Maixabel (2021)

Maixabel (2021)

  1. 115 Minuten

Filmkritik: I Shot the Sheriff

17. Zurich Film Festival 2021
«Wohin will die Frau? Meine Socken sind schon ganz nass!»
«Wohin will die Frau? Meine Socken sind schon ganz nass!» © Zurich Film Festival

Jahr 2000 in Tolosa, Spanien: Der sozialistische Politiker Juan Maria Jauregui (Josu Ormaetxe) wird von Anhängern der baskischen Terrororganisation ETA erschossen. Witwe Maixabel (Bianca Portillo) bleibt mit ihrer kleinen Tochter Maria (María Cerezuela) als Hinterbliebene zurück. Nachdem die Terroristen ihr Fluchtauto in die Luft gejagt haben, werden sie gefasst und vor Gericht gestellt, wo die Lage eskaliert und die drei Beschuldigten aus dem Gericht entfernt werden müssen.

Jahre später nimmt Maixabel auf Wunsch von Luis (Urko Olazabal), einem der Attentäter, Kontakt zu demselben auf, womit sie vor allem Unverständnis aus ihrer Umgebung erfährt. Sie möchte die Beweggründe für das Attentat erfahren. Ibon (Luis Tosar), einer der zwei anderen Verbrecher, tut es Luis ein wenig später gleich. Währenddessen erfährt Maria, dass auch ihre Mutter Maixabel auf einer Liste der ETA steht.

Maixabel beruht auf wahren Begebenheiten und liefert den Beweis, dass diese Tatsache nicht zwingend zu einem guten Film führt. Klar, die Story ist in Ordnung. Doch abgesehen von den Szenen am Ende berührt der Film kaum. Die Charaktere bleiben grösstenteils farblos. Hauptdarstellerin Bianca Portillo trägt zwar den Namen des Filmtitels, ist aber nicht wirklich öfter im Bild zu sehen als zwei der drei Attentäter. Der Film ist höchstens für die spannend, die sich für die neuere spanische Geschichte und die Hintergründe der ETA interessieren - doch selbst darüber erfährt man nur am Rande etwas.

Maixabel beruht auf wahren Begebenheiten und schildert die Geschichte von Maixabel Lasa, die sich als erste Hinterbliebene eines von einem ETA-Attentat getöteten Opfers zu Gesprächen mit den Tätern traf. Damit leistete sie ihren Beitrag zum Versöhnungsprozess im Baskenland.

So heroisch man vermutlich die Vorgehensweise von Maixabel einordnen sollte, so viele Probleme hat der Film. Alleine die Szene, in der der kleinen Maria die Nachricht des Mordes an ihrem Vater überbracht wird: Fast nicht zu glauben, dass diese nicht glaubwürdiger hat gedreht werden können!

Zudem ist Hauptdarstellerin Bianca Portillo 58 Jahre alt und spielt die Mutter eines zu Beginn der Geschichte etwa sechsjährigen Mädchens. Da die Beziehung zwischen den beiden aber sowieso etwas unterkühlt wirkt - wie der ganze Film -, ist das dann letztlich auch zweitrangig.

Einzig die Beziehung zwischen dem einen Attentäter Ibon und seiner Mutter, gespielt von María Jesús Hoyos, vermag ein wenig zu berühren. Immerhin sind die regelmässigen Freigänge von Gefängnisinsasse Ibon mit Abstrichen interessant.

Von der kurz erwähnten Bedrohung gegen Maixabel wird nichts mehr erwähnt, ausser dass fortan zwei Bodyguards hinter ihr hertraben. Wo der dritte Attentäter verbleibt, der den tödlichen Schuss auf Maixabels Ehemann abgegeben hat, lässt der Film offen und die Charaktere offenbar kalt. Einige starke Szenen hat dann auch noch Urko Olazabal, der den zweiten Attentäter Luis spielt. Ob das allerdings reicht, um den Film sehenswert zu machen, bleibt fraglich.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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