Encounter (2021/III)

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Filmkritik: Invasion of the Body Snatchers

46th Toronto International Film Festival
In die Wüste geschickt.
In die Wüste geschickt. © Courtesy of TIFF

Der vor kurzem aus dem Gefängnis entlassene Ex-Marine Malik Khan (Riz Ahmed) hat herausgefunden, dass Parasiten aus dem All auf der Erde gelandet sind. Diese nisten sich zunehmend auch bei Menschen ein und übernehmen dann so langsam die Kontrolle über unseren Planeten. Um zu verhindern, dass seine beiden jungen Söhne Jay (Lucian-River Chauhan) und Bobby (Aditya Geddada) ebenfalls von den Parasiten befallen werden, bricht der mit genügend Insektenspray ausgestattete Malik mitten in der Nacht auf. Er holt seine Kinder aus dem Haus seiner Ex-Frau und fährt mit ihnen davon.

Über Maliks Bewährungshelferin Hattie (Olivia Spencer) wird die Polizei auf den Fall aufmerksam und beginnt wie wild nach dem Vater und seinen zwei Söhnen zu suchen. Es beginnt eine Verfolgung durch mehrere Staaten, auf der Jay langsam zu zweifeln beginnt. Entspricht das mit den Parasiten überhaupt der Wahrheit oder ist etwas mit seinem Vater nicht in Ordnung?

Das mit Horror- und Action-Elementen angereicherte Drama Encounter funktioniert in erster Linie dank der intensiven Performance von Riz Ahmed. Zwar kommen einem beim Schauen des Filmes immer mal wieder ähnliche Werke in den Sinn, doch hat Encounter eine genug starke Bildsprache und ein anständiges Tempo, sodass sich das nicht wirklich negativ auf das Seherlebnis auswirkt.

Encounter ist einer jener Filme, in denen die Filmfreaks jede Menge Vergleichstitel nennen können: Bug, Invasion of the Body Snatchers, K-Pax, Midnight Special und Perfect World sind nur einige davon. Es ist natürlich jeweils nicht gerade ein gutes Zeichen, wenn den Zuschauern beim Schauen eines Filmes ständig andere in den Sinn kommen, doch hat Regisseur Michael Pearce hier immerhin bei guten Filmen geklaut und daraus ein überzeugendes Ganzes geschaffen.

In der ersten Hälfte beschäftigt sich der Film hauptsächlich mit der Frage, ist, ob der von Riz Ahmed gespielte Marine bezüglich der Parasiten-Invasion die Wahrheit sagt, oder ob er ein Leiden mit sich trägt, das im schlimmsten Fall seine Jungs in Gefahr bringt. Er holt da einiges an Spannung heraus - vor allem auch, weil er die Zuschauer schon mit der Eröffnungsszene auf eine Seite zieht.

Mit Riz Ahmed kann sich Pearce dabei auf einen Hauptdarsteller verlassen, der die ganze schauspielerische Bandbreite draufhat, die es für diese Rolle benötigt. Die auch für Sound of Metal antrainierten Muckis lassen den Briten als glaubhaften Marine erscheinen, während er mit seinem Gesicht eine Härte wie aber auch labile Seiten auszudrücken vermag. Ahmed beweist in Encounter erneut, dass er zu den besten Schauspielern seiner Generation gehört.

Schade ist nur, dass Pearce dann die Frage «Verrückt oder einsamer Krieger gegen die Gefahr aus dem All?» schon nach einer Stunde auflöst. Das hätte schon noch eine Weile weiter herausgezögert werden können. So bleibt dem Film eine immerhin nicht gerade actionarme, aber auch etwas vorhersehbare zweite Hälfte. Doch trotzdem wird es nie langweilig, da die Figuren nahegehen und man bis zum Schluss auf ein Happy-End hofft. Kein überragender Film, aber einer, der trotz einiger Schwächen über fast zwei Stunden formidabel unterhält.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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