Halloween Kills (2021)

Halloween Kills (2021)

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  3. 106 Minuten

Filmkritik: Alter schützt vor Morden nicht

78. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2021
Trittst im Feuerrot daher.
Trittst im Feuerrot daher. © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

In Haddonfield kehrt auch 2018 weiterhin keine Ruhe ein. Denn Michael Myers ist immer noch nicht tot. Der Meuchelmörder entkommt der Feuerhölle, in welcher Laurie (Jamie Lee Curtis), ihre Tochter Karen (Judy Greer) und die Enkelin Allyson (Andi Matichak) ihn zurückgelassen haben, und treibt nun weiterhin sein Unwesen. Laurie, mit Schmerzmitteln ans Spitalbett gefesselt, merkt aber vorerst noch nichts davon.

Wie die Mutter so die Töchter.
Wie die Mutter so die Töchter. © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Stattdessen treffen sich 40 Jahre nach den ersten Myers-Morden überlebende Haddonfielder in einer Bar und erfahren vom verunglückten Insassen-Transport, bei dem der Psychopath entkam. 1978 waren sie noch Kinder. Jetzt bilden Tommy Doyle (Anthony Michael Hall), Lindsay Wallace (Kyle Richards), Lonnie Elam (Robert Longstreet) und andere einen Mob, bereit, dem Schrecken im Ort per Lynchjustiz ein Ende zu setzen.

Halloween Kills ist ein Zwischenstopp auf dem Weg zum grossen Finale, des von David Gordon Green und Blumhouse 2018 wiederbelebten Horror-Franchises. Überkompliziert eingefügte Statisten aus dem Originalfilm sollen für Fan-Nostalgie sorgen. Myers Opferschar ist zahlreicher und diverser (POC, schwules Pärchen). Aber im Grunde wartet man nur auf den grossen Showdown zwischen «Final Grosi» Laurie und dem Tattergreis mit Superkräften Michael Myers. 2022 soll es soweit sein. Halloween Ends im nächsten Jahr.

Mike Myers ikonische Maske ist bedingt durch eine Feuerbrunst etwas angeschmörzelt. Was ihn noch etwas grusliger erscheinen lässt. Und man wundert sich über die Tatkraft des Serienmörders, der rein von Alter her eigentlich bereits AHV beziehen könnte, aber immer noch zupackender zu werden scheint. Das ist natürlich ideal für einen Slasher-Film, bei dem ein zweistelliger Bodycount und extra viel Splatter oft schon die halbe Miete sind.

Wir sind hier aber im unübersichtlich gewordenen Halloween-Universum von John Carpenter. Wo gruselige Synthi-Klänge und eine starke Frauenfigur mehr zu Horror-Historie beitrugen als so manch nihilistisches Blutvergiessen auf der Leinwand. Seit 2018 die erfolgreiche Gruselfilmschmiede Blumhouse die Halloween-Filmreihe in die Neuzeit geführt hat - inklusive Podcastern und anderem neumodischem Zeugs - können wir uns erneut am ultimativen Final Girl Laurie Strode, gespielt von Jamie Lee Curtis, ergötzen.

In Halloween Kills ist Jamie Lee Curtis aber die meiste Zeit im Spital statt in Aktion. Das Feld gehört den Bewohnern von Haddonfield, die man - ausser man ist Riesenfan - eigentlich fast schon vergessen hat. Die nun aber in praktischen Splitscreens und Rückblenden erneut eingeführt und als Opferlämmer dem Hauptbösewicht zugeführt werden. Dass die Kids von damals heute als stupider Mob agieren, mag ein Wink an den Sturm aufs Capitol sein. Gesellschaftskritik ist aber nicht der Hauptgrund, warum man sich Horrorfilme anschaut.

Ein weiteres Zugeständnis an den Zeitgeist ist das schwule Pärchen, das sich im Haus von Michael Myers eingenistet hat. Michael McDonald und Scott MacArthur nennen sich aus irgendeinem seltsamen Grund «Big John» und «Little John». Und sie verbringen die Halloween-Nacht damit, Aufschnitt zu essen und Minnie and Moskowitz zu schauen, bevor Michael vorbeischaut, um zu sehen, wie sein Haus umdekoriert wurde.

Nostalgie und Gay-Momente in Ehren. Es wird Kyle Richards, Charles Cyphers und Nancy Stevens freuen, dass die Macher von heute an die Darstellerinnen von damals gedacht haben. Die regebootete Timeline der Halloween-Reihen verlangt nun aber nach dem ultimativen Showdown. Laurie alias Jamie Lee Curtis soll mit mehr Bildschirmzeit dem Schrecken ein Ende setzten. Sonst verkommt auch die neue Reihe zum einem Schwall an vermurksten Sequels.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Kommentare Total: 3

Guinness

Der Name ist absolut Programm. Michael mordet hier wirklich härter und blutiger als je zuvor. Was den Film verdammt ernst macht,und das ist auch gut so.
Die Musik ist einmal mehr Gänsehaut mässig Top.
Wahnsinnig gut ist auch das der Film von Anfang bis Ende Vollgas gibt. Ich freue mich jedenfalls aufs Finale nächstes Jahr, denn mit dem jetzigen Ende bin ich nicht ganz so zufrieden, was aber auch das einzige ist das ich kritisiere.

Ps:
Es wird hier auch wirklich ganz viel Fan Service geboten.

Achtung Spoiler

muri

Die letzten Minuten sind interessant, weil sie uns A) direkt in den finalen Teil führen und B) die kurze Möglichkeit des Unerwarteten bestand. Der Rest des Films ist as usual, wobei man hier Curtis auf der Reservebank lässt. Hoffe, sie darf im Abschluss dann dafür umso kräftiger austeilen.

Die Kills scheinen brutaler als auch schon, die Story ist allerdings zäh und mühsam. Wobei der Einbezug der "Oldies" sicher keine schlechte Idee war, aber in dieser Filmreihe steht jemand anderes im Mittelpunkt...

Hoffe, das grosse Finale nächstes Jahr legt noch einen Zahn zu.

rm

Filmkritik: Alter schützt vor Morden nicht

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