James Bond - No Time to Die (2021)

James Bond - No Time to Die (2021)

James Bond 007: Keine Zeit zu sterben
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  3. 163 Minuten

Filmkritik: Dörfs es bitzeli meh si?

17. Zurich Film Festival 2021
Ein Quantum Fisch
Ein Quantum Fisch © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Fünf Jahre ist es her, seit James Bond (Daniel Craig) den Dienst quittiert hat und auf Jamaika seinen Ruhestand geniesst - bis ihn sein alter Freund Felix Leiter (Jeffrey Wright) vom CIA kontaktiert. Er bittet Bond, einen russischen Wissenschaftler aufzuspüren, der kürzlich aus einem Londoner Hochsicherheitslabor entführt worden ist. Das gleiche Ziel verfolgt auch die neue MI6-Agentin Nomi (Lashana Lynch). Denn es gibt Hinweise, dass die kriminelle Organisation Spectre hinter der Entführung steckt - und dies, obwohl deren Anführer Blofeld (Christoph Waltz) noch immer in einem Hochsicherheitsgefängnis sitzt.

Vespa Lind?
Vespa Lind? © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Nach anfänglichem Zögern nimmt Bond die Mission an und infiltriert zusammen mit der lokalen Agentin Paloma (Ana de Armas) eine Spectre-Party in Kuba. Dort geschieht allerdings ganz und gar Unerwartetes. Es erweist sich, dass sich die Machtverhältnisse bei seinen Gegnern verschoben haben. So kommt Bond nicht nur auf die Spur des mysteriösen Lyutsifer Safin (Rami Malek), sondern trifft dabei auch wieder auf seine alte Liebe Madeleine Swann (Léa Seydoux), für die er damals den MI6 verlassen hat.

Von allem reichlich und noch ein bisschen mehr: Der längste Bond-Film bietet nicht nur gewohnte Action an tollen Locations, sondern ist auch emotional eine Wucht. Auch wenn das manchmal etwas too much ist: Cary Fukunagas No Time To Die schafft den anspruchsvollen Spagat zwischen gutem alten Bond-Feeling und zeitgenössischem Actionfilm und überrascht auch mit einigen mutigen Wendungen. Wenn uns auch keine Zeit zum Sterben bleibt, die 163 Minuten für den letzten Craig-Bond lohnen sich auf jeden Fall!

Beginnen wir für einmal ganz am Ende. Darüber verraten wir an dieser Stelle selbstverständlich kein Sterbenswörtchen, sondern beschränken uns auf den einen kleinen Hinweis: Wer nach knapp zweidreiviertel Stunden noch ein wenig Sitzleder hat, wird ganz am Ende des Abspanns mit einem ganz, ganz kleinen Schmankerl belohnt. Dies nach einem Film, der so richtig Vollgas gegeben hat in alle Richtungen.

Und der nimmt sich seine Zeit. Bereits das traditionelle Intro ist so lang wie keines zuvor und erzählt etwas umständlich eine für sich stehende Vorgeschichte. Es ist so etwas wie ein Film im Film vor dem Vorspann. Wenn dann endlich Billie Eilish ihren Titelsong anstimmt, hat das Publikum bereits ein Wechselbad der Gefühle durchlebt.

Apropos Titelsong: Es gibt noch einen zweiten, und der erweist dem legendären Klassiker On Her Majesty's Secret Service die Ehre. Ja, No Time To Die ist eindeutig vom 52 Jahre alten Schilthorn-Bond mit George Lazenby inspiriert! Und dies nicht nur musikalisch - wer gut aufpasst, erkennt zwischendurch auch eine Variation des bekannten John-Barry-Themas -, sondern auch im Hinblick auf die Emotionalität und gewisse Waffen des Superbösewichts.

Überhaupt: Dieser Bond ist wieder richtig «altmodisch» in dem Sinne, als man es mit dem Realismus der Story nicht bierernst nimmt. Bereits die stereotype Figur des abgedrehten russischen Wissenschaftlers mit verrückten Plänen könnte einem Bond-Film einer früheren Ära entnommen sein, ebenso diejenige von Rami Maleks Bösewicht Lyutsifer Safin. Der Freddie Mercury-Darsteller geniesst offensichtlich seine fiese Rolle, auch wenn er mit seiner beschränkten Screentime ein wenig Opfer der leicht überfrachteten Handlung wird.

