Délicieux (2021)

Délicieux (2021)

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  2. 112 Minuten

Filmkritik: Hochmut kommt vor dem Hunger

Das grosse Fressen
Das grosse Fressen © Praesens Film

Frankreich, 1789: Koch Pierre Manceron (Grégory Gadebois) arbeitet für den Herzog von Chamfort (Benjamin Lavernhe). Als Pierre anlässlich eines sehr opulenten Festmahls einen unvorhergesehenen Gang in das Menü einbettet, ist der Herzog nicht erfreut. Zumal es sich um Pasteten mit Pilzen und Kartoffelstücken handelt. Kartoffeln sind nach seiner Meinung für Deutsche und sollen sogar Lepra übertragen. Pierre wird vom Herzog und seinen Gästen gedemütigt, und als Pierre sich weigert, um Entschuldigung zu bitten, muss er seine Sachen packen und von dannen ziehen.

Die kleinen Gaumenfreuden
Die kleinen Gaumenfreuden © Praesens Film

Zurück in seinem Heimatdorf, wo ihm sein Sohn Benjamin (Lorenzo Lefèbvre ) und der betagte Jacob (Christian Bouillette) Gesellschaft leisten, kommen sie mehr schlecht denn recht über die Runden. Eines Tages stellt sich Louise (Isabelle Carré) bei ihm vor und möchte unbedingt bei Pierre in die Kochkunst eingeführt werden. Dieser schickt sie weg. Doch Louise bleibt hartnäckig und weigert sich trotz strömenden Regens, das Grundstück zu verlassen. Doch als es ihr schliesslich gelingt, Pierres Einverständnis zu kriegen, werden sie mehr und mehr ein eingespieltes Team und schmieden einen Racheplan gegen den Herzog von Chamfort.

Wenn man vor dem Film noch keinen Hunger verspürt hat, wird man wohl spätestens danach etwas essen wollen. Denn in Délicieux wird fast pausenlos Essen gekocht, serviert und zu sich genommen. Die Bilder der meist ziemlich opulenten Mahlzeiten sind enorm bunt. Was zudem Hauptdarsteller Grégory Gadebois mit seinem Gesicht macht, ist schon fast spektakulär. Er transportiert, ohne viel dafür zu tun, einen ganzen Schwall von Emotionen. Zudem ist die gute Chemie zwischen ihm und seinem Lehrling spürbar. Insgesamt ein unspektakulärer, kleiner und herzerwärmender Film mit sehr angenehmer Musik.

Dem Regisseur Éric Besnard, der gleichzeitig auch mit am Drehbuch geschrieben hat, ist mit Délicieux ein auch visuell überzeugender Film gelungen. Der Kontrast zwischen den äusserst bunten Mahlzeiten und den tristen Gebäuden, in denen der Film grösstenteils spielt, ist sehr augenfällig.

Hauptdarsteller Grégory Gadebois, ein eher massiger Darsteller, schaut im Film immer mal wieder wie ein scheues Reh, zeigt öfters sein Staunen und das eine oder andere Mal liest man auch Genugtuung und Zufriedenheit in seinem Gesicht. Spannung zieht der Film vor allem aus dem Zusammenspiel zwischen ihm und Isabelle Carré. Sie spielt vor allem eine grosse Kämpferin und verzweifelt hin und wieder an der Lethargie von Gadebois in der Rolle des Pierre. Ihm hingegen ist ihre hingebungsvolle Art nicht ganz geheuer, schmeichelt ihm aber gleichzeitig.

Bei Délicieux schwelt der Klassenkampf der einfachen Bürger gegen die Aristokratie zwar immer im Hintergrund mit, die Handlung beschränkt sich aber in der Hauptsache auf das Kochen und die Beziehung der beiden Hauptdarsteller. Das Thema hätte man weit dramatischer gestalten können, was aber offenbar nicht das Ziel der Filmemacher war. Nur so ist es zu erklären, dass der Antagonist so wenig Präsenz erhalten hat.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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