Pelé (2021)

Pelé (2021)

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  2. 108 Minuten

Filmkritik: Tschutten in Perfektion

Netflix
Jubeln ohne Grenzen!
Jubeln ohne Grenzen! © Netflix

Edson Arantes do Nascimento, von der Welt bald «Pele» genannt, hatte schon in seiner Kindheit das Talent, den Ball so springen zu lassen, wie es ihm grad passte. Dass er mit diesem Talent vom Schuhputzer zum Weltstar aufsteigen würde, konnte damals natürlich noch niemand wissen. Doch spätestens, als Pele mit der brasilianischen Nationalmannschaft 1958 nach Schweden zur Fussballweltmeisterschaft aufbrach, mit seinen Kollegen Europa eroberte und als Weltmeister zurückkehrte, war klar, dass Brasilien einer goldenen Fussball-Zukunft entgegenblickte.

Emotionen können nicht abgestellt werden
Emotionen können nicht abgestellt werden © Netflix

Der junge Pele, mit 17 Jahren der jüngste Fussballweltmeister aller Zeiten, wurde vom Erfolg und Ruhm überrannt. Während er, der doch eigentlich nur Fussball spielen wollte, vom ganzen Land zum Halbgott ernannt wurde, machte sein Land eine Entwicklung durch, die nicht nur Positives mit sich brachte. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren, von der WM in Schweden bis zur Endrunde in Mexiko 1970, musste Pele miterleben, wie sein Land durch politische Unruhen gehen musste. Er selbst wurde von Gegenspielern auf dem Feld gejagt und brachte so ernsthafte Skepsis auf, wirklich in Mexiko nochmals an einer WM teilnzunehmen. Glücklicherweise hat er sich damals richtig entschieden.

Mit Pele kommt eine weitere Dokumentation über den berühmten brasilianischen Fussballer auf den Markt. Diese rühmt sich zwar damit, mit exklusiven Bildern und Tönen zu arbeiten, behandelt aber gleichzeitig das Umfeld des Brasilianers ziemlich stiefmütterlich. Zwar lässt man Freunde zu Wort kommen, aber Zweifel oder gar Kritik an Umständen oder Entscheidungen blendet man vollständig aus. So ist dieser Film eigentlich mehr eine Huldigung denn eine interessante Doku. Aber das ist in diesem Fall sicher auch ganz okay.

Aktuell kleben die Fussballfans an den Bildern von Messi, Ronaldo oder Neymar. Ein paar Jahre zuvor hiessen die Weltstars Maradona oder Zidane. Der wohl grösste Fussballer aller Zeiten jedoch kommt aus Brasilien, hört noch immer auf den Namen Pele und hat eine glanzvolle Karriere hinter sich. Die Dokumentarfilmer Ben Nicholas und David Tryhorn habern sich zur Aufgabe gemacht, diesen Helden über einen begrenzten Zeitraum zu porträtieren. Dabei legen sie den Fokus auf die fussballerischen Momente, während das Ganze drumherum leider nur knapp angesprochen wird.

Pele ist inzwischen über 80 Jahre alt, geht am Rollator und zeigt noch immer Emotionen, wenn ihm die Bilder von damals vorgeführt werden. Seine Teamkollegen und ehemaligen Trainer erzählen Geschichten von früheren Zeiten, huldigen ihrem Freund und schwärmen noch heute von diesem jungen, schnellen und technisch so begabten Spieler, mit dem sie vor Jahren gemeinsam die Welt erobern konnten.

Dass in der Geschichte von Pele nicht immer alles nach Plan lief, zeigen die tragischen Momente von Verletzungen (früh im Turnier 1962) oder dem frühen Ausscheiden der Fussballgötter 1966 in England. Angereichert mit wunderbaren Bildern aus gefüllten Fussballstadien der Sechziger, gibt uns der Film eine tolle Geschichtsstunde in Sachen Fussball. Diese bietet inhaltlich nicht viel Neues, ist aber spannend und interessant aufbereitet.

Abzug müssen wir Pele leider dann doch machen. Denn die politische Entwicklung des Landes, der Zusammenhang mit der Karriere Peles, der Einzug des Kommunismus und die Leidenszeit des Superstars werden nur am Rand behandelt, so dass wir in dieser Doku eine gewisse Tiefe leider vermissen.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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