Ähnliches lässt sich auch von Lashana Lynch und Ana de Armas sagen als Bonds schlagkräftige - der Begriff «Bond-Girls» scheint hier nicht richtig angebracht - Co-Agentinnen. Letztere sorgt mit ihrem kurzen, aber prägnanten Auftritt wenigstens für einige Schmunzler in diesem sonst eher ernsten und düsteren Bond. Die eigentliche weibliche Hauptrolle gehört jedoch zum zweiten Mal nach Spectre abermals Léa Seydoux. Über ihre Rolle lässt sich aus Spoilergründen am wenigsten sagen, weshalb wir hier schleunigst das Thema wechseln.

Ohne schlechtes (Spoiler-)Gewissen lässt sich hingegen von den tollen Locations schwärmen. In Italien, Norwegen, Schottland, Jamaika und Kuba ist James Bond unter anderem unterwegs, und tolle Aufnahmen präsentieren diese Orte in allerbestem Licht. Auch die Action ist richtig dosiert, wobei eine Actionszene gegen Ende in der Art der Inszenierung doch stark an Atomic Blonde erinnert.

Aber das ist ein Stück weit auch Programm. Bond stand nie für Innovation, sondern dafür, dass er aktuelle Trends aufgriff und weiterentwickelte. Das tut auch No Time To Die. Wobei man den Machern für einige Drehbuch-Entscheidungen wirklich Respekt zollen muss. Vergessen ist die schwierige Produktionsgeschichte mit dem Wechsel auf dem Regiestuhl weg von Danny Boyle hin zu Cary Fukunaga: Der letzte Craig-Bond ist ein manchmal etwas überladenes, aber unterhaltsames Furioso und der würdige Abschluss einer Ära.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Kommentare Total: 7

Guinness

Die Locations sind einmal mehr Atemberaubend, die Action ist zeitgemäss, wobei er noch ein wenig mehr vertragen hätte. Musikalisch ist er überragend unterlegt. Der Auftritt von Waltz ist stark, da er es wahnsinnig geniesst.
Malek gefällt in 2 seiner Auftritte sehr, ganz zu Beginn und dann bei Swann im Büro, da ist er so richtig beängstigend, leider ist er am Ende ein wenig zu sehr ein Jämmerlicher Bösewicht, schade.
Insgesamt ein Starkes, finsteres und packendes Finale der Craig Ära, der noch besser sein könnte.

oscon

Für mich einer der besten Bonds, da emotional und mit ‚zig Verweisen auf "Im Geheimdienst seiner Majestät". Schon die Anfangssequenz deutet über den Satz "Wir haben alle Zeit der Welt" inkl. Melodie des wunderbaren Louis Armstrong Songs aus dem alten Films darauf hin, das einer der Hauptprotagonisten sterben könnte...

Zum Film:
Der Film lässt die Handlung der vorangehenden Bond Filme zusammenlaufen und wo möglich enden.
Die Charakterzeichnung ist sicher einfach gehalten, die Vorgehensweise der Figuren sicher z.T. darum voraussehbar.
Einzig bei der Frage was genau der Bösewicht Safin will, sind die Motive etwas schwammig: DIe Welt auslöschen ? Die Waffe meistbietend verscherbeln ? Rache am Tod seiner Familie ?
Dies ist aber nicht unbedingt die Stärke des Films, sondern die emotionale Geschichte zwischen Bond und Madeleine, die den Film durch all die starken Actionszenen trägt.
Spezioell erwähnt sein Ana de Armas als nervöse CIA Agentin mi Kick, die in der kurzen Szene wiederum eine Glanzleistung darbietet: Scheinbar neu im Dienst, unerfahren, aber explosiv.
Nur einer der Überraschungen im Film, mehr sei nicht verraten !

muri

- Schön, wenn Louis Armstrong's Theme mehr Emotionen auslöst als das von Billie Eilish
- Film geht sicher 30 Minuten zu lang, wobei man das Zwischenmenschliche ("It's not yours") gerne hätte kürzen können
- Der Bösewicht ist einer der Schwächsten der Reihe. Wo sind die Goldfingers, die Strombergs und Zorins geblieben?
- Gute Anfangssequenz, schönes Intro und dann folgt die beste Sequenz des ganzen Films. Bond pur, wie wir ihn lieben. Leider bricht man das dann zu früh ab, um auf Mathilde/Madeleine zu fokussieren.
- Waltz als Blofeld passt halt noch immer nicht *kuckuck*
- Nett die verschiedenen "M's" an der Wand (Judi Dench, Bernhard Lee)
- Komiker Hugh Dennis als Wissenschaftler - das kam jetzt echt überraschend...

Trotzdem sicher ein guter Actionfilm, der die Craig-Reihe akzeptabel abschliesst. Leider aber nicht der Überfilm, den wir uns gewünscht haben. Da hat mir zB. viel Skyfall besser gefallen.

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