Luzzu (2021)

Luzzu (2021)

  1. 94 Minuten

Filmkritik: Mit dem Rücken zur Schiffswand

«Isch dä Fisch bio?»
«Isch dä Fisch bio?» © trigon-film

Der Familienvater Jesmark (Jesmark Scicluna) sticht täglich mit seinem Fischkutter (auch «Luzzu» genannt) in See, um den da gefangenen Fisch auf dem örtlichen Fischmarkt zu verkaufen. Wegen des eher mässigen Erfolges fliesst das wenige Geld direkt in die Miete. Als dann sein neugeborener Sohn Aiden vom Arzt auch noch eine schwierige Diagnose erhält, sieht sich das junge Paar gezwungen, einen kostspieligen Spezialisten aufzusuchen.

Das Luzzu ist doch tiefergelegt!
Das Luzzu ist doch tiefergelegt! © trigon-film

Während Jesmarks Frau Denise (Michela Farrugia) die Zuflucht bei der eigenen Familie sucht, macht sich Jesmark selbst Gedanken über die Zukunft seiner Familie und seiner Arbeit als Fischer. Eines Abends fällt ihm ein Schwarzmarkt mit geschützten Meeresbewohnern auf. Er beschliesst, sich den illegalen Machenschaften anzuschliessen und seine bis anhin edlen Prinzipien wortwörtlich über Bord zu werfen.

Wer Malta liebt und schon einmal da war, wird sich wieder an die schönen Urlaubstage zurückerinnern. Das Titelbild verspricht einige Details über das Leben als Fischer in diesem Land. Als Laie ist man gespannt, was einem zu diesem Thema weitergegeben wird. Leider wird man hier ein wenig enttäuscht. Bei Luzzu handelt es sich eher um ein Familiendrama, das sich vorwiegend auf dem Land und nur selten auf dem Wasser abspielt. Schade. Hier hätte man mehr herausholen können.

In seinem Debütfilm Luzzu zeigt der junge Regisseur Alex Camilleri unter anderem die Armut und die schlechten Strassenverhältnisse in Maltas und weist auch auf die globale Erwärmung hin. Sein Mut, die illegalen Machenschaften auf dem Schwarzmarkt und die Überfischung der Weltmeere aufzudecken, spricht für diesen Film.

Michela Farrugia, die Jesmarks Frau verkörpert, überzeugt als Mutter von allen Schauspielern am meisten. Sie zeigt die verzweifelte Suche nach Halt, den sie von ihrem Mann nicht zu erhalten scheint. Also sucht sie bei ihrer Familie Schutz und geniesst den ihr und ihrem Sohn dargebotenen Luxus. Währenddessen versucht Jesmark sich auf dem Schwarzmarkt mit illegalen Geschäften und Botengängen. Dabei geht wortwörtlich das eigentliche Thema ein wenig unter. Hier hätte der Film mehr auf die emotionale Geschichte zwischen Vater und Sohn eingehen können.

Mehr hat der Film leider nicht zu bieten. Die Szenen auf dem Schwarzmarkt und während der nächtlichen Aktivitäten sind noch das Spannendste. Wer das Meer liebt, kommt nur selten auf seine Kosten. Selbst von der vielbeschriebenen Schönheit des Landes ist im Film nicht viel zu sehen. Leider kann man zum Hauptdarsteller Jesmark Scicluna nie eine emotionale Verbindung erstellen. Seine Mimik und Gestik erinnern an die emotionslose Performance von Kristen Stewart in Twilight. Nicht einmal der Anblick seines Sohnes entlockt ihm ein Lächeln. Klar, die missliche Situation, aus der Armut herauszufinden, ist kein lustiges Thema. Dennoch kann man hier überzeugender spielen.

Umweltaktivisten, Anglern und Mafia-Fans könnte der Film gefallen. Den neutralen Zuschauern kann es hingegen schnell einmal langweilig werden.

Sandro Götz [goe]

Sandro bringt seit 2021 für OutNow seine Worte auf den Bildschirm. Sein erster Kinofilm, «The Lion King», hat den Löwen in ihm geweckt. Seither liebt und lebt er alles, was mit dem Thema Film zu tun hat. Auch für Videospiele ist er stets zu begeistern und daddelt gerne auf Controllern rum.

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