Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings (2021)

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings (2021)

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  3. 132 Minuten

Filmkritik: Bus Boy vs. the Lord of the Rings

Der ganz normale Pendlerwahnsinn
Der ganz normale Pendlerwahnsinn © Marvel Studios

Mithilfe von zehn magischen Armringen konnte der unbezwingbare Kämpfer Wenwu (Tony Leung) während Tausend Jahren Armeen zerschmettern, Länder erobern und die mächtige Verbrecherorganisation der Ten Rings schaffen, die bis heute auf der ganzen Welt die Fäden zieht. Auf der Suche nach einem mystischen Ort namens Ta-Lo, dessen Bewohner einen besonderen Kampfstil beherrschen, traf Wenwu schliesslich erstmals auf jemanden, der ihn im Kampf besiegen konnte: die sanfte Kämpferin Jiang Li (Fala Chen), in die er sich auch verliebte.

«If you like it, then you shoulda put a ring on it.»
«If you like it, then you shoulda put a ring on it.» © Marvel Studios

Jahre später lebt der junge Shaun (Simu Liu) in San Francisco. Er und seine beste Freundin Katy (Awkwafina) arbeiten beim Parkdienst eines Hotels und haben keine grossen Pläne für die Zukunft. Eines Tages werden die beiden auf der Busfahrt zur Arbeit von einer Gruppe Schläger angegriffen, gegen die sich Shaun mit unglaublichem Martial-Arts-Können verteidigen kann. Weil die Angreifer es auf den Anhänger seiner Mutter abgesehen haben, reist Shaun mit Katy nach Macau, wo seine Schwester Xialing (Meng'er Zhang) lebt. Denn Shaun - der eigentlich Shang-Chi heisst - ahnt, dass sein Vater Wenwu dahintersteckt, der seine Kinder nun mit allen Mitteln nach Hause holen will, damit sie ihm bei einem gefährlichsten Plan helfen.

Ähnlich wie schon Black Panther verzichtet auch Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings auf die üblichen (weissen) Hollywoodgesichter und bringt mit einem fast ausschliesslich asiatischstämmigen Cast einen gehörigen Schuss Eastern ins Marvel Cinematic Universe. Die Geschichte ist einfach gestrickt und hätte durchaus noch mehr von den Figuren, allen voran dem titelgebenden Helden zeigen können, der von Newcomer Simu Liu äusserst sympathisch verkörpert wird. Atemberaubende Kampfsequenzen, einige Wiedersehen mit Bekannten und ein erstaunlich vielschichtiger Gegner machen den Film aber zu einem kurzweiligen Fantasy-Actionspektakel, das neben Humor auch viel Herz hat.

Nachdem Black Panther mit einem afroamerikanischen Regisseur sowie fast rein schwarzem Cast einen gigantischen Boxoffice-Erfolg erzielen konnte, lag es nahe, Ähnliches für Asien und nicht zuletzt für den enorm lukrativen chinesischen Filmmarkt zu versuchen. Immerhin warten die Marvel-Comics mit unzähligen Figuren und Geschichten aus Asien auf, die spannende Action und spektakuläre Fantasyelemente etwa im Stile der Wuxia-Filme auch in den MCU-Filmen versprechen.

Dass eine direkte Umsetzung der Comics nicht immer klug ist, konnte Marvel bereits bei der Netflix-Serie Iron Fist erfahren, die scharf kritisiert wurde, weil asiatische Figuren in eher stereotypen Nebenrollen auftauchten. Daraus hat man offenbar gelernt, denn Marvel liess schon früh verlauten, dass Shang-Chis grösster Comic-Gegner Fu Manchu im Film nicht auftauchen würde, da es sich bei der in den 1910er-Jahren erfundenen Figur um ein negatives Stereotyp eines Asiaten handelt. Zwar ist der Gegner immer noch der Vater von Shang-Chi, die Figur Wenwu wurde jedoch völlig neu konzipiert und mit dem Hong-Kong-Superstar Tony Leung (Infernal Affairs, In the Mood For Love, Hero) besetzt, der hier seinen ersten Auftritt in einem englischsprachigen Film hat.

Auf dem Regiestuhl nahm Destin Daniel Cretton (Short Term 12) Platz, ein weiterer junger Indie-Regisseur, der in die Marvel-Liga aufsteigen und sein Talent an einem grossen Blockbuster-Budget austoben durfte. So versammelt der erste «asiatische» Film im MCU einen internationalen Cast, der neben Awkwafina (The Farewell) und arrivierten Stars wie Michelle Yeoh und Leung auch auf Newcomer wie Hauptdarsteller Simu Liu (Kim's Convenience) setzt, der als sympathischer Kämpfer mit Herz den Film problemlos schultert.

Shang-chi and the Legend of the Ten Rings bildet ein interessantes Mittelding im MCU: Einerseits greift der Film Erzählstränge aus früheren Filmen wieder auf, so etwa die Ten Rings, denen wir bereits mehrfach begegnet sind. In Iron Man waren sie die Schurken, die Tony Stark in Afghanistan entführten; in Iron Man 3 tauchte ihr Anführer Mandarin gleich doppelt auf. Gleichzeitig werden neue Figuren und neue Welten eingeführt, die neben den Filmen um Thor und Doctor Strange wohl den grössten Fantasyfaktor im MCU aufweisen. Die fantastischen Kreaturen in Ta-Lo sind z. B. eine Art Mischung aus chinesischer Mythologie und Pokemon und sorgen so für einigen Wow- und Jö-Faktor.

Neben den Fantasyelementen bietet der inzwischen 25. Marvelfilm vor allem enorme Schauwerte bei den aufwendig inszenierten Kampfsequenzen; besonders kann der lange Kampf im Bus in San Francisco begeistern und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Im Vergleich zur Action ist die Story eher einfach gehalten, was den Unterhaltungsfaktor des Filmes aber kaum mindert, denn der Film weiss auf andere Weise zu begeistern. Es sind die emotionaleren Szenen, die überzeugen, so etwa die Freundschaft zwischen Shang-Chi und Katy sowie die Beziehung zu seinen Familienmitgliedern. Highlight des Filmes ist ohnehin der von Tony Leung erstaunlich sensibel und vielschichtig verkörperte Wenwu, der abseits des üblichen Marvel-Bösewichts eine komplexe Figur mit nachvollziehbaren Motiven ist, mit der man sogar mitfühlt.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Kommentare Total: 3

muri

Trevor und Morris stehlen in ihren leider viel zu kurzen Momenten die Show. Der Held bleibt (noch) farblos und die grosse Pokemon-Show am Ende war unnötig und viel zu überladen. Vielleicht hätte man das Ganze 30-40 Minuten kürzen sollen. So bleibt viel Leerlauf und mit Awkafina hat eine nervtötende Dame an Bord, die schon nach wenigen Minuten überflüssig erscheint.

goe

Die erste Hälfte des Filmes ist wunderschön und gespickt mit vielen Action-Szenen. Bus-Boy schlägt sich hervorragend, zeigt viel Gefühl und stellt sich so manchem Gegner bravourös. Die zweite Hälfte geniesst einen viel grösseren Disney-Einfluss. Bunt, viele mehr oder weniger süsse Tierchen. Da fehlt eigentlich nur noch eine singende Prinzessin. Das CGI lässt zum Teil ein wenig zu wünschen übrig. Trotzdem ist der Film unterhaltsam und ich empfehle ihn auf jeden Fall weiter. Für alle Marvel-Fans, die sich ab einem Mix aus "Iron Fist" und "Dragonball" nicht stören.

pps

Filmkritik: Bus Boy vs. the Lord of the Rings

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