Mother/Android (2021)

Mother/Android (2021)

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  2. 110 Minuten

Filmkritik: Family Portrait

Netflix
Hoch die Hände, Wochenende.
Hoch die Hände, Wochenende. © Hulu

Es ist Weihnachten. Georgia (Chloë Grace Moretz) und ihr Partner Sam (Algee Smith) erfahren, dass sie Eltern werden. Einer Zukunft als kleine Familie steht eigentlich nichts mehr im Weg. Die Menschen haben Androide (Mischwesen aus Mensch und Roboter), welche ihnen als Butler dienen und stets zur Seite stehen. Die Weihnachtsfeier eskaliert jedoch schnell, als der Butler durch einen Systemfehler fehlschlägt und beginnt, Menschen zu töten. Es stellt sich bald heraus, dass sämtliche Androide sich gegen die Menschheit aufzulehnen beginnen und diese unterjocht oder gar eliminiert zu werden droht.

Sam und Georgia, welche unterdessen im neunten Monat schwanger ist, sind auf der Flucht. Ein elektromagnetischer Impuls hat die Technik lahmgelegt. Sie steuern ein militärisches Camp an, damit Georgia entbinden kann, fliegen dort jedoch nach einem Zwischenfall nach kürzester Zeit wieder heraus. Das Paar plant, das gefährliche Niemandsland zu durchqueren, um in der schwer abgeriegelten Stadt Boston in Sicherheit zu gelangen. Die Flucht verläuft allerdings anders als geplant, die Androide sind ihnen auf den Fersen und nehmen Sam gefangen.

Stellen Sie sich vor, Androide übernehmen die Weltherrschaft und rotten die Menschheit weitestgehend aus. Es gibt nur noch wenige befestigte Orte, wo Ihnen Sicherheit garantiert ist. Genau dieses Szenario nimmt sich Mother/Android als Ausgangslage für einen Endzeit-Film, welcher sich nur schwer entscheiden mag, was er effektiv sein will. Nicht nur thematisch, auch der Plot bleibt inkonstant und zieht den gesamten Film in die Länge, Mother/Android überzeugt so nur stellenweise und bleibt als Gesamtwerk mässiger Durchschnitt.

Dystopische Endzeitfilme spriessen aus dem Boden wie Pilze nach dem Regen. Mother/Android von Mattson Tomlin fährt auf der Schiene mit, mischt dabei jedoch neue Elemente mit ein: Neben der Welt, welche unter grossem Krachen zu Grunde geht, spielt hier eine technische Komponente eine mindestens ebenso wesentliche Rolle. Androide (Roboter-Mensch-Hybride) dienen gehorsam ihren Menschen, ehe sie es sich anders überlegen und die Weltherrschaft an sich reissen wollen. Unweigerlich fühlt man sich bei der Flucht vor den rasanten Killermaschinen an A quiet place oder Bird Box erinnert. Eine erschwerte Flucht vor unbekannten Wesen oder Viren, mit geringer Aussicht auf Rettung und ein stetiger Überlebenskampf.

So beginnt Mother/Android stimmig und atmosphärisch dicht, erwischt das Publikum aber immer wieder mit Sprüngen im Plot, welche nicht ausreichend erklärt werden. Leider fällt Mother/Android beinahe komplett in sich zusammen, die Androide wirken in ihrer Erscheinungsform lächerlich (spätestens nach einigen Schüssen, wenn ihr Inneres freigelegt wird) und auch die Handlungen der Charaktere lassen Zweifel entstehen. Spätestens nach einem Plot-Twist nach zwei Dritteln des Filmes ist Mother/Android dann am Tiefpunkt angelangt, da besagter Twist einfach wirklich nur wenig Sinn ergeben will. Zum Ende hin trumpft der Film dann nochmals mit einem stark ausgeführten, ethischen Dilemma auf, welches den emotional stärksten Part der gesamten Laufzeit darstellt. Wen der Film zuvor nicht bereits vollends verloren hatte, wird hier nochmals zurückgeholt. Weshalb Mother/Android nicht durchgehend so stark bleibt, liegt an seiner eigenen Unentschlossenheit bezüglich seines Antriebes. Die Sci-Fi-Elemente bleiben rar gesät und spielen eine untergeordnete Rolle, das Endzeit-Dystopie-Szenario ist ausgelutscht und hebt sich kaum von anderen Genre-Exemplaren ab, so dass es ein Mutterschaftsdrama in ungünstigem Milieu bleibt. Kurz gesagt: Von allem ist etwas drin, von keinem Genre jedoch effektiv genügend.

Schauspielerisch können die beiden Hauptcharaktere nicht über die volle Distanz vollumfänglich überzeugen, Grace Moretz noch eher als Algee Smith, welcher als werdender Vater eine unreife Rolle abgibt. Doch auch Grace Moretz greift zum Overacting. Castillo erhält schlicht zu wenig Zeit, um seinen Charakter überhaupt interessant zu machen.

Auf einen ansprechenden Start mit grossem Potenzial folgt ein höchstens mässiger, langatmiger Mittelteil, ehe Mother/Android nochmals richtig Fahrt aufnimmt und eine gewisse Relevanz und Aussage entwickelt. Für Endzeit-Fanatiker möglicherweise interessant im Ansatz, bleibt Mother/Android dabei lediglich durchschnittlich.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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