The Story of My Wife (2021)

The Story of My Wife (2021)

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  3. 169 Minuten

Filmkritik: Ein Kapitän im Sturm der Liebe

74e Festival de Cannes 2021
Du, das knistert ja wie damals auf der Titanic!
Du, das knistert ja wie damals auf der Titanic! © Hanna Csata

«Die nächste Frau, die dieses Restaurant betritt, werde ich heiraten», sagt der erfahrene Schiffskapitän Jakob Störr (Gijs Naber) zu dem zwielichtigen Geschäftsmann Kodor (Sergio Rubini), mit dem er sich in Paris zum Essen verabredet hat. Jakob hat Glück, als kurz darauf die verführerische und geheimnisvolle Lizzy (Léa Seydoux) auftaucht. Der Kapitän lässt seinen Worten Taten folgen und fragt sie, ob sie seine Frau werden möchte. Lizzy geht auf das Spiel ein, zunächst um ihre Verabredung eifersüchtig zu machen und später mit ernsten Absichten. Bereits bei ihrer ersten Begegnung wird jedoch das Problem von Jakobs langen Abwesenheiten aufgrund seiner Tätigkeit zur Sprache gebracht.

An mir gibts kein Vorbeischauen, klar?
An mir gibts kein Vorbeischauen, klar? © Hanna Csata

Jakob zweifelt an Lizzys Treue und sieht sich bedroht, als sie in einer Bar auf den wohlhabenden Dedin (Louis Garrel) treffen, der Gefallen an ihr findet. Aufgrund seines stetigen Misstrauens will Lizzy von ihm wissen, wieso er an ihr festhält und sich nicht nach einer anderen Frau umschaut. Als er auf einer Kreuzfahrt in einen Sturm gerät und das zu sinken drohende Schiff in letzter Sekunde rettet, begegnet er Grete (Luna Wedler), die sich sofort in ihn verliebt und seine Ehe auf die Probe stellt.

Mit The Story of my Wife verfilmt die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi ein Liebesdrama, das visuell sehr ansprechend daherkommt und mit insgesamt starken schauspielerischen Leistungen überzeugt. Insbesondere die Harmonie zwischen Hauptdarsteller Gijs Naber und Léa Seydoux sticht heraus. Wieso sich dieser Film jedoch so viel Zeit nehmen muss, um seine Geschichte zu erzählen, ist fragwürdig. Und Kernaussagen sind auch nur schwer auszumachen in dem nur bedingt stürmischen Drama.

Ildikó Enyedi wurde für ihren letzten Film On Body and Soul an der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet und erhielt eine Oscarnomination für den besten fremdsprachigen Film. Ihr neues Liebesdrama The Story of my Wife, das auf dem gleichnamigen Roman von Milán Füst aus dem Jahre 1942 basiert, erreicht die Qualität ihres Vorgängerwerks leider nicht.

Mit einer Gesamtlänge von beinahe drei Stunden nimmt sich der Film viel zu viel Zeit, um die eher inhaltsarme und blass wirkende Geschichte zu erzählen. Enyedi lässt die Zuschauer so etwas ungesättigt zurück und verfehlt es, ihrem Film mit gewichtigen Aussagen Bedeutung zu geben. Dass die Beziehung zwischen einem begehrten Schiffskapitän und seiner attraktiven Ehefrau regelmässig auf die Probe gestellt wird, ist nachvollziehbar. Aber den Anspruch zu haben, daraus eine epische Affären-Geschichte zu erzeugen, ist unverhältnismässig.

Die narrativen Mängel, die der Film hat, machen auch die guten schauspielerischen Leistungen, die schöne Kostümierung und das ansprechende Setting im Paris und Hamburg der 1920er-Jahre-Look nicht wett. Und in der herausragenden Szene, in der ein Kreuzfahrtschiff zu sinken droht und die mit beklemmender Atmosphäre stark umgesetzt ist, wird zwar das Schiff gerettet, nicht aber der Film.

Schade, denn die Chemie zwischen Gijs Naber als skeptischem misstrauischem Schiffskapitän und Léa Seydoux als mysteriöser, verführerischer Femme Fatale passt gut. Und auch die Schweizerin Luna Wedler holt aus ihrem kurzen, aber beschwingten Auftritt das Beste heraus und überzeugt mit als frischverliebte Verehrerin des Protagonisten.

Gianluca Izzo [gli]

Gianluca ist seit 2013 als Freelancer für OutNow tätig. Er liebt es, verborgene Perlen an Filmfestivals zu entdecken, insbesondere in Venedig. Neben seinem Faible für italienische und skandinavische Filme bewundert er die Werke von Scorsese, Lynch, Villeneuve und Chazelle sowie die Bond-Klassiker.

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Trailer Englisch, mit deutschen und französischenf Untertitel, 02:35