Prey (2021/VI)

Prey (2021/VI)

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  2. 87 Minuten

Filmkritik: Die Jägerin aus dem Wald

Netflix
Wortkarge Mörderin.
Wortkarge Mörderin. © Netflix

Roman (David Kross) wird heiraten. Bevor er sich «auf ewig bindet» macht er mit seinen Freunden Peter (Robert Finster), Vincent (Yung Ngo) und Stefan (Klaus Steinbacher) sowie seinem Bruder Albert (Hanno Koffler) einen typischen Männerausflug, bei dem sie im Wald wandern, zelten und sich einfach nochmals frei fühlen können. Kurz bevor sie zum Wagen gehen, um zurück in ihre alten Leben zu kehren, hören sie Schüsse. Erst denken sie, es sei ein Jäger, bis sie merken, dass offenbar sie die Beute sein sollen.

Der Wald wird zur Falle.
Der Wald wird zur Falle. © Netflix

Die Männer fliehen in den Wald hinein und verlieren sich immer tiefer darin. Am See treffen sie auf eine Frau, die sie um Hilfe bitten, doch ist es sie, die es auf sie abgesehen hat. Gnadenlos, ohne je ein einzelnes Wort an sie zu richten, schiesst sie mit ihrem Gewehr auf die Männer, bis ihr einer nach dem anderen zum Opfer fällt. Roman versucht, herauszufinden, wer diese Frau ist. Sein Bruder und er sind schliesslich die einzigen, die es lebend aus dem Wald schaffen könnten.

Leider schafft es Prey über die ganze Länge des Films nicht, Spannung aufzubauen. Die Dialoge sind schwach, die Figuren durchweg uninteressant und oberflächlich. Die Konflikte zwischen den Figuren wirken vorhersehbar und der gesamten Handlungsmotivation fehlt es an Konsistenz, Logik oder sonst irgendwie an Originalität. Unklar bleibt auch, ob es sich um eine Art von Rache oder Urauseinandersetzung zwischen den Geschlechtern handeln soll.

Es ist bereits der zweite Thriller des deutschen Regisseurs Thomas Sieben, der von Netflix produziert wurde. Während Kidnapping Stella ein deklariertes Remake eines US-amerikanischen Films war, ist Prey inoffiziell, aber nicht weniger offensichtlich, ebenfalls eine Anlehnung an vorangegangene Werke, in diesem Fall The Hunt von Craig Zobel oder die Wrong Turn-Serie. Sich bei anderen Inspiration zu holen, muss an sich nichts Schlechtes sein, doch in diesem Fall muss man davon ausgtehen, dass dies aus Mangel an eigener Kreativität geschehen ist.

Die Charakterzeichnung ist banal. Die Männerrunde besteht aus entweder arroganten Machotypen oder gefühligen Intellektuellen, die von ersteren systematisch klein gemacht werden. Dass die cool-lockere Oberfläche eben nur eine Fassade ist, kann man sich sofort denken, so wie das nun mal meist bei Thrillern oder Horrorfilmen der Fall ist; dass eine anfängliche Idylle vorgespiegelt wird, die tiefe Traumata offenlegen wird. Der Hauptkonflikt besteht zwischen den Brüdern Roman und Albert. Albert hat seinem Bruder eine Stelle in seinem Start-up versprochen, doch zögert offenbar dessen Einstieg schon längere Zeit heraus. Und irgendwie wird auch klar, dass Albert eine Geschichte mit Romans Verlobten am Laufen hat. Wer hätte das gedacht?

Besonders ungeschickt wirken die Rückblenden, die Romans glückliche Tage mit seiner Verlobten zeigen. Sie wiederholen die immer gleichen Bilder und sollen vermutlich die Fallhöhe zwischen Glück und Unglück künstlich maximieren. Die Versuche, ein wenig Spannung mit der enigmatischen Figur der Mörderin zu erzeugen, schlagen schliesslich auch fehl. Sie bleibt bis zuletzt farblos.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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