Shadow and Bone (2021)

Shadow and Bone (2021 / Serie)

Shadow and Bone - Legenden der Grisha
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Serien-Review: Nie ohne meine Geiss!

Netflix
«'cos youuuu light up my liiiight!»
«'cos youuuu light up my liiiight!» © Netflix

Das Königreich Ravka ist durch die Schattenflur geteilt, eine dunkle Zone voller schwarzer Magie und Monstern. Als eine Truppe der Armee die Schattenflur durchqueren soll, wird auch der Fährtenleser Malyen «Mal» Oretsev (Archie Renaux) für die Mission ausgewählt. Durch einen Trick kann auch die Kartenmacherin Alina Starkov (Jessie Mei Li) mitfahren, die mit Mal in einem Waisenhaus aufgewachsen ist. Die Truppe wird jedoch bald von Monstern attackiert - bis ein gleissendes Licht um Alina erscheint und die Monster vertreibt.

Alina wird zum mächtigen General Kirigan (Ben Barnes) gebracht, der sie einem Test unterzieht und erkennt, dass Alina zu den Grisha gehört, die mit besonderen Kräften geboren werden. Doch Alinas Fähigkeiten sind einzigartig, denn sie kann Licht beschwören. Weil der Legende nach ein Sonnenkrieger die Schattenflur vertreiben soll, soll Alina in der Hauptstadt als Grisha ausgebildet werden.

Ocean's Eleven: das Fantasyremake
Ocean's Eleven: das Fantasyremake © Netflix

Zur selben Zeit in der weit entfernten Handelsstadt Ketterdam will der Gauner Kaz Brekker (Freddie Carter) mit der Spionin Inej Ghafa (Amita Suman) und dem Meisterschützen Jesper Fahey (Kit Young) einen Coup landen, der sie reich machen soll. Dafür muss er jedoch einen Weg finden, um heimlich die Schattenflur zu durchqueren.

In einer Welt, in der Magier, Soldaten, Revolverhelden und Monster gegeneinander kämpfen, ist es ein Geissli, das den Vogel abschiesst und eindeutig zu den Highlights der ersten Staffel von Shadow and Bone zählt. Das heisst jedoch nicht, dass der Rest nichts taugt, ganz im Gegenteil: Mit einem enormen Produktionsaufwand, toll ausgewählten Darstellern und einer cleveren Erzählstruktur wird die Welt der Grisha auf beeindruckende Weise lebendig. Spannend ist vor allem die Heist-Storyline, welche die konventionelle Auserwähltengeschichte wie auch die Romancehandlung immer wieder auflockert und der Fantasywelt so einen modernen, frechen Twist verleiht.

Den Namen Eric Heisserer dürften Filmfans vielleicht kennen, ist er als Autor doch für zahlreiche Horrorfilme wie The Thing und Bird Box bekannt und konnte mit seinem Drehbuch für Arrival sogar eine Oscarnomination verbuchen. Nun wechselt Heisserer ins Serienfach und bringt als Showrunner, ausführender Produzent und Drehbuchautor Leigh Bardugos Jugendbücher in der Grishawelt auf die Streamingbildschirme. Sein Händchen für Horror ist dabei zwar stellenweise noch zu erkennen, doch hält man hier selbst in Monsterszenen oder bei den magisch unterstützten Kampfsequenzen kaum den Blick drauf, wenn's mal brutal wird. Als gross angelegte Fantasyserie, die weder zu blutig noch zu freizügig wird, dürfte Shadow and Bone deshalb wohl auch jenen Teil des Publikums ansprechen, für den The Witcher oder Game of Thrones etwas zu blutig und/oder zu nackig war.

Von diesen Serienhits unterscheidet sich Shadow and Bone allein schon deshalb, weil die Geschichte nicht in einer ans europäische Mittelalter angelehnten Welt mit Rittern und Burgen spielt. Ravka orientiert sich vielmehr am Russland des 18. Jahrhunderts, während Ketterdam an eine Mischung aus Gaunerstadt und Wildem Westen erinnert. Beide Settings sind mit grossem Produktionsaufwand umgesetzt und wirken nicht zuletzt auch durch den multikulturellen Cast weder fantasy- noch hollywoodtypisch, da mit Ausnahme von Ben Barnes und Zoë Wanamaker weitgehend unbekannte Gesichter zu sehen sind.

Keine Frage: Alinas Geschichte, wenn auch souverän umgesetzt, bietet nur wenige Überraschungen und hat seinen Reiz in erster Linie bei den sympathisch aufspielenden Darstellern. Deshalb erweist es sich als äusserst cleverer Kniff, dass man sich dafür entschieden hat, gleich beide Buchreihen in Bardugos Buchwelt zu adaptieren, deren Handlungen nacheinander stattfinden. Indem nun für die Gaunertruppe in Ketterdam für die Serie eine eigene Vorgeschichte erfunden wurde, die sie mit den anderen Figuren verbindet, entsteht ein spannender Mix, welcher es ermöglicht, parallel zur Romance-lastigen Geschichte um Alina, Mal und den Darkling eine fintenreichen Gaunergeschichte zu erzählen. So sind es letztlich auch Kaz Brekker und seine Truppe, deren Storyline am meisten Spass macht, da sie Action, Spannung und Humor in die Auserwähltengeschichte streuen. Die MVPs der Serie sind aber zweifellos Newcomer Kit Young als eitler und trotzdem liebenswerter Meisterschütze Jesper sowie das herzige Geissli Milo, welches es bereits zu Meme-Ehren geschafft hat.

Die ersten acht Folgen von Shadow and Bone führen eine Reihe sympathischer Figuren ein, für die bereits der Beginn weiterer Abenteuer angerissen wird. Überhaupt wird hier eine vielversprechende Welt gezeigt, der man auch Zeit lässt, um sich zu entfalten, ohne dass die Zusammenhänge immer gleich erklärt werden müssen. Auch wenn die Serie stellenweise überladen wirkt - gerade die Storyline von Nina scheint etwas zu viel des Guten -, so macht sie definitiv Lust auf mehr.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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