Ghost Lab (2021)

Ghost Lab (2021)

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  2. 117 Minuten

Filmkritik: Die Geister, die ich rief

Netflix
Wee sucht einen Geist.
Wee sucht einen Geist. © Netflix

Wee (Thanapob Leeratanakachorn) und Gla (Paris Intarakomalyasut) sind beste Freunde. Sie arbeiten auch im gleichen Krankenhaus als Fachärzte. Als Wees Mutter nach langer Krankheit stirbt, ist dieser am Boden zerstört. Gla weiht ihn in seine Forschung ein, mit der er die Existenz von Geistern beweisen will. Fortan wollen sie gemeinsam daran arbeiten und träumen von einer internationalen Anerkennung als grosse Wissenschaftler. Doch die Geister lassen sich nicht so einfach in die Karten schauen.

Das Experiment wird gefährlich.
Das Experiment wird gefährlich. © Netflix

Da das Erscheinen und Hervorrufen der Geister nicht richtig klappen will, kommen die beiden Freunde auf die Idee, dass einer von ihnen sterben muss, um dann als Geist zum anderen zurückkehren zu können. Wee, anfänglich zum Selbstmord bereit aus Gram wegen des Todes seiner Mutter, zieht sich in letzter Sekunde zurück. Dafür springt Gla in die Bresche und erschiesst sich. Um Glas Geist zu erreichen, muss sich Wee aber auf ein gefährliches Experiment einlassen.

In der Grundidee ist der thailändische Geister-Horrorfilm Ghost Lab recht originell. Doch leider fehlt es der Produktion auf allen Ebenen an Inspiration. Die Schauspieler wirken überfordert mit den unausgegorenen Dialogen und der wenig substanziellen Handlung. Visuell verfängt sich der Regisseur Paween Purijitpanya in zu vielen Spielereien, was Kameraführung und Ausleuchtung der Szenen betrifft. Der Einsatz der Musik schliesslich zeugt von einem allgemein kaum ausgeprägten Eigenstil und einer nicht vorhandenen Geschmackssicherheit.

Viele Punkte machen den Film anstrengend zum Schauen. Ganz eindeutig ist er zu lang. Eine derart dünne Handlung rechtfertigt die zweistündige Dauer nicht, da sie nicht etwa von einer besonders eigenständigen visuellen Ästhetik kompensiert würde. Genauso wie die Dialoge vor Assoziationen und Bezüge zur westlichen (Pop-)Kultur strotzen, so prägen die Bildfindung Manierismen, die man bereits in x-facher Ausführung gesehen hat.

Das Spiel mit Spiegelungen beispielsweise, das beim Thema Geister eine gewisse Bedeutung haben könnte, wirkt abgedroschen. Die Protagonisten werden immer wieder vom künstlichen Licht verschiedener Lampen wie denen im Labor oder im Operationssaal geblendet, reiben sich verwirrt die Augen, kurz bevor sie von einer Geistererscheinung erschreckt werden. Um die von den Darstellern nicht übertragenen Regungen wie Angst und Wut zu übermitteln, wechselt die Kamera in wildem Tempo zwischen extremen Nahaufnahmen, langen Fahrten und ruckartigen Schwenkungen.

Die Figuren haben keinen Tiefgang. Die beiden Protagonisten haben keine Hintergrundgeschichte, um Fachärzte zu sein, scheinen sie reichlich jung. Auch ihre helle, hohe Stimme passt kaum zur Rolle, die zwar in Teilen weinerlich sein soll, doch aber auch eine gewisse Skrupellosigkeit beinhaltet. Der Mangel an Überzeugungskraft erklärt sich nicht nur an der Unsicherheit der Darsteller. Das Drehbuch selbst ist lückenhaft, fahrig und auf seine Art uninspiriert.

Abgesehen von einigen wenigen Schockmomenten schafft es Ghost Lab leider nicht, richtig zu gruseln und das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Die grundsätzlich spannende Idee ist dem Versuch zum Opfer gefallen, eine Produktion zu schaffen, die möglichst international sein könnte. Dafür spricht unter anderem, dass die beiden Freunde irgendwann nur noch auf Englisch kommunizieren, was völlig unmotiviert ist. An konkreter Aussage findet sich im Übrigen im Film auch wenig, ausser vielleicht eine leichte Kritik an den Menschen und ihrer Tendenz zur Besessenheit, die sie, wortwörtlich, über Leichen gehen lässt.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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