Monday um zehn (2021)

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  2. 98 Minuten

Filmkritik: Ausser Szpezen nix gewesen

17. Zurich Film Festival 2021
«Ich glaub', ich bin im falschen Film!»
«Ich glaub', ich bin im falschen Film!» © Vega Distribution

Die Kaffeemaschine knattert und rattert. Helga (Ulrike Willenbacher), die getrennt von ihrem Mann (Ueli Jäggi) lebt, steht daneben und blickt ins Leere. Dann geht sie ins Wohnzimmer und erschrickt: An der Decke hängt eine fette Spinne. Sie schiebt einen Hocker hin und streckt ein Trinkglas danach aus. Schliesslich fällt sie vom Stuhl, bricht durch den Boden und bleibt stecken. Sie hämmert mit der Faust gegen die Gartentüre, schreit um Hilfe, doch niemand kommt.

Neuer Tag, neuer Schock. Dieses mal ereilt ihn die Putzkraft Isabella, die die Hausherrin gereizt, aber wohlauf auffindet - nur am Fuss ist sie ernsthaft verletzt. Ausgerechnet jetzt will aber die von Helga sehr geschätzte Putzfrau in den Urlaub fahren und hat als Ersatz den Polen Ryszard (Zbigniew Zamachowski) aufgeboten, der sich zwar Mühe gibt, jedoch kein Wort deutsch spricht. Doch da ihre Freundin, mit der sie normalerweise zum Konzert geht, ihr absagt; ihre Tochter den geplanten Besuch vertagt und ausser ihrem regelmässigen Skat-Nachmittag keine sozialen Kontakte pflegt, geht das Verhältnis zwischen ihr und Ryszard bald über das Berufliche hinaus.

Dieses Kammerstück wirkt wie eine aufgenommene erste Leseprobe. Weder Harmonie noch Spielfreude kommen auf in diesem seltsam orchestrierten Altersdrama, in dem alles irgendwie planlos scheint. Vom Schauspiel über die Dialoge bis hin zu der Inszenierung ist dieser Film ein Krampf - für die Schauspieler wie die Zuschauer.

Eine Wohlfühloase ist dieses Altersdrama auf keinen Fall. Aber nicht etwa in dem Sinn, dass der Film auf positive Weise unbequem oder herausfordernd wäre, sondern dass der gesamte Cast sich überhaupt nicht wohlzufühlen scheint bei dem, was er da macht.

Ob Telefongespräch, Empörung über die neue Putzkraft oder der Austausch von Banalitäten am Skatabend, nichts will hier ineinandergreifen. Das inszenierte Aneinander-Vorbeireden ist von Anfang an ein entsetzliches Aneinander-Vorbeispielen. Timing, Rhythmus, Anschlüsse, Glaubhaftigkeit, Emotion: Es fehlt an allen Ecken und Enden.

Nicht nur, dass sich die Schauspielerinnen und Schauspieler - darunter auch der in Polen arrivierte Zbigniew Zamachowski - unwohl fühlen, sie scheinen auch überhaupt nicht nachvollziehen zu können, warum ihre Figur nun was vollführt. Das wiederum ist sehr wohl nachvollziehbar, denn viele Konflikte beispielsweise werden weder proper vorbereitet noch pointiert verhandelt.

Die Erzählung eiert über weite Strecken planlos vor sich hin, vertrödelt die Zeit mit aufgeblasenen Nebensächlichkeiten und zwingt sich schliesslich dazu, verpasste Dinge übereilig nachzuholen. Das Chaos im goldenen Käfig ist perfekt.

Viel Konzept ist sichtbar, aber wenig Stringenz vorhanden und so bleiben einem auch keine Peinlichkeiten erspart. Die infantil balzenden Senioren oder die unglaubwürdig inszenierten Bildstrecken helfen dann auch überhaupt nicht dabei, sich die Notwendigkeit dieses Filmes zu erschliessen. Nein, eine Wohlfühloase ist dieser Film wirklich nicht - schon gar nicht für die Zuschauer.

Tom von Arx [arx]

Für OutNow schaut Tom seit 2015 Filme und detektiert seit 2019 Stilblüten und Vertipper. Der Profi-Sprecher und überzeugte Hufflepuff lässt sich gerne bei sublim konstruierten Psycho-Thrillern vom metaphysischen Gruseln packen und wünscht sich eine tierleidfreie Welt voller biggest little farms.

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