Finch (2021)

Finch (2021)

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  3. 115 Minuten

Filmkritik: Bye bye, Miss American Pie

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Master and Servant?
Master and Servant? © Apple

Die Erde ist unbewohnbar geworden, die meteorologischen Umstände lassen ein Überleben an der Oberfläche nicht zu und deshalb hat sich die Menschheit in Bunker verkrochen. Einer davon ist Finch Weinberg (Tom Hanks), ein Tüftler und Wissenschaftler, der mit seinem Hund Goodyear in einem Labor in St. Louis lebt. Mit der Gewisseheit, bald an Krebs zu sterben, hat sich Finch in den letzten Monaten und Jahren an einem Roboter versucht. Mit diesem lässt er nun mittels Buchscans Wissen einlesen, damit noch jemand für seinen Hund da ist, wenn er nicht mehr am Leben ist.

Trio mit Problemen
Trio mit Problemen © Apple

Nun aber kündigt sich ein gigantischer Sturm an, der die nächsten 40 Tage über St. Louis wüten soll. Um diese Dauer im Bunker zu überstehen, hat Finch nicht genügend Essbares gefunden, weshalb er nun das Wohnmobil packt und in Richtung San Francisco aufbrechen will. Durch die Eile verabreicht er dem Roboter ausserdem nur 72 Prozent der Daten, wodurch dieser zwar lernfähig bleibt, aber das Gemüt eines Kindes hat. Trotz der immer stärkeren gesundheitlichen Probleme machen sich Finch, Hund Goodyear und Roboter Jeff auf die lange und beschwerliche Reise, auf welcher der Mensch die Maschine soweit bringen will, dass sie eigenständig überleben kann.

Finch ist ein leiser, aber sehr interessanter Film, der von seinem Hauptdarsteller lebt, dem man seinen Part sofort abkauft und mit dem man mitfiebert. Der Roboter bringt zusätzliche Energie und Unterhaltung und der Hund ist einfach herzig und liebenswert. Wie überhaupt diese ganze Story, die am Ende vielleicht ein bisschen zu lang geraten ist, aber ansonsten wunderschön erzählt wird.

2017 wurde bekannt, dass Tom Hanks anscheinend die Hauptrolle in einem Projekt übernehmen sollte, das sich um Robotik dreht und einen Mann mit Hund im Mittelpunkt hat. Doch so richtig vorwärts wurde nicht gemacht und das Projekt wurde auf die «schwarze Liste» der nicht produzierbaren Drehbücher gesetzt. Nun hat es doch noch geklappt mit Tom Hanks und dem Roboter. Allerdings wird Finch nicht als Kinofilm vermarktet, sondern für den Streaminganbieter Apple TV+. Eigentlich schade, denn nicht nur ist der Film wunderbar geworden, sondern er erzählt auch eine Story, die den Zuschauern ans Herz geht.

Tom Hanks ist einer dieser Hollywoodstars, denen man praktisch jede Rolle abnimmt. Sei es als Professor in The Da Vinci Code, als inzwischen weltberühmter Pilot in Sully oder als Schiffscommander im tollen Greyhound: Die Liste von tollen Performances ist ellenlang und machte den sympathischen Kalifornier zu einem der Grössten seiner Zunft. In seinem neuen Projekt Finch ist er als einziger Mensch zu sehen. Seine Ansprechspartner sind ein herziges Hündli und ein Roboter, den er sich zusammenbaut und dem er seine Lebensweisheiten beibringt. Das ergibt, aller Tragik zum Trotz, ein paar herrliche Momente, die humoristisch einwandfrei und einfach nur liebenswert sind.

Nebst den Witzen und dem Slapstick mit «Jeff», dem Roboter, bleibt aber in Finch vor allem genügend Platz für Hanks, eine abermals tolle Performance zu bieten. Seine Figur, an Lebenskraft verlierend, kämpft gegen die Zeit und hätte noch soviel mitzuteilen und zu erleben. Aber in der unmenschlichen Atmosphäre, in der Finch spielt, ist menschliches Leben praktisch nicht möglich. Das zeigt uns das Schlussdrittel des knapp zweistündigen Films eindrücklich.

Caleb Landry Jones (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) übernimmt die Stimme des Roboters und stand für die Motion-Capture-Sequenzen zur Verfügung. Nur mit kleinen Bewegungen und dem Anpassen seiner Stimme verleiht er dem Roboter schon bald menschliche (kindliche) Züge. Das Zusammenspiel mit Tom Hanks, sofern man das so nennen kann, ist sehr passend und lässt uns vergessen, dass es sich bei «Jeff» um eine Maschine handelt.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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