The Exam (2021)

The Exam (2021)

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  2. 89 Minuten

Filmkritik: Dieser Schulstoff geht ins Ohr

Filmingo
«Zum Glück habe ich keinen Fensterplatz.»
«Zum Glück habe ich keinen Fensterplatz.» © trigon-film

Die Schülerin Rojin (Vania Salar) versucht vehement, ihre bevorstehende Zwangsheirat mit aller Macht zu verhindern. Am einfachsten geht das mit dem bestehen der Uni-Aufnahmeprüfungen. Wenn sie an der Universität angenommen wird, darf sie selbst über ihre Eheschliessung entscheiden und entgeht dieser Prozedur. Sollte sie aber durchfallen, muss sie gemäss dem Wunsch ihres strengen Vaters heiraten. Unterstützt wird sie von ihrer älteren Schwester Shilan (Avan Jamal), welche selbst eine arrangierte Ehe über sich ergehen lassen musste und ein solches Schicksal ihrer kleinen Schwester ersparen will.

Diese Handyrechnung wird teuer.
Diese Handyrechnung wird teuer. © trigon-film

So beschliessen die beiden jungen Frauen, sich in ein Netzwerk voller korrupten Machenschaften einzuschleusen. Das Ziel: Rojin soll von Shilan die jeweils richtigen Antworten zu den gestellten Fragen erhalten. Neben der Investition von viel Geld droht der Plan der Schwestern aufzufliegen, da Shilans misstrauischer Ehemann (Hussein Hassan Ali) auf eigene Faust Nachforschungen betreibt. Ausserdem wird Rojin während der Prüfungen von den wachsamen Augen eines neuen Lehrers (Shwan Attoof) beobachtet.

The Exam ist ein Hilfeschrei in Richtung westliche Welt. Er zeigt deutlich die Unterschiede von Männern und Frauen in männerdominierten Staaten auf. Dass man als Frau auf eine gewisse Hilfe angewiesen ist, wird mehr als nur deutlich in diesem Film, den anzuschauen sich trotz einigen störenden Elementen lohnt.

In einem von Männern dominierten Land - in diesem Fall das irakische Kurdistan - werden Frauen oft am persönlichen Erfolg gehindert. Ehen werden arrangiert und was der Mann sagt, ist Gesetz. Regisseur Shawkat Amin Korki zeigt in seinem vierten Langfilm The Exam die Dramaturgie dieser Tatsache gnadenlos auf.

Als Rojin feiert Vania Salar ihr Filmdebüt. Ihr ist die Angst, bei den Prüfungen zu versagen, schon zu Beginn ins Gesicht geschrieben. Trotz einer zurückhaltenden Spielweise geht sie in ihrer Rolle auf und zeigt sich bei ihrem ersten Film stilsicher. Es sei ihr verziehen, dass man während gewissen tränenreichen Szenen bei sich vergeblich nach Tränen sucht.

Sympathien baut man auch zu ihrer Filmschwester Avan Jamal auf, welche ebenfalls das erste Mal vor der Kamera steht. Sie will ihre kleine Schwester beschützen und gleichzeitig versucht sie, ihre kraftraubende Ehe irgendwie zu deichseln. Ausserdem läuft sie Gefahr, die mit ihrem Ehemann gemeinsame Tochter aus den Augen zu verlieren. Hut ab vor so viel Courage, trotz der scheinbar verzweifelten Ausgangslage.

Die Prüfung, welche Rojin in diesem Film schreiben muss, gerät teilweise in den Hintergrund; der Film entfernt sich dann vom eigentlichen Schul-Thema entfernt. Die Hauptrollen scheinen sich zwischen den Schwestern abzuwechseln und es braucht etwas Geduld, bis man auch in der Geschichte den roten Faden wiederfindet.

Den Kern des Dramas «stört» dazu das leidige Thema Krieg, welches in jedem Fernseher des Filmes dauerhaft zu sehen ist. Klar, das Thema ist auch heute allgegenwärtig. Trotzdem versteht man hier den Zusammenhang mit dem Betrug von schulischen Prüfungen nicht. Vielleicht hat es mit einer anderen «Prüfung» zu tun? Die Menschen werden ja auch im Alltag auf die Probe gestellt.

Nichtsdestotrotz lohnt es sich, den Film anzuschauen. Sowohl auf Grund der spannenden und aufstrebenden Schauspielerinnen wie auch dem leider immer noch aktuellen Thema, dass Frauen in gewissen Ländern (fast) keine Chancen haben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Sandro Götz [goe]

Sandro bringt seit 2021 für OutNow seine Worte auf den Bildschirm. Sein erster Kinofilm, «The Lion King», hat den Löwen in ihm geweckt. Seither liebt und lebt er alles, was mit dem Thema Film zu tun hat. Auch für Videospiele ist er stets zu begeistern und daddelt gerne auf Controllern rum.

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