Jungle Cruise (2021)

Jungle Cruise (2021)

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  2. 127 Minuten

Filmkritik: Skippy & Dr. Pants

"You're gonna need a bigger boat."
"You're gonna need a bigger boat." © The Walt Disney Company Switzerland. All Rights Reserved.

London 1916: Die Forscherin Lily Houghton (Emily Blunt) ist auf der Suche nach den sagenumwogenden Tränen des Mondes. Ein Wundermittel gegen alle Krankenheiten, das schon die spanischen Konquistadoren gesucht haben. Zusammen mit ihrem Bruder McGregor Houghton (Jack Whitehall) und einem gestohlenen Artefakt macht sie sich auf den Weg nach Südamerika. Doch auch der deutsche Prinz Joachim (Jesse Plemons) ist auf der Suche nach den mystischen Tränen. Mit ihnen will er den Ersten Weltkrieg zu seinen Gunsten entscheiden.

Willkommen im Dschungel!
Willkommen im Dschungel! © The Walt Disney Company Switzerland. All Rights Reserved.

Verfolgt von ihren Widersachern treffen Lily und McGregor in einer Hafenstadt auf Captain Frank Wolff (Dwayne Johnson). Dieser betreibt mit seinem heruntergekommenen Dampfschiff eine Touristenattraktion auf dem Amazonas. Allerdings kennt er die Gewässer wie seine Westentasche und gilt als der beste Skipper im Land. Ihre Reise führt das ungleiche Gespann in die gefährlichste Region des Amazonasgebietes und tief in den Dschungel hinein.

Eine charmante Schatzsuche in einer üppigen Abenteuerlandschaft, bei der die filmischen Vorlagen stets erkennbar sind. Jungle Cruise überzeugt mit seinen Actionsequenzen und seinen Schauspielern. Vor allem Emily Blunt spielt selbst die Szenen überzeugend, die eigentlich nicht funktionieren. Leerlauf gibt es nicht einmal, wenn der Bordmotor versagt. Aber nicht alle Teile sind so interessant wie die Jagd nach dem MacGuffin.

Zeichentrickfilme und Themenparks gehörten früher zu den Kerngeschäften von Disney. Mit der Zeit wurden aus einfachen Fahrgeschäften grosse Spielfilme. Nach Pirates of the Caribbean und Tomorrowland findet sich nun auch die Jungle Cruise aus dem Disneyland auf der Leinwand wieder. In der Adaption von Actionregisseur Jaume Collet-Serra (Non-Stop) wurden die tierischen Animatronics der Dschungelfahrt leider gegen Computeranimationen ausgetauscht. Dafür bekommt man statt der einfachen Parkangestellten einen starbesetzten Cast rund um Emily Blunt.

Jungle Cruise präsentiert uns seine Heldin ohne Umschweife. Der Überfall auf ein Museum ist schon im Gange, alles wohl überlegt und geplant. Sicher marschiert Emily Blunt durch die viktorianischen Hallen und versteckt sich dabei mehr schlecht als recht. Die schnelle Eskalation der Situation zeigt die Stärken von Collet-Serra. Schnelle Schnitte und der geübte Einsatz der Umgebung sorgen für eine humorvolle Actionsequenz. In den besten Momenten erinnern die temporeichen Szenen an einen gewissen Archäologieprofessor, der es ebenfalls oft mit den Deutschen zu tun hatte.

Der Abenteuerfilm besitzt zwei Antagonisten, die ein klares Jobsharing betreiben. Das sorgt allerdings dafür, dass der gut eingeführte und sehr unterhaltsame Prinz Joachim eine ganze Weile untertaucht, während die Schatzsuche weiterläuft. Jesse Plemons Darstellung des Bösewichts ist komplett überzogen. Sei es sein selbstzufriedenes Auftreten, die alberne Kostümierung oder ein freundliches «Hallöchen» von einem Geschützturm aus. Der zweite Antagonist, gespielt von Édgar Ramírez, ist dagegen eine uninteressante Monsterfigur. Hier bedient sich der Film recht schamlos am grossen Vorbild, dem Fluch der Karibik.

Dem Gefährt der Jungle Cruise und seinem Skipper werden viele Eigenschaft angedichtet. Während man dem Dampfschiff einen gewissen Charakter zugesteht, scheint Dwayne Johnson wieder einmal eine Superheldenversion seiner selbst zu spielen. Gross, stark und extrem körperlich, eigentlich nie in Gefahr, vom nächsten Nilpferd gefressen zu werden. Natürlich hat er zahlreiche lockere Sprüche auf den Lippen, aber spätestens, wenn es um seine Träume und eine mögliche romantische Beziehung geht, fällt es schwer, ihm die Rolle abzukaufen. Der Dieselmotor des Schiffs bekommt mehr Zärtlichkeit als Schatzsucherin Lily.

Jungle Cruise bietet aufwendige und ansehnliche CGI-Landschaften, einen unterhaltsamen Cast und eine spannende Jagd nach einem unmöglichen Schatz. Am Ende will der Film auch noch Empathie für jede seiner Figuren - ausser den bösen Deutschen natürlich. Die bunten Farben des Amazonas werden im Finale gegen eine graue Masse eingetauscht. Es kracht hier und da laut, aber am besten ist der Film eigentlich, wenn Emily Blunt auf der Flucht vor allen Übeln des Dschungels ist.

Sven Martens [sma]

Sven schreibt seit 2015 als Freelancer bei OutNow. Seine Sehnsucht nach Amerika reicht von Martin Scorseses New York über die weiten Steppen von John Ford bis hin zu Howard Hawks' Traumfabrik in Hollywood. In seiner Freizeit guckt er gerne Filme von Éric Rohmer.

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Kommentare Total: 2

muri

Ein bisschen Indy, einen grossen Schuss Pirates, einen Löffel African Queen und schon hat man aus einer eigentlich witzigen Attraktion aus den Disneyparks ein Ding gemacht, das Abenteuer verspricht und dabei viel Geschwurbel bietet. Zwar sind The Rock und Emily Blunt für sich absolut sehenswert, als Couple hat's halt aber noch reichlich Luft nach oben. Und ob jetzt die animierte Raubkatze, der Bruder mit seinem "Elsewhere" (man will ja das böse Wort nicht brauchen) oder doch die schlecht gemachten Conquistadores das grösste Übel sind, muss jeder für sich entscheiden.

Ich hätte mir mehr Abentuer und flache Witze (für das ist die Attraktion schliesslich bekannt und beliebt) gewünscht und weniger rosarote Blümchen und schlecht gezeichnete Bad Guys...
Achja, Giamatti? Really?....

Trotzdem, zum einmal gucken ist's okay - das Sequel dürfte wohl nicht lange auf sich warten lassen. Da hat man dann wieder etwas Zeit, die ganzen verhunzten Sachen von hier zu korrigieren.

sma

Filmkritik: Skippy & Dr. Pants

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