Room Without a View (2021)

Room Without a View (2021)

  1. ,
  2. 73 Minuten

Filmkritik: Sklaverei des 21. Jahrhunderts

17. Zurich Film Festival 2021
© Zurich Film Festival

Jährlich kommen tausende Frauen aus Gebieten wie Aserbaidschan, den Philippinen oder Ghana in den Libanon, um dort als Hausmädchen zu arbeiten. Dabei verfolgen sie das Ziel, ihre Familie zuhause finanziell zu unterstützen und Geld für eine zukünftige Ausbildung zu sparen. Was sie an ihrem «Arbeitsplatz» erwartet, sind unmenschliche Arbeitsbedingungen. Die Arbeitgeber haben die Frauen praktisch komplett im Besitz und lassen sie Wochen bis Monate nicht an die frische Luft. Und dank dem Kafala-System, einer Art verschobenen Bürgschaft, sind diese sklavenähnlichen Verhältnisse komplett legal.

Room Without A View überzeugt als Dokumentarfilm leider nicht. Es wird fast über die ganze Laufzeit nur erzählt, wie schlecht es den Frauen geht. Das ist zweifelsfrei tragisch, der Film stellt aber kaum etwas in einen Kontext und hätte wohl als 20-minütiger TV-Beitrag besser funktioniert. Es gibt keine Personen, die das Publikum führen und an denen man sich festhalten könnte. Viel mehr sind es kurze Vignetten, unterbrochen von Aufnahmen zerschossener Balkone und weissen Vorhängen. Die Thematik verdient es allemal angesprochen zu werden, dieser Film hat dafür aber nicht die richtige Form gefunden.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Instagram
  6. Letterboxd