President (2021)

President (2021)

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  2. 130 Minuten

Filmkritik: Simbabwe tut dem Herzen weh

17. Zurich Film Festival 2021
«Put your hands up in the air!»
«Put your hands up in the air!» © Zurich Film Festival

Simbabwe, 2018: Das Land steht vor einem der grössten Umschwünge in der Geschichte. Das Volk fiebert dem im Juli stattfindenden Wahlkampf entgegen. Unter der Geisel der Diktatur erleidet das Volk Unterdrückung und Ausbeutung der Machthaber. Da hilft eigentlich nur eine neue, demokratische Partei, die gegründet wurde, um die düstere Geschichte zu ändern. Nelson Chamisa, ein junger Anwalt, übernimmt kurzerhand die Führung dieser Partei, tritt mit Charme und Überzeugung vor das Volk und übermittelt Mut und Stärke.

Der Erfolg Chamisas führt unweigerlich zum Unmut des amtierenden Diktators Emmerson Mnangagwa. Dieser versucht aber, seine verbliebene Macht nach allen Regeln der Kunst einzusetzen, um einen allfälligen Machtwechsel zu verhindern - so dramatisch, dass zuweilen auch das anwesende Kamerateam ins Kreuzfeuer gerät. Nelson Chamisa und sein Team setzen alles daran, den Sieg an sich zu reissen.

Wow, was ist das für ein unglaublicher Dokumentarfilm! Selbst wenn man kein Fan von Dokus ist, ist dieser Film ein absolutes Muss. Wer Simbabwe nicht kennt, erntet bei diesem Film geballtes und unzensiertes Wissen. Man ist so hautnah mit dabei, dass man bei gewissen Szenen am liebsten gar nicht hinschauen möchte, es aber dann trotzdem tut. Gnadenlos und unzensiert erzählen die Filmemacher die Geschichte über die Politik eines Landes, welches so mancher nicht auf der Landkarte verorten mag und laden zum Nachdenken ein.

Was für ein dokumentarischer Paukenschlag! Nicht nur durch die zeitliche Nähe, sondern auch durch das Ausmass, wird man als Zuschauer von der ersten Minute an mitgerissen. Auf dem Weg durch die Agglomerationen Simbabwes erlebt man den Wahlkampf aus nächster Nähe, freundet sich auf Dauer mit der Ideologie des Nelson Chamisa an und beginnt, Sympathien aufzubauen.

Seine Idee eines freien Simbabwe ist spannend und klingt für unser demokratisches Verständnis logisch. Für Unverständnis sorgt dafür der unnachgiebige, amtierende Diktator Emmerson Mnangagwa. Er sorgt mit Hilfe des ehemaligen Diktators Robert Mugabe dafür, dass sich der Zuschauer teilweise so richtig ärgert.

Wie Regisseurin Camilla Nielsen bereits in ihrem Film Democrats bewiesen hat, steht sie für die Gerechtigkeit in den von Diktatur unterdrückten Ländern ein und sorgt für einen unglaublichen Einblick in ein Land, das man nie so richtig auf dem Schirm hat. Umso wichtiger ist ihr Mut, sich den Gefahren der Politik zu stellen und zu zeigen, wie ungerecht diese Welt an manchen Orten sein kann.

Dieser Film brennt sich in die Gedanken und Herzen der westlichen Welt. Schockierend, emotional und unglaublich nahe am Geschehen präsentiert sich die Dokumentation als Augenöffner. Selbst beim androhenden Krieg zwischen den aufständischen Bürgern und der staatlichen Polizei sind die Kameras auch im Kreuzfeuer auf die Strasse gerichtet: unzensiert, blutig, nichts für schwache Nerven.

Man leidet mit dem volksnahen Nelson Chamisa mit, vergiesst aus Wut und Unverständnis womöglich die eine oder andere Träne. Ausserdem pikant: Im Abspann des Filmes sind viele Namen der Filmschaffenden zum eigenen Schutz mit «Anonymous» betitelt. Alles in allem eine der besten; wenn nicht sogar die beste politische Dokumentation seit Ewigkeiten. Ein Must-see für alle.

Sandro Götz [goe]

Sandro bringt seit 2021 für OutNow seine Worte auf den Bildschirm. Sein erster Kinofilm, «The Lion King», hat den Löwen in ihm geweckt. Seither liebt und lebt er alles, was mit dem Thema Film zu tun hat. Auch für Videospiele ist er stets zu begeistern und daddelt gerne auf Controllern rum.

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