JFK Revisited: Through the Looking Glass (2021)

JFK Revisited: Through the Looking Glass (2021)

  1. 115 Minuten

Filmkritik: Oliver Stone vs. The World

17. Zurich Film Festival 2021
War es etwa doch Elvis ...
War es etwa doch Elvis ... © Camelot Productions

Nachdem sich der Regisseur Oliver Stone bereits vor 30 Jahren mit der Ermordung von US-Präsident John F. Kennedy auseinandergesetzt hatte, beschäftigt er sich nun erneut mit der Thematik. Schon damals löste sein Film eine grosse Kontroverse aus und Oliver Stone musste sich für seine Darstellung der Dinge oftmals in Verteidigungsstellung bringen.

... oder könnte JFK vielleicht sogar ein Donut gewesen sein?
... oder könnte JFK vielleicht sogar ein Donut gewesen sein? © Camelot Productions

Mithilfe von neuveröffentlichten Informationen setzt sich sich Stone in dieser Dokumentation erneut mit den Verschwörungstheorien um die Ermordung von «JFK» auseinander. Dazu führt er Interviews sowohl mit Forensik-, als auch Ballistik-Experten, lässt aber auch Augenzeugen und Historiker dabei zu Wort kommen. Erzählt wird die Dokumentation dabei von Donald Sutherland, der schon in JFK mitspielte - und Whoopi Goldberg.

JFK Revisited: Through the Looking Glass ist zwar handwerklich spannend inszeniert, setzt sich aber auf inhaltlich ungenügende Art und Weise mit der Thematik auseinander. Stone lässt nur Experten zu Wort kommen, welche bereits Autoren und Proponenten der Verschwörungstheorien sind und lässt kritische Gegenstimmen aussen vor. Dies mag zwar Balsam für Stones Ego sein, ist in Zeiten von massiven Fehlinformationen im Internet jedoch höchst problematisch.

Verschwörungstheorien sind en vogue. Sei es bezüglich des 11. Septembers, der Mondlandung oder etwa auch des Anschlags auf JFK: Stets gibt es eine grosse Menge an Leuten, welche den offiziell vermittelten Darstellung der Ereignisse keinen Glauben schenken wollen. Dies hat sich durch den Aufstieg der sozialen Netzwerke wohl noch verstärkt. Das musste auch Oliver Stone klar gewesen sein. In Zeiten der «Twitter-Blasen» kann sich Stone, der sich noch nie vor kontroversen Behauptungen gescheut hat, erneut voll auftrumpfen.

Schon vor 30 Jahren musste er sich nach der Veröffentlichung seines Filmes JFK erklären und seine Quellen offenlegen. Nach all dieser Zeit scheint sich Stone jedoch noch immer in Erklärungsnot zu befinden und stürzt sich erneut ins Thema und macht sich selbst denn auch zum grossen Protagonisten und Aufdecker in seiner Dokumentation.

Wie es so oft mit Verschwörungstheoretikern der Fall ist, setzt sich Stone jedoch nur noch mit Quellen und Interviewpartnern auseinander, welche sein eigenes Narrativ unterstützen. Vage theoretische Ansätze werden als Befunde bezeichnet, was in der heutigen Zeit höchst problematisch ist. Eine kritische Auseinandersetzung mit den sehr regierungskritischen Behauptungen fehlt jedoch in der Dokumentation vollends.

Wenn dann Stone auch noch behauptet, dass es sich bei seinen Verschwörungstheorien sogar um Verschwörungsfakten handle, fragt man sich, ob man sich nicht etwa doch auf einen obskuren YouTube-Kanal verirrt habe. Dem Film zugutehalten muss man jedoch, dass seine Inszenierung oftmals an einen spannenden Politthriller erinnert. Langeweile kommt nur selten auf, was angesichts der problematischen Behauptungen des Filmes zusätzlich zu denken gibt.

Insgesamt wirkt JFK Revisited: Through the Looking Glass wie eine gewaltige Ego-Show von Oliver Stone. Einen Mehrwert aus der Dokumentation werden nur diejenigen schöpfen, welche Verschwörungstheorien sowieso schon viel abgewinnen können. Alle anderen jedoch werden im Film eine fundierte faktische Auseinandersetzung vermissen, wie man sie von einer solchen Dokumentation erwartet.

Olivier Nüesch [oli]

Olivier schreibt seit 2012 für OutNow. Begonnen hat seine Filmleidenschaft schon sehr früh mit dem CGI-freien «Dschungelbuch». Mit der Gemütlichkeit probiert er es als Popkulturfreak nun jedoch auch mithilfe von Serien, Games, Büchern und Comics.

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