Mona Lisa and the Blood Moon (2021)

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  2. 106 Minuten

Filmkritik: Korean Carrie

78. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2021
So ein Ausbruch macht hungrig.
So ein Ausbruch macht hungrig. © Studio / Produzent

Mona Lisa Lee (Jeon Jong-seo) hat die Fähigkeit, mit reiner Gedankenkraft die Körper ihrer Mitmenschen zu steuern. Eines Nachts, während des Blutmondes, nutzt sie ihre übernatürlichen Kräfte, um aus einer Nervenheilanstalt auszubrechen. Auf der Flucht irrt die junge Frau durch das nächtliche New Orleans. Dabei begegnet sie unter anderem dem Drogendealer Fuzz (Ed Skrein), der sich in sie verguckt, und dem Polizisten Officer Harold (Craig Robinson), der es sich zur Aufgabe macht, sie wieder hinter verschlossene Türen zu bringen.

Führ mich zum Schotter!
Führ mich zum Schotter! © Studio / Produzent

Als Mona Lisa ihre Kräfte einsetzt, um der Stripperin Bonnie (Kate Hudson) zu helfen, nimmt diese sie unter die Fittiche. Nicht ganz uneigennützig. Denn Bonnie bringt Mona Lisa dazu, ihre Fähigkeiten zu nutzen, um anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Bonnies zehnjähriger Sohn Charlie (Evan Whitten) aber kann das Verhalten seiner Mutter nicht gutheissen. Er möchte Mona Lisa stattdessen dabei helfen, aus New Orleans zu fliehen.

Blutmonde, Gummizellen, Stripclubs, Drogendealer mit Schwarzlicht-Fetisch... In Mona Lisa and the Blood Moon mischt Regisseurin Ana Lilly Amirpour (A Girl Walks Home Alone at Night, The Bad Batch) Neunziger-Retro-Feeling mit der übernatürlichen Story um eine junge Frau, die nach Zugehörigkeit sucht und dabei an die Aussenseiter der Bourbon Street gerät. Das Resultat ist eine abgespeckte Grunge-Version von Filmen und Serien à la Stranger Things. Dank Mona Lisas besonderer Kräfte geht es dabei auch mal etwas blutiger zu. Aber wer die ersten Minuten durchhält, übersteht auch locker den Rest, ohne die Augen zukneifen zu müssen.

Mit A Girl Walks Home Alone at Night landete Ana Lily Amirpour 2014 einen Festival-Hit. Trieb in dem Schwarzweiss-Streifen eine Vampirin ihr Unwesen, ist es diesmal eine koreanischstämmige Frau mit telekinetischen Kräften. Die Regisseurin setzt dabei auf einen Neunziger-Look mit weiten Band-T-Shirts, Techno-Rave-Vibes und einem Soundtrack, der von Metalsongs über Nat King Cole bis zu Hard House reicht. Als Mona Lisa zum ersten Mal auf den Drogendealer Fuzz trifft, hält der ihre blutige Zwangsjacke gar für ein abgefahrenes Raver-Outfit.

Amirpour mixt diesen Underground-Stil mit einer Fantasy-Geschichte, die ein altbekanntes Muster nutzt: Ein Kind, das selbst missverstanden wird, hilft einem Alien/Monster/übernatürlichen Wesen, sein Ziel zu erreichen. Zu den bekanntesten Beispielen gehören da E.T. the Extra-Terrestrial und The Terminator, die Amirpour als Inspiration dienten. Ihr Film funktioniert in dieser Hinsicht wie Stranger Things, nur um ein Jahrzehnt nach hinten verlegt. Allerdings ist Mona Lisa and the Blood Moon die Indie-Version dieser Freundschaftsgeschichte - schmutziger, dafür aber weniger actiongeladen als die grossen Vorbilder.

Wenig erfährt das Publikum über Mona Lisas Backstory oder den Ursprung ihrer Fähigkeiten. Ist sie eine Hexe oder Dämon?, wollen ihre Opfer wissen. Weder noch. Sicher ist nur, dass jeder, der Mona Lisa in die Quere kommt, ihre Kräfte zu spüren bekommt. Auch die Snacks sollte man ihr nicht stibitzen. Amirpour legt generell eine starke Fixierung aufs Futtern an den Tag. Vor allem zu Anfang des Films wird gemümmelt und geschmatzt, was das Zeug hält. Wenigstens handelt es sich dabei aber nicht - wie in ihrem Vorgängerfilm The Bad Batch - um menschliche Körperteile, sondern um Fast- und Junk-Food aller Art. Die Regisseurin selbst gibt an, dass sie Jeon Jong-seo (Burning) beim Casting erst mal etwas mampfen liess. Danach hatte die Schauspielerin die Hauptrolle sicher.

Was genau es mit all dem Gefuttere und mit Mona Lisas Kräften auf sich hat, werden die Zuschauenden aber wohl erst in einer möglichen Fortsetzung erfahren. Um es mit den Worten von Drogendealer Fuzz zu sagen: «See you in the sequel».

Swantje Oppermann [swo]

Swantje ist seit 2013 Teil der OutNow-Crew. Zu ihren Lieblingen gehören «Jurassic Park», «When Harry Met Sally» und «Se7en». Bei «Titanic» muss sie noch heute heulen. Das Filmfestival Venedig liebt sie nicht nur wegen der Filme, sondern auch, weil dort der Aperol Spritz in rauen Mengen fliesst.

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