoch etwas ruhiger oder man gewöhnt sich bis dahin an das Tempo und kann der Handlung besser folgen. Die Musicaleinlagen bieten viel Abwechslung und Humor. Ausserdem wird durch die lebendige Inszenierung und das immer wiederkehrende Ticken ein schöner Spannungsbogen aufgebaut, dank dem das Publikum bis zum Schluss dranbleibt.

Diana Rolny [dro]

Diana arbeitet seit 2013 als Freelancerin bei OutNow. Sie liebt Dokumentationen wie «The Life of Brian» und Wanderfilme aus Mittelerde. Zu schwarzhumorigen Komödien geniesst sie gerne einen Martini Dry, bei Sci-Fi einen Pangalactic Gargleblaster und bei sinnfreien Kunstfilmen einen Molotowcocktail.

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