Even Mice Belong in Heaven - I mysi patrí do nebe (2021)

Even Mice Belong in Heaven - I mysi patrí do nebe (2021)

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Filmkritik: Pelzige Freunde auf Reisen

19. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2021
«Was? Sogar im Himmel muss man Zähne putzen?»
«Was? Sogar im Himmel muss man Zähne putzen?» © Denisa Grimmová, Jan Bubeníček

Das Mäusemädchen Whizzy hat eine riesige Klappe. Das liegt daran, dass ihr Vater der grösste Held unter den Mäusen war, der es wagte, Muzzle, den fiesesten aller Füchse, auszutricksen, um seine kleine Tochter vor dem Fressfeind zu retten - und dabei leider ums Leben kam. Weil ihr Vater ihr immer sagte, sie soll mutig sein, gibt Whizzy immer mächtig an, denn in Wahrheit ist sie gar nicht mutig, sondern fürchtet sich vor allem. Als sie wieder einmal von ihren Brüdern gehänselt wird, will sie ihren Mut endgültig beweisen und rupft einem schlafenden Fuchs ein bisschen Fell aus. Als der erwacht und sie über die Strasse jagt, werden beide von einem Auto überfahren.

Als Whizzy wieder zu sich kommt, ist sie im Himmel. Dort muss sich jedes Tier erst waschen, denn nur so werden alle Tiere gleich und können sich nicht gegenseitig angreifen. Auch der Fuchs, Whitebelly, ist hier und nach anfänglichem Gezanke reisen Fuchs und Maus gemeinsam weiter. Als nächstes gelangen sie an einen grossen Rummelplatz, wo man sich so lange vergnügen kann, wie man will. Um auf der Reise im Himmel weiterzukommen, wollen sich Whizzy und Whitebelly helfen. Aber können Fuchs und Maus überhaupt Freunde sein?

Manchmal ist der Tod eben doch erst der Anfang: Even Mice Belong in Heaven erzählt eine in liebevoller Puppenanimation umgesetzte Geschichte über Freundschaft, die auch über grosse Hindernisse hinweg bestandhält. Der Film besticht einerseits durch die wundervoll detailreich inszenierten Sets und Tierfiguren, andererseits mit der vielschichtigen Figurenzeichnung. Die gezeigte Entwicklungsreise der beiden pelzigen Protagonisten animiert abwechselnd zum Lachen, Weinen und Nachdenken und hält trotz ernster Themen wie Tod und Mobbing selbst für kleinere Zuschauer einigen Filmspass bereit.

Der Tod ist erstaunlich häufig ein zentrales Thema in Animationsfilmen, selbst bei solchen, die sich an kleinere Kinder wendet. Die Fragen danach, was nach dem Tod kommt und ob man vielleicht wieder mit geliebten Verstorbenen zusammenkommen kann, sind gewiss universell und sprechen Erwachsene wie Kinder an. Umso spannender ist es deshalb, wenn sich Animationsfilme dieses komplexe Thema vornehmen und trotz allem ein unterhaltsames Filmvergnügen hinzaubern können.

Hat etwa der schwedisch-dänische Animationsfilm Beyond Beyond den Federkönig als Fabelwesen vorgestellt, das zwischen dem Reich der Lebenden und dem Jenseits vermittelt, hat das Regie-Duo Denisa Grimmová und Jan Bubeníček die Vorgänge nach dem Tod in Even Mice Belong in Heaven als eine Art Entwicklungsreise dargestellt. Produziert in Tschechien, Frankreich, der Slowakei und Polen und basierend auf dem Kinderbuch von Iva Procházková, besticht der Film durch die enorm detailreiche Animation, die in jeder Einstellung zu sehen ist. Für die unzähligen Tierfiguren und -arten, die im Laufe der Filmereignisse zu sehen sind, wurde Stop-Motion-Puppenanimation mit 3D-Animation und CGI-Effekten kombiniert.

Obwohl der Titel nur die Mäuse enthält, sind die Füchse nicht minder wichtig. Denn das Mäusemädchen Whizzy und der stotternde Fuchsjunge Whitebelly erhalten im Verlauf des Filmes etwa gleich viel Aufmerksamkeit, ist ihr Schicksal doch durch ihren gemeinsamen Tod bei Filmbeginn untrennbar miteinander verknüpft. Die langsam entstehende Freundschaft zwischen den beiden, die von anfänglichen Todfeinden zu BFFs werden, ist wunderbar umgesetzt und behandelt dabei Themen wie Mobbing, Vorurteile, Angst und Vergebung. Auch die Botschaft, dass selbst Leute aus gänzlich unterschiedlicher Umgebung - oder Spezies - Freunde sein können, wird auf nachfühlbar und niemals anbiedernde Weise transportiert.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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