È stata la mano di Dio (2021)

È stata la mano di Dio (2021)

Die Hand Gottes
  1. 130 Minuten

Filmkritik: Kommunisten brauchen keine Fernbedienung

78. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2021
Allein unter Italienern.
Allein unter Italienern. © Netflix

Mitte der Achtzigerjahre in Neapel: Die ganze Stadt befasst sich mit der Frage, ob der Fussballstar Diego Armando Maradona vom FC Barcelona zu Napoli wechselt. Auch Fabietto (Filippo Scotti) würde sich über den Neuzugang bei seinem Lieblingsclub freuen. Doch der 17-Jährige hat auch noch andere Sorgen. Er ist noch Jungfrau und weiss noch nicht so recht, was er mal beruflich machen möchte.

Seine Familie, der Bankdirektor Saverio (Toni Servillo) und Mama Maria (Teresa Saponangelo), sind Teil einer exzentrischen Sippe, die sich gerne foppt und auf etwas grösserem Fusse lebt als finanziell möglich. Aber auch sie mögen den Jungen sehr. Bis es zu einer Tragödie im Feriendomizil kommt, die Fabietto nur verpasst, weil er sich ein Auswärtsspiel seines Clubs Napoli gönnt. War die Hand Gottes im Spiel?

In seinem neunten Film als Regisseur wird der Neapolitaner Paolo Sorrentino ganz persönlich. Die Anleihen an seine eigene Jugend sind bei der Geschichte um einen etwas unbeholfenen Jüngling unübersehbar. Voller kauziger Figuren und punktgenauen Hinweisen auf das Zeitalter der Casio-Uhren funktioniert der episodenhafte Film als Liebesbeweis an die Stadt und charmante, aber etwas beliebige Schilderung des Werdegangs eines seiner berühmtesten Söhne.

Paolo Sorrentino ist auch nur ein Mann. Und böse ausgedrückt, denkt das starke italienische Geschlecht ja eigentlich nur an zwei Dinge: Fussball und Sex. Zumal vor 40 Jahren, als die Welt noch «eine andere» war. Bälle sind denn auch fast das Einzige, was den pubertierenden Buben mit dem Walkman am Gürtel interessiert: Die, welche Maradona ins Netz drischt, und die, welche seine Tante Patrizia (Luisa Ranieri) nur notdürftig versteckt hält.

Es soll hier Sorrentinos Psyche, als er noch nicht 20 war, nicht weiter bemitleidet werden. Nennen wir es hormonell gesteuerte Erinnerungen, die sich ein gefeierter Oscargewinner als Autor und Regisseur in Personalunion erlauben kann. Zumal ihm Netflix die Kohle dafür zur Verfügung stellt. Alfonso Cuarón, der mit Streamer-Geld als erster seine Kindheit auf die Leinwand zauberte, hatte mit Roma den würdevolleren Film am Start - aus weniger egozentrischer Perspektive.

Sorrentino ist sich nicht zu schade, in seiner klassischen Coming-of-Age-Story auch den Tod der eigenen Eltern zu thematisieren. Schliesslich muss der Ernst des Lebens irgendwo mal anfangen. Das ist dann aber schade um das kauzige Arsenal an Figuren. Die Südtiroler Verwandtschaft mit ihrer alpin anmutenden Wohnung. Die Tante, die im Pelzmantel am Sommerfest mit Flüchen um sich wirft. Der neue Liebhaber einer weiteren weiblichen Verwandten, der ohne Stimmbänder kommunizieren muss. Auch sie prägten Episoden von Sorrentinos Jugend und wuseln hier meist alle miteinander in malerischen Gruppen vor der Kulisse Capris oder Strombolis.

Ganz zu schweigen von den berühmten Vorbildern, die Sorrentino damals auch hatte. Fellini, der in den Achtzigern in Neapel castete. Scorsese, dessen Filme auf VHS geschaut werden im Film. Und Maradona, auf dessen Handspiel gegen England der Filmtitel anspielt. Ihnen allen dankte Sorrentino auch schon bei seiner Oscar-Dankesrede von 2014. Eigentlich hätte das als Ehrerbietung gereicht.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Trailer Italienisch, mit deutschen Untertitel, 01:21