Es ist nur eine Phase, Hase (2021)

Es ist nur eine Phase, Hase (2021)

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  2. 105 Minuten

Filmkritik: Mit kurz vor 50 Jahren, da fängt das Leben an ...

17. Zurich Film Festival 2021
Mats Hummels?
Mats Hummels? © Praesens Film

Paul (Christoph Maria Herbst) und Emilia (Christiane Paul) waren für ihre Freundinnen und Freunde immer das Traumpaar. Er, der erfolgreiche Autor, sie, die oft gebuchte Synchronsprecherin für Telenovelas. Die drei Kinder Bo, Marie und Fe haben das Glück schliesslich perfekt gemacht. So scheint es auf jeden Fall. Doch mit Ende 40 ziehen auch über dieser Beziehung die dunklen Wolken auf. Unter anderem werden die Haare und der Sex immer weniger.

Wer ist hier der Boss und wer der Hase?
Wer ist hier der Boss und wer der Hase? © Praesens Film

Eines Abends crasht Emilia zusammen mit einer Freundin spontan eine Party und lernt dort den jungen Ruben kennen - mit dem sie sogleich im Bett landet. Doch zur Scheidung soll dieser One-Night-Stand nicht führen. Vorerst nicht. Emilia gesteht Paul, dass sie sich eine Ehepause wünscht. Es sei ohnehin nur eine Phase und wenn diese vorbei ist, wird alles wieder so wie früher. So kommt es, dass Paul sich eine eigene Wohnung sucht und hofft, dass es wirklich so kommt, wie es Emilia gesagt hat. Doch ausgerechnet an der Geburtstagsparty einer gemeinsamen Freundin knallt es ordentlich zwischen dem getrennt lebenden Ehepaar.

Was in Buchform dank vielen kleinen Beobachtungen noch spassig war, wirkt in eine Filmhandlung gepresst leider nicht mehr so kurzweilig. Es ist nur eine Phase, Hase wirkt wegen einer ziemlich vorhersehbaren Handlung so hüftsteif wie seine Protagonisten. Immerhin sind diese durchaus sympathisch, womit einige Peinlichkeiten durchaus erträglich werden.

Mit «Es ist nur eine Phase, Hase» landeten die deutschen Autoren Maxim Leo und Jochen Gutsch einen echten Hit. Der Bestseller mit dem herzigen Untertitel «Trostbuch für Alterspubertierende» beschreibt viele kleine Situationen, in denen sich viele Endvierziger und Anfangfünfziger wiedererkennen und so das Gefühl haben, nicht alleine mit diesen Sorgen zu sein. Wenn ein Buch zu einem Bestseller wird, dann ist meist auch eine Verfilmung nicht weit. Doch in diesem Fall mussten sich die Drehbuchautoren Malte Welding und Florian Gallenberger - Letzterer führte auch Regie - noch eine Geschichte ausdenken, in der sie diese Situationen unterbringen konnten. Das Ergebnis ist eine ziemlich vorhersehbare Tragikomödie mit vielen peinlichen Momenten, wobei es vor allem die Darsteller Christiane Paul und Christoph Maria Herbst sind, die das Ganze vor dem Absturz bewahren.

Denn die beiden sind als Paar durchaus sympathisch und verbuchen einige gelungene Witze. Besonders Herbst ist als Paul, der etwas zu bequem geworden ist, fast schon knuddelig. Schade ist jedoch, dass der Film immer wieder auf billige und flache Gags setzt und dann viel mehr an misslungene Til-Schweiger-Filme wie Klassentreffen 1.0 erinnert als an ein Werk, das seinem Hauptdarsteller-Duo gerecht werden würde. Prostata-Untersuchungen kommen hier genauso vor wie das versehentliche Einführen einer Metallkugel in den Allerwertesten.

Wer ab solchen Dingen zu lachen vermag, kann mit Es ist nur eine Phase, Hase nicht viel falsch machen. Alle anderen sehen einen ziemlich seichten Film, bei dem die Macher in den letzten zehn Minuten noch bemerkt haben, dass der Kessel mit dem Kitsch noch kaum angerührt wurde - und diesen dann in einer der letzten Szenen den Zuschauern mit Anlauf direkt ins Gesicht leeren. Dort geht dann noch ein gutes Stück Goodwill verloren. Aber hey, immerhin hat es HP Baxxter von Scooter mal in einen Kinofilm geschafft. Good for him!

Disclaimer: Diese Kritik wurde von einer Person geschrieben, die erst die Nummer drei am Rücken hat. Ob sich Kinobesucherinnen und Kinobesucher mit einer Vier oder einer Fünf am Rücken wegen des Wiedererkennungswerts hier besser amüsieren werden, kann logischerweise nicht abschliessend beurteilt werden.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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