The Last Bus (2021)

The Last Bus (2021)

  1. ,
  2. 86 Minuten

Filmkritik: Another one takes the bus

17. Zurich Film Festival 2021
«Wann kommt dieser Bus?»
«Wann kommt dieser Bus?» © Filmcoopi

Tom (Timothy Spall) ist pensioniert und verbringt seine Zeit gerne mit seiner Frau Mary (Phyllis Logan). Seit Jahrzehnten wohnen sie ganz im Norden Schottlands. Die beiden sind glücklich zusammen, was durch den Tod von Mary ein jähes Ende nimmt. Tom beschliesst, sich auf die Reise an den Ort zu machen, an dem ihre gemeinsame Reise begann: Land's End, ganz im Süden von England. Ausgestattet mit einem Koffer, einem Notizbüchlein mit den genauen Abfahrtszeiten der unterschiedlichen Busverbindungen und seiner Bus-Abo-Karte macht er sich auf die beschwerliche Reise.

Viehtransport?
Viehtransport? © Filmcoopi

Selbst arg angeschlagen, wird die Reise für Tom kein Selbstläufer. Schnell wird er mit den ersten Schwierigkeiten konfrontiert: Er schläft im Bus ein oder verpasst einen Anschluss. Tom macht auf seiner Reise die unterschiedlichsten Bekanntschaften, hilft Menschen in Not und benötigt teilweise selbst Hilfe. Tom hat jedoch eine letzte Aufgabe zu erfüllen, welche er Mary und sich selbst schuldet, und die treibt ihn an.

The Last Bus ist Roadmovie, Drama und ein bisschen Komödie in einem. Eine sich entwickelnde Story und der britische Humor fallen dabei ins Auge, während die Begegnungen auf den Busfahrten wenig überzeugend daherkommen. Der Film bleibt infolgedessen längere Zeit unschein- und unnahbar und trumpft erst mit der Aufarbeitung von Toms Vergangenheit richtig auf.

Dass dieser Roadtrip aussergewöhnlich ist, wird dem Publikum spätestens bei der peniblen Vorbereitung von Tom bewusst, dann, wenn er nämlich sämtliche Abfahrtszeiten und Routen in seinem Notizbüchlein notiert und den Weg auf der Karte einzeichnet. In diversen Rückblenden und Überblendungen von vergangener mit aktueller Zeit wird die Hintergrundgeschichte langsam Stück für Stück aufgerollt und zugänglich gemacht.

Dabei schwingt von Beginn weg der Verdacht mit, dass die Vergangenheit dabei eine entscheidende Rolle spielt, was in einer der ersten Szenen angedeutet und dann mehr und mehr aufgelöst wird. Denn alleine das Wissen darum, dass die Vergangenheit es nicht immer gut gemeint haben kann mit ihm, macht den Film spannend. So gelingt es The Last Bus zum Ende hin zunehmend besser, eine emotionale Verbindung zum Hauptdarsteller herzustellen; seine Persönlichkeit wird verständlicher und führt gar zu schönen, emotionalen Momenten, welche zu Beginn fehlen.

Die Begegnungen an den Bushaltestellen und während den Busfahrten sind ins Stereotype überhöht und lösen teilweise Kopfschütteln aus. Zum Beispiel, wenn sich Tom und ein gesamter Bus gegen einen Rassisten zur Wehr setzten, es zu einem Sing-Battle kommt oder ihm eine junge Frau an den Koffer will. Die Ideen der Begegnungen sind gut gemeint, verfehlen ihr Ziel jedoch und erzeugen nicht die gewünschte Empathie für den Hauptcharakter. Dies gelingt viel besser durch seine melancholische Art und seinen ungebändigten Willen, seinen Weg zu gehen respektive zu fahren, obschon der Mann beinahe selbst am Ende seiner Kräfte ist.

Was der Roadmovie-Tragikomödie jedoch keineswegs abgesprochen werden kann, ist der dunkle britische Humor, welcher in den Diskussionen durchdrückt und für den einen oder anderen Lacher sorgt. Gerne hätte es sogar noch mehr davon sein dürfen, um diese drückende Melancholie etwas zu vertreiben.

Den Film trägt der britische Charakterdarsteller Timothy Spall auf seinem Buckel. Neben den kurzen Screentimes seiner Begegnungen, ist es nämlich er, welcher mit geschürzter Lippe und grimmig-entschlossenem Blick musizierende Kinder, Schafe und geschwätzige Alkoholiker erträgt. Seine Performance, zwischen einem Körper voller Tatendrang und totaler Erschöpfung, überzeugt. Zu wenig vielschichtig und tiefgründig bleiben dagegen die flüchtigen Begegnungen.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. facebook

Trailer Englisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 02:27