The Quest for Tonewood - Jakten på Tonetreet (2021)

The Quest for Tonewood - Jakten på Tonetreet (2021)

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  2. 83 Minuten

Filmkritik: Für in en lääre Gygechaschte

«Jane, bist du's?»
«Jane, bist du's?» © cineworx

Der technische Fortschritt der letzten 300 Jahre ermöglicht es uns theoretisch, nahezu alles herzustellen. Doch es gibt auch prominente Ausnahmen. Beispielsweise zerbrechen sich Fachleute noch immer den Kopf darüber, wie man die Instrumente von Geigenbaumeister Antonio Stradivari (1644/8-1737) nachbauen könnte. Deren einzigartiger und angeblich unreproduzierbarer Klang verorten sie im Holz, das der Cremoneser seinerzeit verarbeitet hatte. Bäume, die solches Material liefern, gebe es heute nicht mehr. Stradivaris Zunftkollege Gaspar Borchardt sieht das anders.

Giigets?
Giigets? © cineworx

Mit seinem Lebensziel vor Augen, eine Stradivari 2.0 zu bauen, nimmt er Kontakt auf mit der Weltklasse-Violinistin Janine Jansen, die mit einem der begehrten und millionenschweren Instrumente durch die Konzertsäle tourt, denn jemand muss sein Baby dereinst auch spielen können. Doch zunächst gilt es, den richtigen Rohstoff zu finden. Seine Recherche führt Borchardt zu Bojan Tomic, der gute Kontakte zur Holzindustrie im Balkan pflegt. Borchardt bemerkt bald, dass er mit seinem Vorhaben nicht nur ein musikhistorisches Dogma angreift, sondern sich auch in das Rayon von zwielichtigen Gestalten begibt - und in Lebensgefahr.

Schnüffeln, klopfen, ablecken - der Geigen-Gourmet Gaspar Borchardt überlässt bei der Holzauswahl nichts dem Zufall. Auch diese norwegische Dokumentation scheint sich eine sehr detailierte Partitur für die rund 80 Minuten Film zurechtgelegt haben. Die fast schon überdeutlich (nach)erzählte Handlung untergräbt unglücklicherweise zunehmend das Dokumentarische des Films, in dessen Kern sich jedoch eine wichtige und wertvolle Geschichte des Respekts versteckt.

Seien es nun Trüffel oder Geigen, in der Welt der Luxus- und High-End-Produkte herrscht ein ganz besonderer Groove. Dort begibt sich manch einer gut und gerne auch mal in Lebensgefahr, um an das Objekt seines Begehrens zu gelangen. Dieses Spannungsfeld zwischen totaler Hingabe und kindlicher Blauäugigkeit, in dem sich auch Geigenbauer Borchardt bewegt, fängt Regisseur Hans Lukas Hansen liebevoll und rund ein. Das flirrend Leichte im Pervers-Absurden, das in diesem elitären Kosmos herrscht, nimmt auch sofort gefangen.

Dann legt er das Schleifpapier der Geigenmanufaktur weg und nimmt die Motorsäge des (halblegalen) Holzfällers in die Hand. Im Wechselspiel mit der Darstellung der Oberklassen-Atmosphäre wird ein atemloser Thriller erzählt, der obzwar spannend und kurzweilig, sehr konstruiert und auf Drama getrimmt wirkt. Viel kriminelle Energie ist vorhanden, auch geheime Treffen mit laufenden Motoren sowie eine ausgeschaltete Kamera dürfen nicht fehlen und man ist unwahrscheinlicherweise irgendwie immer dabei, wenn jemand anruft. Der narrative Bogen wird da und dort überspannt.

Diese Abschnitte dominiert dann auch sehr viel Kulisse und wiederum sehr wenig Atmosphäre. Bojan, der undurchsichtige Mittelsmann, exponiert auch mustergültig, wo man sich gerade befindet, wie mächtig der Mann, den man gerade trifft, sei, und warum man es sich nicht mit ihm verscherzen dürfe. Allen «illegalen Aktivitäten» zum Trotz bleibt erstaunlicherweise immer genügend Zeit, um einige Drohnenflüge vorzunehmen - und schlussendlich kommen doch einige Personen zusammen, von denen man sich vorstellen kann, dass sie an diesem Film keine Freude haben dürften.

So kommt man sich manchmal vor wie in einem faden Fernsehkrimi und man verliert den Bezug zur Realität, obwohl der durchaus vorhanden ist. Andeutungsweise schaut Hansen auch in die Abgründe, die sich hinter den (schönen) Geigenklängen verstecken - und überrascht dann umso mehr mit einer wunderbaren und wichtigen Kernbotschaft des Respekts. Ob sich alle Geigenbauer auf der Suche nach dem grossen Wurf daran orientieren werden? Es ist auf jeden Fall zu hoffen - vielleicht hilft es da ja für einmal, auf Holz zu klopfen.

Tom von Arx [arx]

Für OutNow schaut Tom seit 2015 Filme und detektiert seit 2019 Stilblüten und Vertipper. Der Profi-Sprecher und überzeugte Hufflepuff lässt sich gerne bei sublim konstruierten Psycho-Thrillern vom metaphysischen Gruseln packen und wünscht sich eine tierleidfreie Welt voller biggest little farms.

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Trailer Englisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 02:02