Parallel Mothers - Madres paralelas (2021)

Parallel Mothers - Madres paralelas (2021)

  1. 120 Minuten

Filmkritik: Drei Mütter und zwei Babys

78. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2021
Foto fürs Familienalbum
Foto fürs Familienalbum © Pathé Films

Die Fotografin Janis (Penélope Cruz) bittet den angesehenen Anthropologen Arturo (Israel Elejalde) darum, ihr bei der Suche nach dem Grab ihres Urgrossvaters zu helfen. Der wurde im spanischen Bürgerkrieg hingerichtet und seine Leiche verscharrt. Doch schnell kommen Janis und Arturo sich auch privat näher und Janis wird ungeplant schwanger. Da Arturo verheiratet ist, beschliesst sie, das Kind alleine zu bekommen; schliesslich waren auch ihre Mutter und Grossmutter alleinerziehend.

Du zuerst, okay?
Du zuerst, okay? © Pathé Films

Kurz vor und nach der Geburt teilt Janis sich ein Krankenzimmer mit der jungen Ana (Milena Smit), die ebenfalls ungewollt schwanger geworden ist, sich allerdings nicht auf das Kind freuen kann. Von ihrer eigenen Mutter Teresa (Aitana Sánchez-Gijón), einer Theaterschauspielerin, kann sie kaum Unterstützung erwarten. Zwischen den beiden frischgebackenen Müttern entsteht eine besondere Bindung, die mit der Zeit jedoch immer komplizierter und verstrickter wird.

Nach seinem semiautobiografischen Werk Dolor y gloria widmet sich Regisseur und Drehbuchautor Pedro Almodóvar diesmal einer Geschichte um drei ungleiche Mütter. Penélope Cruz trägt den Film in der Rolle der selbstbewussten Fotografin und liebenden Mutter, die vor immer schwierigere Entscheidungen gestellt wird. Parallel Mothers lebt von dramatischen Wendungen, driftet dabei aber nie ins Melodramatische ab. Einzig der Subplot um das Grab des verschollenen Urgrossvaters zieht den Film zum Ende hin unnötig in die Länge.

Über drei Jahre erstreckt sich die Handlung von Parallel Mothers und stellt - anders als man mit Blick auf den Titel vermuten könnte - die Figur der Fotografin Janis in den Fokus. Für die Enddreissigerin ist die Schwangerschaft eine Fügung des Schicksals und das Kind das grösste Glück. Doch wie die Zuschauer wird auch Janis immer wieder mit neuen Wahrheiten überrascht. Über die soll hier nicht zu viel verraten werden, doch Almodóvar gelingt es, die Zuschauer bei der Stange zu halten, indem er seine Hauptfigur vor immer grössere Dilemmata stellt.

Dass der Film dabei nie ins Soapige abrutscht, ist der sicheren Hand des Regisseurs und dem Cast zu verdanken. Dank Cruz' souveräner Performance, die immer die richtigen Zwischentöne trifft, fühlt man mit Janis bis zum Ende mit. Selbst in jenen Momenten, in denen sie falsch und egoistisch handelt. Obwohl es sich bei Parallel Mothers klar um ein Drama handelt, überrascht der Film jedoch auch mit humorvollen Momenten. So zum Beispiel wenn Arturo zum ersten Mal sein Kind zu sehen bekommt und die eigene Vaterschaft stark anzweifelt. Mit wem Janis denn noch so geschlafen hat, will er wissen.

Ernster wird es, sobald die zweite Mutter - Teenagerin Ana - eine zentrale Rolle in Janis' Leben einnimmt. Deren Leben ist von Traumata geprägt. Newcomerin Milena Smit spielt sie als verletzliche und zugleich fürsorgliche junge Frau, die bei Janis Halt sucht - denn ihre eigene Mutter ist an erster Stelle Schauspielerin und erst dann Mutter und Grossmutter. So verwebt Almodóvar die Themen Mutterschaft, Frausein und Familie gekonnt miteinander.

Allein der - rund um den toten Urgrossvater gesponnene - Nebenplot, der zugleich als thematische Klammer für die Haupthandlung dient, fühlt sich übergestülpt an. Trotz dieser kleinen Abstriche hat Almodóvar mit Parallel Mothers ein neues Baby zur Welt gebracht, das nicht nur Hardcore-Fans des Regisseurs gefallen wird.

Swantje Oppermann [swo]

Swantje ist seit 2013 Teil der OutNow-Crew. Zu ihren Lieblingen gehören «Jurassic Park», «When Harry Met Sally» und «Se7en». Bei «Titanic» muss sie noch heute heulen. Das Filmfestival Venedig liebt sie nicht nur wegen der Filme, sondern auch, weil dort der Aperol Spritz in rauen Mengen fliesst.

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