King Richard (2021)

King Richard (2021)

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  2. 144 Minuten

Filmkritik: Der Mann mit dem Plan

Schon vor Corona war der Fist-Bump in.
Schon vor Corona war der Fist-Bump in. © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Compton, Kalifornien: Richard Williams (Will Smith) hat einen Plan. Noch bevor seine Töchter Venus (Saniyya Sidney) und Serena (Demi Singleton) auf der Welt waren, zeichnete er einen 48-Stufen-Plan auf, wie die Mädchen eines Tages zu den weltbesten Tennisspielerinnen der Welt gehören werden. Obwohl Richard selbst nie wirklich Tennis gespielt und er seine Coachingratschläge aus Magazinen und Radioreportagen zusammengesucht hat, bringt er seinen Töchtern die Feinheiten des Spiels mit viel Aufwand und unermüdlichen Einsatz bei.

A Star Is Born
A Star Is Born © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Doch obwohl Venus und Serena unglaubliches Talent zeigen, ist ihr Weg nach oben äusserst steinig. Wegen ihrer Hautfarbe und weil sie aus einer wenig vornehmen Gegend kommen, stellt sich die Suche nach einem professionellen Coach und Geldgebern als schwierig heraus. Doch Richard ist gewillt, alle Steine aus dem Weg zu räumen - und geht für den Erfolg auch einige unkonventionelle Wege, die er aber alle in seinem Plan vermerkt zu haben scheint.

King Richard funktioniert in erster Linie als Inspirationsfilm. Er zeigt, was man alles erreichen kann, wenn man zusammensteht, kämpft und an sich und seine Mitmenschen glaubt. Das mag zwar etwas schwülstig klingen, doch der Film über Richard Williams, Vater der Tennisasse Venus und Serena, hat besonders dank der aufopfernden Performances von Will Smith, Saniyya Sidney und Demi Singleton das Herz am rechten Fleck. Nicht gerade aufwühlend, aber dafür ein durchaus unterhaltsamer Crowdpleaser.

Während wir in der Schweiz immer noch auf das Biopic über Roger Federer warten - das dann hierzulande wohl alle Einspielrekorde locker brechen wird -, können wir in King Richard nun verfolgen, wie es die beiden Williams-Schwestern trotz widriger Umstände in den mehrheitlich von Weissen dominierten Tenniszirkus geschafft haben. Erzählt wird die Geschichte aber nicht aus der Sicht von Venus und Serena, sondern aus jener von Vater Richard Willams - der Titel verrät es bereits.

Wer jetzt aber Angst hat, dass wir während über zwei Stunden einem strengen Vater über die Schulter schauen, der seinen Nachwuchs zum Erfolg prügelt, können wir beruhigen. King Richard ist mehr eine Story über starken Familienzusammenhalt und den Glauben, alles erreichen zu können, was man sich vorgenommen hat. Dank Regisseur Reinaldo Marcus Green und besonders Hauptdarsteller Will Smith wird dies zu einem herzerwärmenden Crowdpleaser.

Allzu psychologisch wird der Film dabei nicht. Wie Venus und Serena genau zu dem Plan stehen, den ihr Vater ausgemalt hat, wird eigentlich nie zum Thema. Die Zuschauer müssen es einfach hinnehmen mit «Sie werden wohl das Spiel so lieben, dass sie dafür freiwillig einiges in Kauf nehmen.» Der Film ist in dieser Hinsicht doch eher konfliktscheu und mehr daran interessiert, wie Smiths Protagonist sich gegen alle möglichen Widrigkeiten wehrt. Das hat in der leichten Unbeholfenheit durchaus etwas Sympathisches, wenn Richard einfach ein Trainingsspiel zwischen John McEnroe und Pete Sampras crasht, um ein Gespräch mit dem Coach der beiden zu erhalten. Dieser Vater geht wirklich die Extrameile, damit er am Ende zwei Tennis-Cracks als Töchter und nicht zwei an Crack hängende Töchter hat.

Ob das wirklich alles so im wahren Leben passiert ist, kann nicht beurteilt werden. Die beiden Williams-Schwestern, die den Film mitproduziert haben, werden aber natürlich nicht daran interessiert gewesen sein, das Bild ihres noch lebenden Vaters und das eigene zu beschmutzen. Zwar zeigt der Film Richard Williams durchaus als Mann mit einigen Fehlern, der mehrmals kurz davor ist, alles zu riskieren. Doch es zieht sich durch den ganzen Film hindurch ein Optimismus und eine «Yes, We Can»-Attitüde, die durchaus ansteckend ist - auch weil wir das Ende wegen der Tennisgeschichte schon kennen.

Das ergibt einen zwar etwas oberflächlichen, aber letzten Endes auch inspirierenden Sportfilm mit mehr als nur einem Feelgood-Moment. Dabei ragen besonders auch die überzeugend gedrehten Szenen aus dem Tennis-Court wie auch die Leistungen von Saniyya Sidney als Venus und Demi Singleton als Serena heraus. Wegen ein paar Längen im Mittelteil kann der Film zwar nicht alle Sätze gewinnen, trägt aber dank eines berührenden letzten Tennissatzes den Sieg dann doch noch davon.

Wer schon Sportfilme wie Remember the Titans und The Blind Side gelungen fand, wird an dem toll gemachten und stark gespielten King Richard durchaus Freude haben und letzten Endes auch mit einem guten Gefühl aus dem Kino kommen.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Kommentare Total: 3

andycolette

Sensationelles sportdrama man lernt so viel über das Leben in diesem Film ! Weil smith und Aunjanue Ellis sensationell wirklich sehr beeindruckend!! Will smith die besten Oscar Chance krasse Mimik !!

muri

Big Will ist überragend in einer interessant erzählten Sportlerstory, die vor allem in seinem Heimatland ankommen dürfte.

Der Haken bei «wahren» Geschichten ist halt, das man den Ausgang der Story kennt. Der Weg dorthin ist aber hier sehr überzeugend dargestellt und ich habe den «Punisher» Jon Bernthal schon lange nicht mehr so ausgefallen agieren sehen.

Guter Film!

crs

Filmkritik: Der Mann mit dem Plan

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