Satoshi Kon, l'illusionniste (2021)

Satoshi Kon, l'illusionniste (2021)

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  2. 81 Minuten

Filmkritik: Das Leben und Schaffen des Satoshi Kon

19. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2021
Gerne hätten wir noch mehr von dir gesehen, Satoshi.
Gerne hätten wir noch mehr von dir gesehen, Satoshi. © Studio / Produzent

Satoshi Kon begann seine Laufbahn als Mangaka, bevor er Anime-Regisseur wurde und die vier Filme Perfect Blue, Millennium Actress, Tokyo Godfathers und Paprika sowie die Serie Paranoia Agent mit insgesamt 13 Episoden realisierte. 2010 verstarb er viel zu früh. Mit Filmsequenzen aus seinem Werk sowie Interviews mit Regisseuren, Animatoren, Synchronsprecherinnen und Filmkritikern geht diese Dokumentation auf Kons Leben ein und stellt einen Bezug her zur Rolle des Animationsfilmes in der Gesellschaft und der Filmbranche.

Mit kurzen Anlaufschwierigkeiten startet die Dokumentation von Pascal-Alex Vincent um das Leben und Schaffen des japanischen Mangaka und Drehbuchregisseurs Satoshi Kon, ehe sie sich in chronologischer Abfolge mit dessen Werk befasst. Sie zeichnet dabei ein vielseitiges Bild von ihm als Mensch, seiner Arbeits- und Denkweise und seinen grossen Visionen, welche er durch sein viel zu kurzes Leben trug. Satoshi Kon, l'illusionniste ist interessant und informativ - für Anime-Fans ein Muss!

Sein Erstlingswerk Perfect Blue wurde im selben Jahr veröffentlicht wie Ghiblis Prinzessin Mononoke. Satoshi Kon stand lange im Schatten des grossen Anime-Studios. Es dauerte eine Weile, bis man, wenn man von japanischen Animationsfilmen sprach, nicht mehr nur an Ghibli dachte und sich Kon einen Namen als intelligenter, sozialkritischer Drehbuchautor und Regisseur geschaffen hatte.

Nach anfänglicher Irrfahrt von Ort zu Ort und von Person zu Person, findet Satoshi Kon, l'illusionniste doch noch sein System und eine chronologische Gliederung: Nachdem die Dokumentation auf das Schaffen Kons als Mangaka eingeht, wird sie schliesslich in fünf grosse Kapitel gegliedert, benannt nach seinen vier Spielfilmen und der von ihm produzierten Serie. Chronologisch beginnt sie mit Perfect Blue, seinem ersten Anime, und beleuchtet dabei nicht nur den Entstehungsprozess, sondern Deutungen, Interpretationen und die zeitgeistliche Eingliederung der Animationsfilme. Immer wieder werden dabei Sequenzen aus den Animes eingespielt.

Dabei kommen nicht nur Regie-Kolleginnen und -Kollegen wie Mamoru Hosoda, Darren Aronofsky oder Rodney Rothman zu Wort, sondern auch Animatorinnen und Animatoren, die mit Kon eng zusammengearbeitet haben. Sie teilen ihre ganz persönlichen Erfahrungen und Storys, welche sie mit Satoshi Kon erlebt haben. Diese Erlebnisse sind dann auch wenig beschönigend, es wird offen angesprochen, dass Kon hohe Ansprüche an seine Filme und auch seine Mitarbeitenden hatte und es mit ihm durchaus auch zu einem Zerwürfnis kommen konnte, wenn die Ansichten zu weit auseinandergingen.

Interessant sind bei den Episoden, die seinen Filmen gewidmet sind, auch die Hintergrundinformationen sowie die Referenzen, welche Kon beeinflusst haben oder die durch Kons Schaffen Einfluss auf die Filmbranche hatten und es immer noch tun: Zum Beispiel, dass Darren Aronofsky für Requiem for a dream eine Szene von Perfect Blue übernahm oder welchen Einfluss das Kino Japans der Dreissiger- bis Siebzigerjahre auf sein Werk hatte. Diese Facts setzen seine in der Thematik ernsten und sozialkritischen Filme in einen Kontext.

Die Dokumentation liefert so persönliche Einblicke und lässt Kon in aufgezeichneten Interview-Sequenzen auch selbst zu Wort kommen - ein gelungenes Gesamtpaket über ihn als Menschen, seine Visionen als Mangaka und als Regisseur.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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