France (2021)

France (2021)

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  3. 133 Minuten

Filmkritik: Frankreichs Depression

74e Festival de Cannes 2021
«Und nun zur Wetterprognose.»
«Und nun zur Wetterprognose.» © 3B

France de Meurs (Léa Seydoux) hat ihre eigene politische Sendung im französischen Fernsehen. Die attraktive Blondine ist beim Publikum beliebt, wird auf der Strasse wiedererkannt, jeder möchte sich mit ihr fotografieren lassen. Zeit für ihre Familie, ihren Schriftsteller-Ehemann (Benjamin Biolay) und den angeblich hochbegabten Sohn Joseph hat sie kaum. Ein Auffahrunfall, bei dem sie einen jungen Mann vom Motorrad stösst, löst eine Krise in ihr aus. Sie fällt in eine Depression und fährt ein Sanatorium in den Bergen.

Heldin im Helm.
Heldin im Helm. © 3B

Zum Leidwesen ihrer Assistentin Lou (Blanche Gardin) zweifelt France an ihrer weiteren Karriere als Moderatorin. Ein Konkurrent (Emanuele Arioli) nutzt ihre Labilität aus und spiegelt ihr die grosse Liebe vor, um einen enthüllenden Artikel über sie zu schreiben. Als weiterer Rückschlag muss France zudem mit dem Unfalltod ihres Mannes und Sohnes umgehen. Auf sich alleine gestellt, muss sie sich wieder aufraffen und neu erfinden.

Ob schmalzig-exaltiertes Melodrama, Mediensatire oder Psychogramm einer depressiven Frau, France ist nichts von alledem und alles zugleich. In erster Linie ist der Film des französischen Regisseurs Bruno Dumont aber eine Farce - unfreiwillig. Vermutlich soll er provozieren, traditionelle Sehgewohnheiten herausfordern, doch langweilt er nur und macht schliesslich auch ziemlich wütend.

Nicht klar ist, was Bruno Dumont mit seinem neuen Film vorhat. Erst glaubt man, es handle sich um eine Mediensatire, die im ersten Teil durchaus vielversprechend erscheint. Dann konzentriert sich die Handlung immer mehr auf die Figur der France und ihr, leider nicht besonders spannendes, Gefühlsleben. Léa Seydoux, die die Hauptrolle übernimmt, übt sich in der anspruchsvollen Kunst des Weinens. Sie hätte lieber etwas Unterricht genommen, denn glaubwürdig ist anders. So richtig sicher, ob sich Dumont mit diesem Film nicht doch ziemlich ernst nimmt, kann man sich nicht sein. Selbst wenn man France aber als Groteske sieht, können die Handlung weder die Figuren nicht überzeugen.

Der Verdacht kommt auf, dass France zumindest teilweise auch als politische Metapher gedacht war. Mehrfach wird die Hauptfigur in verschiedenen Wortspielen mit der Nation Frankreich gleichgesetzt. Wenn France weint, weint ganz Frankreich. Ist France in der Krise, ist es auch ihr Land. Es auf dieser Ebene aber bei Andeutungen, die man sich schon selbst zu einem Ganzen zusammenreimen muss. Zu wirr ist das Drehbuch geraten, das Dumont vorlegt. Er verzettelt sich in Einzelheiten wie die absurde Gestaltung von Frances Wohnung oder vergreift sich mit absurd-lächerlichen Motiven wie der Darstellung des tödlichen Unfalls in den Bergen.

Die Charakterzeichnung ist grob und nur wenig originell. Abgesehen von der Hauptrolle fällt noch Frances Assistentin auf, die absolut unglaubwürdig die vulgäre Speichelleckerin spielt. Keine Sekunde nimmt man Blanche Gardin die Rolle ab. Genauso wenig wie Emanuele Arioli den dandyhaften Ehemann. Schade, denn gerade in letzterer Figur hätte mehr Potenzial gesteckt.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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