Father Christmas Is Back (2021)

Father Christmas Is Back (2021)

Filmkritik: Weihnachten mit der Familie, oh wie schön!

Netflix
Kennt ihr den? Ein Schweizer, ein Österreicher und ein Italiener...
Kennt ihr den? Ein Schweizer, ein Österreicher und ein Italiener... © Netflix

Die vier Christmas-Schwestern Joanna (Elizabeth Hurley), Caroline (Nathalie Cox), Paulina (Naomi Frederick) und Vicky (Talulah Riley) könnten unterschiedlicher nicht sein: Caroline hat eine Familie mit zwei Kindern, ist wegen eines Ereignisses an Weihnachten vor langer Zeit jedoch traumatisiert. Joanna ist eine richtige Diva, liebt den Luxus, sich selbst und die Männer. Beatles-Fan Paulina ist seit Jahren dabei, ihre Doktorarbeit über die Pilzköpfe zu schreiben. Und Vicky, die Jüngste, liebt die Männer, leider jedoch meistens nicht sehr lange.

Gruppenkuscheln
Gruppenkuscheln © Netflix

Auch dieses Jahr plant Carolina das Weihnachtsfest, das die vier Schwestern traditionell mit ihrer Mutter Elizabeth (Caroline Quentin) feiern, da ihr Vater James (Kelsey Grammer) sie vor vielen Jahren an Weihnachten verlassen hatte. Doch diesmal ist alles anders: Ausgerechnet in diesem Jahr, in dem Caroline das Fest seit Monaten akribisch geplant hat, steht zum Erstaunen aller Anwesenden der Vater mit seiner viel jüngeren Freundin Jackie (April Bowlby) auf der Matte. Das Chaos ist vorprogrammiert. Als dann durch verschiedene Zwischenfälle Weihnachten völlig aus dem Ruder zu laufen droht, besinnen sich die Schwestern, ihre Familien und Freunde und die Eltern auf ihre gemeinsamen Werte. Doch lassen sich diese Weihnachten überhaupt noch retten?

Die Netflix-Produktion, in der eine Familien-Reunion im Zentrum steht, schiesst in allen Belangen über das Ziel hinaus und schafft es nicht, sich im Gedächtnis festzusetzen. Der Humor der Komödie schwankt zwischen unlustig und blöd, die Charaktere sind nur bedingt erträglich und auch die Story vermag nicht zu überzeugen. Weihnachten kann so schön sein, jedoch leider nicht mit Father Christmas Is Back.

Es gibt so viele gute, schöne, unterhaltsame, traditionelle Weihnachtsfilme, die bereits Anfang November in Dauerschleife im TV gezeigt werden, Jahr für Jahr. Father Christmas Is Back versucht sich in diese Liste einzureihen und scheitert dabei grandios. Wie diversen anderen Christmas-Movie-Aufgüssen fehlen der Komödie von Regiegespann Mick Davis und Philippe Martinez nicht nur der Charme, sondern ebenso eine Story und erträgliche Charaktere.

Zwar geht es um das heilige Fest, um die Zusammenkunft der Familie und die Aufarbeitung der Vergangenheit einer Familientragödie. Diese Aufarbeitung wird jedoch dermassen plump aufgetischt, dass sich das Jesuskind in der Krippe wenden möchte. Der verloren geglaubte Vater steht vor der Türe der Christmas-Christmas-Party - ja, die gute Familie heisst sogar Christmas, wie könnte es auch anders sein? - und wirft alles durcheinander. Die Story wird konstruiert, um eine mögliche Spannung zu generieren, Sideplots verlaufen sich im Sande oder interessieren schlicht zu wenig. Dazu werden Twists eingebaut und sämtliche dazugehörigen Gegebenheiten einfach angenommen, ohne sie jemals zu hinterfragen.

Die Christmas-Schwestern sind in ihrer Charakterzeichnung jeweils hoch-plakativ und einseitig generiert, für die Story jedoch praktisch irrelevant (Paulina), uninteressant (Joanna) oder einfach nur noch nervtötend peinlich (Carolina). Der einzige Charakter mit minimalem Impact auf die Story bleibt Vicky, genauere Gründe seien aus Spoiler-Gründen jedoch hier nicht verraten. Wobei wir bereits bei den Charakteren und somit den schauspielerischen Leistungen wären: Klar sind diese in einer Komödie überzogen und sollen nicht in aller Ernsthaftigkeit bewertet werden, dennoch wird hier der Bogen mehrfach überspannt. Gerade die zwei Charaktere Caroline und Jackie sind kaum auszuhalten. Dazu kommt das Macho-Gehabe zwischen dem alten und dem neuen Hausherrn und der daraus resultierende 180-Grad-Umschwung.

Father Christmas Is Back versucht, eine lustige Weihnachtskomödie zu sein, wird sich jedoch sicherlich niemals als Christmas-Klassiker etablieren können und bald in der Versenkung verschwinden.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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