Nobody (2021)

Nobody (2021)

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  2. 92 Minuten

Filmkritik: Ausbruch aus dem Bünzlitum

Better Not Call Saul
Better Not Call Saul © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Hutch Mansell (Bob Odenkirk) ist ein typischer Niemand: ein Mann, dessen wenig aufregendes Leben sich mehrheitlich zwischen Arbeitsplatz und dem trauten Familienheim abspielt. Als eines Nachts ein paar Diebe bei der Familie Mansell einbrechen, hätte Hutch für einen Moment die Möglichkeit, die Verbrecher niederzustrecken. Doch er zögert, weil er keinen grossen Schaden anrichten möchte, und so entkommen die Diebe ohne Probleme. Von den Nachbarn, den Arbeitskollegen und auch vom eigenen Sohn (Gage Munroe) erntet er für diese Zurückhaltung nur Kopfschütteln.

Hutch hat einen Kater
Hutch hat einen Kater © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Alles scheint daraufhin wieder seinen normalen Alltagstrott zu geben. Doch als Hutchs Tochter Abby (Paisley Cadorath) ihr Katzen-Armband vermisst, ist für den Vater klar, dass die Diebe dieses mitgenommen haben müssen. Er macht sich auf, dieses zurückzuholen - koste, was es wolle. Bald wird klar, dass Verbrecher aller Art sich mit dem falschen Bürogummi angelegt haben.

Nobody ist ein perfekt auf Bob Odenkirk abgestimmtes Actionfeuerwerk. Dass der fast 60-jährige Schauspieler nicht mehr der schnellste ist, münzt der Film zu einer Stärke um und präsentiert einen Protagonisten, der eingerostet wirkt. Auf diese Weise kommt jede Kampfszene automatisch mit Humor daher. Dieser Nobody wird nicht so schnell wieder in Vergessenheit geraten.

Im Alter von 58 versucht sich Bob Odenkirk noch als Actionheld. Der Schauspieler, den man vor allem dank seiner Rolle als Rechtsverdreher Saul Goodman in Breaking Bad und der Prequel-Serie Better Call Saul kennt, hat dabei jedoch nicht den Anspruch, der nächste Keanu Reeves zu werden. Auch wenn Nobody vom Drehbuchautor und den Produzenten der John Wick-Reihe stammt, musste Odenkirk hier nicht allzu zu grosse Turnübungen vollbringen. Denn der kurzweilige Streifen ist perfekt auf seinen Hauptdarsteller zugeschnitten.

Obwohl der Protagonist bei weitem mehr drauf hat, als man zuerst annehmen würde, hat dieser Hutch seine «Very Particular Set of Skills», wie es Liam Neeson in Taken so schön sagte, schon länger nicht mehr angewandt. Hutch ist richtig eingerostet und kriegt dabei mehr aufs Maul, als ihm lieb sein dürfte. Geschmeidige Bewegungen gibt's kaum, sondern mehrheitlich ein dumpfes Haudrauf. Dies ist jedoch kein Kritikpunkt. Denn überchoreographierte Kampfszenen haben wir zur Genüge gesehen. Was hier an Fights präsentiert wird, erinnert von der Rohheit her mehr an Oldboy als an Jackie Chan, und man hat da fast schon ein bisschen Mitleid mit diesem so unscheinbar wirkenden Mann, der dann aber im weiteren Verlaufe des Filmes immer mehr zur coolen Socke wird.

Ein edler Held ist Hutch aber keineswegs. Er fordert regelrecht die Konfrontationen heraus, um so auch ein bisschen aus seiner Midlifecrisis und dem Bünzlitum auszubrechen. Moralisch ist das natürlich fragwürdig. Da er sich jedoch meistens mit ganz üblen und überzeichneten Typen anlegt und Regisseur Ilya Naishuller (Hardcore) auch immer wieder etwas schwarzen Humor einstreut, kann dies verkraftet werden. Besonders dann im grossen Home Alone-Finale darf ein paar Mal laut herausgelacht werden ab dem, was das Filmteam an Actionspass präsentiert.

Was dem Film jedoch fehlt, ist ein wirklich guter Bösewicht. Der vom russischen Charakterschauspieler Aleksey Serebryakov (Leviathan, Spagat) verkörperte Fiesling ist mit seinem Faible für Karaoke dann doch zu nahe an der Lachnummer, als dass man wirklich Angst von ihm haben müsste. So fällt der Film immer ein bisschen ab, wenn wir Zeit mit dieser Figur verbringen müssen. Doch mit einer Laufzeit von gerade einmal 92 Minuten fällt dies nicht allzu gross ins Gewicht. Naishuller drückt bei seinem Hollywooddebüt genüsslich aufs Tempo, was Nobody zu einem kurzweiligen Kracher macht, dessen grösste Waffe Bob Odenkirk darstellt. Denn der Film ist an vielen Stellen einfach nur lustig, weil es eben der meist tragikomische Odenkirk ist, der sich hier mit einem leichten Grinsen durch seine Gegner ballert. So simpel und auf der Unterhaltungsebene sehr effektiv.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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