Dune (2021/I)

Dune (2021/I)

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  3. 155 Minuten

Filmkritik: Wer Visionen hat, sollte in die Wüste gehen

78. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2021
Sand im Getriebe oder doch die grosse Liebe?
Sand im Getriebe oder doch die grosse Liebe? © 2021 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Den Teenager Paul (Timothee Chalament) plagen Albträume von einem Wüstenplaneten. Er sieht verloren gegangene Schlachten, den Tod des Schwertkämpfers Duncan Idaho (Jason Momoa) und vor allem immer wieder die junge Frauengestalt Chani (Zendaya), die ihn bezirzt. Die Träume beschäftigen auch seine Mutter Lady Jessica (Rebecca Ferguson), die für die Erziehung des Herzogensohns zuständig ist.

Der Papa beobachtet die Lage mit Sorge.
Der Papa beobachtet die Lage mit Sorge. © 2021 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Denn Paul ist Kronprinz des Atreides-Geschlechts, einem Herrscherhaus, das von seinem Vater Duke Leto (Oscar Isaac) angeführt wird. Die Atreides werden vom Imperator aufgefordert, einen unwirtlichen Planeten namens Arrakis zu verwalten. Dort gibt es rauhe Mengen des wichtigsten Rohstoffs zu der Zeit, die Spices, auf den das ganze Universum scharf ist. Aber auch ein blauäugiges Wüstenvolk namens Fremen, denen die verführerisch gefährliche Chani offensichtlich angehört.

Frank Herberts Sci-Fi-Romane gelten in ihrer Detailverliebtheit und gross angelegten philosophischen Exkursen als unverfilmbar. Oder sind sie doch der Stoff, aus dem die lukrativsten Franchise-Träume geschneidert werden? Denis Villeneuve (Sicario) antwortet mit seinem Epos zweierlei. Die Themenkreise wie Umweltzerstörung und Feminismus sind heute aktueller als damals in den Sechzigern. Und Warner Bros sitzt hier wohl auf einer Cash Cow, die sich als Franchise noch lange melken lässt.

«Dune» sei wie gemacht für die Leinwand, behauptet Denis Villeneuve, der kanadische Bilderkünstler für ausserirdische Welten (Arrival, Blade Runner 2049), der sich nun mit massivem Trara an den Stoff wagt. Es gab schon zahlreiche Versuche vorab. Sieben an der Zahl. Grosse Namen wie David Lean, Alejandro Jodorowsky und Ridley Scott steuerten Nichtverfilmungen bei. David Lynch distanzierte sich von seiner Fassung, bei der ihm der Final Cut verwehrt wurde.

Villeneuve hat nun die visuelle Kraft und vor allem die Starpower, um den Stoff quasi neu zu erfinden und den Quatschfilm mit Sänger Sting aus den Achtzigern vergessen zu machen. Nur das Beste scheint ihm und Warner Bros gut genug. Zu den Autoren gehört Forrest Gump-Drehbüchler Eric Roth, und den Score komponierte Überkomponist Hans Zimmer. Mit Josh «Thanos» Brolin, Oscar «Poe Dameron» Isaac und Jason «Aquaman» Momoa sind Marvel-, Star Wars- und DC Comic-Helden mit an Bord. Ergänzt wird das Star-Aufgebot durch Rebecca Ferguson aus der Mission Impossible-Reihe und Chen Chang für den chinesischen Markt. Was kann da noch versanden?

Was wie auf dem Reissbrett entworfen wirkt, ist in erster Linie vor allem Exposition. Das Dünen-Universum will erklärt sein: Raumanzüge, Verwandtschaften, Planetensysteme, Herrschaftsstrukturen, Rohstoff-Gewinnung, geologische Begebenheiten. Sandwürmer und feministische Geheimbünde sollten für Newbies erhellend und für Fans nicht zu ermüdend eingeführt werden. Viele der 155 Minuten Laufzeit gehen für World Building drauf. Soviel, dass Zendaya - trotz einführendem Voice-over - bald nur noch als stumme Erscheinung durch den Film geistert. Sie, die mit Timothee Chalament die Jungmannschaft bildet, welche zukünftige Episoden dieses Franchises wohl tragen wird.

Das ist bei aller Imposanz der Bilder oft melancholisch und düster, aber nie überladen. Humor ist nur ein Spurenelement, und schlussendlich gehen all die Einführungen auch auf Kosten der Action. Dune ist mit Zimmers Trommeln laut, aber keine Materialschlacht. Sogar die ikonischen Wüstenwürmer sind «nur» bedrohliche Sandwirbel unter Tage. Das Filmende, in andern hochjazzten Blockbustern oft pompöse Materialschlachten mit CGI-Endgegnern, mündet bei Dune in eine simple Messerstecherei. Hier wird - hier muss! - noch viel mehr kommen. Mehr Stoff für die (neu gewonnene) Fans, und mehr Kapitalrendite für ein Filmstudio, das nach Harry Potter, Godzilla, Kong und Wonder Woman auf der Suche nach Geschichten ist, um von der Konkurrenz von Disney nicht abgehängt zu werden.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Kommentare Total: 4

andycolette

Obwohl mir alle Filme von Denis Villeneuve super gefallen DUNE konnte mich nicht begeistern ! Obwohl tolle Darsteller und Machart !!

CrossRaider

Der Film ist episch und tricktechnisch sehr gut gemacht. Und vielleicht tut das (fehlende) Tempo auch mal gut. Aber ich bin (nach einem langen Arbeitstag) dann doch im ersten Drittel mal kurz eingenickt. Ausserdem hat der Film keinen richtigen Schluss, da fehlt mir halt der nächste Teil. Ging mir bei Herr der Ringe: Die Gefährten aber ähnlich.
(Ich habe ‚Man of Steel‘ damals, trotz Schluss, auch erst zusammen mit dem zweiten Teil (BvS) richtig geschätzt. Vielleicht geht es mir hier gleich.)

Aber was meiner Meinung nach aber gar nicht geht ist dieses Marvel-Bashing des Regisseurs. Ich musste in den 80er/90er Jahren genug Schrott über die Netzhaut ergehen lassen. Marvel macht 1A Filme. Die Police Academy Filme sind sich ja wohl eher Ähnlicher! Wo kommt nur dieser Drang her, sich über alles und jeden gleich eine Alleingültige Meinung zu bilden? Wie viele schlechte Horrorfilme gibt es? Beschwert sich da einer darüber? Eben. Wem Marvel nicht passt kann immer noch Arthouse schauen oder in die Oper gehen.

DNA_noctan

Es gibt aus meiner Sicht nur zwei Worte, wie dieser Film angemessen beschrieben werden kann: Episches Meisterwerk!!

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