The Matrix Resurrections (2021)

The Matrix Resurrections (2021)

The Matrix 4
  1. ,
  2. 148 Minuten

Filmkritik: The Matrix - sometimes dead is better

Das kann Uri Geller nicht!
Das kann Uri Geller nicht! © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. and Village Roadshow Films North America Inc.

Thomas Anderson (Keanu Reeves) ist erfolgreicher Programmierer bei einer Game-Firma. Bereits drei dystopische «The Matrix»-Spiele hat er konzipiert. In ihnen kämpft Neo, der Auserwählte, gegen Maschinen und Computerprogramme, welche die Menschheit in einem digitalen Konstrukt versklavt haben, um ihre Körperenergie zu ernten. Nun soll sich Thomas einen vierten Teil ausdenken. Auch mit einem Reboot wären seine Auftraggeber zufrieden.

Immerhin lassen sie nichts anbrennen… Oh, wait.
Immerhin lassen sie nichts anbrennen… Oh, wait. © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. and Village Roadshow Films North America Inc.

In einem Kaffee nahe seines Büros lernt er Tiffany (Carie-Ann Moss) kennen, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit einer seiner Gamefiguren hat: Sie sieht genau aus wie Trinity, welche im Game an der Seite von Neo für die Befreiung der Menschheit kämpft. Hat er sich die Handlung seiner erfolgreichen Computerspiel-Trilogie vielleicht gar nicht ausgedacht? Dieser Verdacht bestätigt sich, als er plötzlich Besuch von Morpheus (Yahya Abdul-Mateen II) bekommt. Dieser behauptet, die Matrix gebe es wirklich und er sei hier, um Neo daraus zu retten.

The Matrix Resurrections ist in jeder Hinsicht eine grosse Enttäuschung. Trotz einiger cleverer Einfälle ist die Geschichte zeitlich so weit vom Finale der Trilogie angesiedelt, dass es schwerfällt, sie emotional damit zu verknüpfen. Die grösste Ernüchterung ist aber die Tatsache, dass das Sequel mit vergleichsweise wenig Action aufwartet und diese Sequenzen dann nicht einmal mit anderen Blockbustern dieses Jahres mithalten können. Für eine Reihe, die für Innovation, geniale Choreographie und atemberaubende Bilder steht, ist es fast schon beschämend, wie wenig Spektakel geboten wird. In dieser «Matrix light» wirkt sogar Keanu Reeves müde, und verübeln kann man es ihm nicht.

Wie aus dem Nichts schlug The Matrix 1999 in den Kinosälen ein und wurde durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu dem Film, den man einfach gesehen haben muss. Die Wachowskis kombinierten Cyberpunk, Anime und Kung-Fu zu einem innovativ choreographierten Actionfeuerwerk mit überraschenden Twists und einem philosophisch-spirituellen Ansatz. Mit The Matrix Revolutions gipfelte die Trilogie in einen absolut epischen Kampf zwischen Gut und Böse, der zu einem Neustart der Matrix und damit einer neuen Chance für die Menschheit führte.

Anstatt sich nun mit den Folgen und Herausforderungen der freien Menschen zu beschäftigen, legt Lana Wachowski den Fokus erneut auf Neo und muss so eine neue Aufgabe für den wiederbelebten Helden finden. Diese besteht aus einer einfachen Rettungsmission, die vielleicht genug für eine Folge The Animatrix gewesen wäre, für ein heisserwartetes Sequel eines der wichtigsten Action-Franchises der letzten 20 Jahren aber ziemlich mager wirkt.

Es macht durchaus Freude, Carrie-Anne Moss und Keanu Reeves erneut als Trinity und Neo zu sehen, doch beide wirken sie eher gelangweilt und verständlicherweise nicht mehr auf dem selben Kung-Fu-Level der späten Neunzigerjahre. Da können auch die neuen Figuren, angeführt von Jessica Henwick als Bugs, nicht viel Hilfe leisten. Ihnen fehlt der Charme der Nebuchadnezzar-Crew und sie schaffen es nicht, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Das Fehlen von Kameramannn Bill Pope, Komponist Don Davis und Choreographie-Legende Yuen Woo-ping dürfte einer der Hauptgründe sein, weshalb The Matrix: Resurrections sich nicht ganz nach demselben Universum der Vorgänger anfühlt. Weg ist der Grünstich und die visuelle Identität, weg sind die langen und spektakulären Kung-Fu-Szenen und weg ist der atonale, riesige Score.

Der Film versucht immer wieder, Referenzen für die Fans einzufügen - mit schlechtem Meta-Humor, nachgestellten Kamerawinkeln und sogar mit immer wieder eingefügten Filmsequenzen der Trilogie. Sollte dies als Fan-Service gedacht gewesen sein, hat der Film weit am Ziel vorbeigeschossen. Er hat teilweise aber auch gute Ansätze. Das Konzept der auf der Seite der Menschen stehenden Maschinen wäre reif für eine eigene Geschichte und die fiesen Tricks des neuen Bösewichtes sind gut ausgedacht. Leider ist dies aber nicht genug. Es bleibt ein Trost, dass die Matrix-Saga mit The Matrix Revolutions toll abgeschlossen ist und man dieses unnötige Sequel im eigenen Canon ganz einfach ignorieren kann.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Kommentare Total: 4

CrossRaider

Kann Spoiler enthalten: Ich schliesse mich Kommentarmässig faz an. Ich fand den Film insgesamt cool, was mir aber fehlte, war eine so richtig coole Actionszene, wie die Säulenschiesserei im 1, die Autobahnfahrt im 2 oder die Kuppelschlacht im 3. Mir ist klar, dass man nicht immer alles noch mehr toppen kann, aber für mich stach nichts sonderlich heraus. Worin ich auch ein Problem sah, ich relativ schlecht gelöst fand ist, dass der Charakter zeimlich schnell wieder überpowered war. Wie kann man mitfiebern, wenn der Charakter jedes Problem quasi mit Fingerschnippen lösen kann (ausser Fliegen)? Habe schon schlechtere Filme gesehen, aber dann halt auch schon bessere.

faz

also ganz so mies wie beschrieben fand ich den nun wirklich nicht. liegt vielleicht daran, dass ich mich im vorfeld nicht informiert habe und keine erwartungen an den film hatte.
meines erachtens ist m4 sehr meta und die hauptfiguren kriegen ihr happy end, dass sich vermutlich viele fans gewünscht haben. es werden brücken zu den vorgängern gemacht aber gleichzeitig stellen sich auch einige neue fragen.
unterm strich ist matrix resurrections popcorn-kino mit 1-2 längen und kopfkratzmomenten (merovignian?!) - sicher nicht die erleuchtung, weil nun alles beantwortet ist. aber hey, ich hab‘s genossen, wieder in der matrix zu sein und die chemie zwischen reeves und moss zu erleben. ;-)

chepp

Einfach nur schlecht, von Anfang (Casting) bis Ende (RATM Abklatsch im Abspann). #1 setzte Masstäbe und kann auch heute noch problemlos geguckt werden, #4 verschwindet hoffentlich bald auf ewig aus meiner Erinnerung. Das einzig gute daran: #2 und #3 scheinen plötzlich verhältnismässig gut.

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