Peter Rabbit 2: The Runaway (2021)

Peter Rabbit 2: The Runaway (2021)

Peter Hase 2 - Ein Hase macht sich vom Acker
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  3. 93 Minuten

Filmkritik: Peter's Eleven

«Bringt die Hasenpfote auch dem Hasenfuss Glück?»
«Bringt die Hasenpfote auch dem Hasenfuss Glück?» © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Peter Rabbit (Stimme von James Corden) hat sich definitiv geändert. Einstmals ein über die Stränge schlagendes, provokatives Schlitzohr hat er aus seiner letzten veranstalteten Katastrophe gelernt und verwandelte sich in der Folge zum Prediger der Bescheidenheit. Eines vermisst er aber immer noch: väterliche Akzeptanz. Dies wird ihm besonders klar, als «Hasenmama» Bea (Rose Byrne) ausgerechnet seinen einstmaligen Widersacher Thomas McGregor (Domhnall Gleeson) heiratet. Von diesem fühlt sich Peter weiterhin missverstanden, hält doch jener das Langohr mit der blauen Jacke für einen Tunichtgut.

«Diese Sorte nenne ich ‹Hoppela›!»
«Diese Sorte nenne ich ‹Hoppela›!» © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Dann wird das Familienidyll zusätzlich auf die Probe gestellt. Es ruft der charismatische Verleger Nigel Basil-Jones (David Oyelowo) an, um die Rechte an Beas unlängst erschienenem Buch über Peter und seine Freunde zu bekommen. Dem smarten Geschäftsmann schwebt eine gigantische Franchise vor - mit Peter in der Rolle des Bösewichts. Als dieser das mitbekommt, zieht er enttäuscht von dannen und trifft auf seinem Verzweiflungsspaziergang den Strassenhasen Barnabas (Stimme von Lennie James). Diesem kommt Peter gerade recht, plant er doch zusammen mit seinen Kumpanen den grossen Coup.

Diese elegante, kreative und vielschichtige Familienkomödie macht nahtlos dort weiter, wo ihr Vorgänger aufgehört hat. Dessen Storyline wird in nordwestenglischer Bilderbuchstimmung ebenso weitergeführt wie dessen einwandfreie Animation, Gagdichte und Rasanz des Geschehens. Auch all den bekannten, allesamt liebenswerten Haupt- und Nebencharakteren begegnet man wieder; es fühlt sich definitiv an wie ein Heimkommen.

Im Vergleich zum ersten Teil widmet sich dieses Abenteuer mehr den tierischen Gesellen als den menschlichen. Das führt dazu, dass Rose Byrnes Bea - immerhin eine Hommage an die Urheberin nahezu all der im Film vorkommenden Figuren - nicht mehr als blasses Beiwerk bleibt. Domhnall Gleeson hingegen mimt erneut solid den Sidekick, doch immerhin: Der Raum, der den Menschen abgeht, wird dafür genutzt, um andere Charaktere aus dem Universum Beatrix Potters einzuführen, darunter die Katzen Tom und Mittens oder die Ratte Samuel Whiskers. Im Vergleich zur Originalvorlage sind diese - wie schon der Titelheld im Vorgängerfilm - etwas gar böse geraten.

Diesem zweiten Teil hat Peters Wandlung auf jeden Fall gutgetan. Angriffe auf seine verletztliche Seite kontert er nun nicht mehr mit Aggression, sondern mit Verständnis und Kompromissbereitschaft - Peter darf nun vollends Vorbild sein. Allerdings ist damit auch in allen Belangen Frieden und Harmonie eingekehrt. Wie also macht man einen unterhaltsamen Film ganz ohne Konflikte? Drehbuchautor und Regisseur Will Gluck hat sich dazu entschieden, mit einer Typologie des zivilisierten Menschenlebens schonungslos über die Missetaten des modernen Homo Sapiens von der Haustierhaltung über den Ehestreit bis hin zum Missbrauch von geistigem Eigentum herzuziehen. Und er trifft damit den Nagel auf den Kopf.

Auch die im Vorgänger etablierte Situationskomik wird omnipräsent bedient. Die Pointendichte ist enorm hoch und Gluck schlachtet alles aus, was nach Witz riecht. Das funktioniert, weil das Pointenfeuerwerk auf unterschiedlichen Humorebenen gezündet wird und rezyklierte Gags variiert werden. Querverweise auf andere Filme sind ebenso vorhanden wie eine gehörige Portion Selbstironie, die berechtigte Kritik am Film sowie der gesamten Filmreihe entwaffnend ehrlich vorwegnimmt. Souverän und sympathisch nimmt sich dieser Streifen unaufhörlich selbst auf die Schippe, womit er zwar die Feststellung, dass der Film mit jeder Minute ins mediokre Narrativ abdriftet - die Konflikte kommen dann doch noch - bestätigt, aber eben auch zugleich abfängt und in erfrischende Unterhaltung wendet.

Während viele andere Animationsfilme zum Schluss hin ihren dramaturgischen Höhepunkt erreichen und damit meistens versuchen, die vorangegangene Durststrecke wettzumachen - etwas, was der Film auch süffisant kritisiert -, flacht hier das Geschehen trotz zunehmender Action eher ab. Doch die enorm kreativ genutzten Minuten davor entschädigen für den etwas einfallslosen Schluss. Somit fehlt auf diesem Rüeblichueche nur die Marzipankarotte. Doch auch ohne diese kommt man hier in den Genuss von einem stimmigen Mix aus Komödie, Drama, Coming-of-Age- und Heist-Movie, der prächtig unterhält.

Tom von Arx [arx]

Für OutNow schaut Tom seit 2015 Filme und detektiert seit 2019 Stilblüten und Vertipper. Der Profi-Sprecher und überzeugte Hufflepuff lässt sich gerne bei sublim konstruierten Psycho-Thrillern vom metaphysischen Gruseln packen und wünscht sich eine tierleidfreie Welt voller biggest little farms.

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