The Green Knight (2021)

The Green Knight (2021)

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  3. 125 Minuten

Filmkritik: Artus goes Arthouse

Boyband-Video, Klappe die Erste!
Boyband-Video, Klappe die Erste! © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Gawain (Dev Patel), Neffe von König Artus (Sean Harris), vergnügt sich lieber mit Prostituierten und Alkohol, als sich um die Gepflogenheiten von Camelot zu kümmern. Am Neujahrsfest soll er erstmals neben König und Königin (Kate Dickie) an der Tafelrunde sitzen. Als die Ritter fröhlich feiern, reitet plötzlich ein unheimlicher grüner Ritter, der wie ein Baumwesen aussieht, in den Thronsaal und spricht durch die Stimme der Königin. Er fordert die Anwesenden heraus: Wer wagt es, ihm einen Schlag mit dem Schwert zu verpassen? Im Gegenzug soll derjenige Ritter in einem Jahr am Neujahrstag zum Grünen Ritter in die Grüne Kapelle kommen, um denselben Schlag zu empfangen. Gawain nimmt die Herausforderung an und schlägt dem seltsamen Wesen den Kopf ab. Doch dieses steht gleich wieder auf und fordert von Gawain, in einem Jahr zu ihm zu kommen.

Sie haben beide die Haare schön.
Sie haben beide die Haare schön. © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Ein ganzes Jahr lang versucht Gawain, das Versprochene zu vergessen, während die Bewohner Camelots seinen Mut feiern. Kurz vor Ablauf der Jahresfrist schickt ihn der König los, um seinen Schwur einzuhalten. So macht sich Gawain auf die Suche nach der Kapelle. Unterwegs trifft er auf Wegelagerer, fabelhafte Wesen und beginnt immer mehr an seiner Mission zu zweifeln.

Mit The Green Knight verleiht Regisseur David Lowery der mittelalterlichen Ritterromanze einen neuen, bildgewaltigen Spin. Dev Patel als einnehmender, wenn auch nicht immer ganz sympathischer angehender Ritter stolpert durch eine mystische, symbolträchtige Welt voller ungewöhnlicher Wendungen und rätselhaften Begegnungen, die viel Luft zur Interpretation lassen. Einfach zugänglich ist der Film definitiv nicht. Dank der atemberaubenden, bis ins letzte Detail durchgestylten Bildkompositionen, der fabelhaften Dekors und Kostümen sowie der fantastischen Elemente - ist alles real oder nur ein Traum? - ist The Green Knight aber vor allem eines: Arthouse Fantasy vom Feinsten.

David Lowery gehört zu jenen Filmemachern, die schwer einzuordnen sind, wechselt der Regisseur und Autor doch mühelos zwischen Gangsterfilm (Ain't them Bodies Saints, The Old Man and the Gun), übernatürlichem Drama (A Ghost Story) und Familienfilm (Pete's Dragon sowie als nächstes Peter Pan & Wendy). Dass er sich nun ausgerechnet eine der berühmtesten Ritterromanzen aus dem späten 14. Jahrhundert vorgenommen hat, überrascht also nur ein bisschen. Nach eigenen Angaben stand Lowery anfangs ein Fantasyfilm wie die Lord of the Rings-Reihe oder Willow im Sinn. Wie viele Produktionen aus dem Haus A24 landet jedoch auch The Green Knight irgendwo zwischen Arthouse-Kino und Multiplex und will deshalb nicht recht zur gängigen Genrezuschreibung «Fantasy» passen.

The Green Knight ist eine düstere Version der anonym verfassten Romanze, welche die Leerstellen im Originaltext geschickt ausnutzt. Gleich zu Beginn könnte man vielleicht befürchten, dass die Inszenierung manchmal ins «Theäterlen» kippt. Derlei Befürchtungen werden aber bereits mit den ersten Szenen von Gawain und spätestens mit dem Auftritt des gruselig-genial umgesetzten grünen Herausforderers beiseite gewischt. Denn der Film zeigt eine dreckige und immer wieder unmoralische Welt, in der sich Horror und Epos mischen und nie ganz klar ist, wer nun welche Motive verfolgt oder wer tatsächlich die Fäden zieht.

Dev Patel in der Hauptrolle bietet dafür einen faszinierenden Ankerpunkt: Sein Gawain ist - im Gegensatz zu früheren Interpretationen - kein heisssporniger Ritter, der zuversichtlich ins Abenteuer zieht, sondern ein Zweifler, dem die höfische wie auch die fantastische Welt auf seiner Reise kaum weniger unverständlich ist als dem Publikum. Auf seinem Irrweg trifft er auf Räuber, Geister, Riesen, sprechende Tiere, was alles eindrücklich umgesetzt wurde; und doch schwebt über allem die Unsicherheit darüber, ob es sich letzten Endes nicht doch nur um (alb)traumhafte Visionen handelt.

Gawains Zwiespalt zwischen ritterlich-adliger Verpflichtung und seinen eigenen Wünschen macht auch die Doppelrolle von Alicia Vikander greifbar. Etwas schwächer in ihrer Darstellung des leichten Mädchens Essel, überzeugt sie vor allem als Frau des Burgherrn, wobei sie mit einem eindrücklichen und langen Monolog über die Farbe Grün fast selbst wie eine Art Fabeltier wirkt.

Am Ende hat The Green Knight fast ein bisschen zu viel Spass daran, uneindeutig zu bleiben. Denn jede Szene, jede Bildeinstellung ist geradezu gespickt mit Details und Symbolen, die entdeckt und entschlüsselt werden wollen. Allerdings wird auch bald klar, dass uns der Film so manche Antwort bis zum Schluss schuldig bleiben wird. Weil der Film aber immer wieder durch atemberaubende Bildkompositionen zu begeistern weiss, stört dies letztlich gar nicht. Nicht nur wenn animierte Riesen durchs Bild wandeln, sondern auch mit dem Einsatz von Licht, Farben, Kostümen, ja sogar Vorhängen bietet der Film Einstellungen, die auch als Einzelkunstwerke funktionieren würden.

Dieser Mix aus bildgewaltiger Kunstfertigkeit und rätselhafter Story mag das Mainstreampublikum vielleicht abschrecken, bringt aber allen mit genügend Grübeltoleranz und Sitzfleisch einiges an Gesprächsstoff - und Lust auf einen Rewatch.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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