Everything will change (2021)

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Filmkritik: Von Giraffen und anderen Affen

17. Zurich Film Festival 2021
Die Zukunft ist düster.
Die Zukunft ist düster. © Zurich Film Festival

In den 2050er-Jahren ist die Erde ein karger Ort und die Menschen kommunizieren mehrheitlich über das Internet. Als ein Trio junger Menschen ein Video einer Giraffe zu sehen bekommt, wird ihr Interesse an der Vergangenheit geweckt. Da sie dieses Tier Noch nie gesehen haben, möchten sie mehr über die Artenvielfalt erfahren, wie sie 2020 noch existierte.

Auf ihrer Reise entdecken sie mitten im Nirgendwo einen Bunker. Hierhin haben sich Wissenschaftler zurückgezogen, welche in dieser «Arche», - so nennen die Bewohner den geheimen Keller - die Biodiversität vergangener Tage erforschen und nach einer Möglichkeit suchen, diese wiederherzustellen.

Der Film versucht brennende Themen in eine Sci-Fi-Rahmenhandlung zu verpacken. Dies resultiert in einem seltsamen Mix aus Interviews, einer Clipshow und einem budgetlosem Sci-Fi mit erhobenem Zeigefinger. Für Menschen, die sich bereits mit der Thematik befasst haben, ist der Film viel zu oberflächlich - und allen anderen zu didaktisch. So gehört Everything will change am ehesten in ein Klassenzimmer und nicht ins Kino.

Es mag auf dem Papier eine gute Idee gewesen sein, harte Fakten zu Klimaerwärmung und Artensterben in ein dystopisches Science-Fiction-Märchen zu packen. Komplett mit Kapiteln und nervender Erzählerin wird hier der Märchenaspekt gross geschrieben. Die Umsetzung der eigentlich spannenden Idee ist hier ziemlich vermurkst worden.

Es ist ein typischer Fall der Bubble-Problematik, der dieser Film begegnen will. Viele der Clips aus Planet Earth sind bekannt und die Fakten, die dargelegt werden, ebenso. Gerade wenn man die Augen etwas offen hat für diese Themen, bringt der Film nicht viel Neues. Währenddessen wirft die Handlung in ihrer Logik einige Fragen auf. Wenn am Ende direkt Back to the Future zitiert wird, ist das bloss noch einfallslos und plump.

Nicht nur die fiktive Handlung bietet einige Angriffsflächen. Bei den Interviewten gibt es einige bekannte Gesichter wie Filmemacher Markus Imhoof. Wie seine Kolleginnen und Kollegen, die in den dokumentarischen Szenen zu Wort kommen, wird aber nie ein Kontext gegeben, wer hier eigentlich weshalb etwas zu sagen hat. So kann man erst im Abspann erfahren, wer überhaupt mitgewirkt hat.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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