Cryptozoo (2021)

Cryptozoo (2021)

  1. 95 Minuten

Filmkritik: Zoo der Monstrositäten

37th Sundance Film Festival
Im Zoo sollen die Tiere geschützt werden.
Im Zoo sollen die Tiere geschützt werden. © Johnny Dell'Angelo

Lauren ist eine der Frauen, die ihr Leben dem Schutz der Kryptiden widmet. Das sind Tiere, die für die Aussenwelt nicht existieren. Es sind fantastische Kreaturen wie Einhörner oder geflügelte Pferde. Damit sie nicht von habgierigen Schwarzmarkthändlern an den Meistbietenden verkauft oder für wissenschaftliche Experimente missbraucht werden, haben sie für sie einen Zoo konzipiert, der sie vor der Aussenwelt schützen soll.

Mit der Hilfe einer neuen Gefährtin, einer jungen Frau mit einem Medusenkopf, macht sich Lauren auf, zwei neue Mitglieder des Zoos aus den Fängen der Bösen zu befreien. Dabei müssen sie sich mit gewaltbereiten und skrupellosen Männern messen, die in den Kryptiden ein Bedrohung sehen. Doch so hilflos, wie Lauren denkt, sind ihre Schützlinge überhaupt nicht. Jeder kann sich mit seinen eigenen Fähigkeiten zur Wehr setzen.

Der zweite Animationsfilm von Dash Shaw, der mit My Entire High School Sinking Into the Sea für Aufmerksamkeit sorgte, zeichnet sich durch eine originelle Grundidee aus, verliert sich aber in einer aktionistischen Handlung. Eine Konzentration auf die wahren Protagonisten seiner Geschichte, eine Verschlankung in Form und Inhalt insgesamt, hätten dem Film mehr Relevanz gegeben.

Eindrücklich ist die Animation, wenn man sich die technischen Fertigkeiten vor Augen führt, die es dafür braucht. Jedes Bild wurde von Hand bemalt und dann animiert. Der Stil an sich hat etwas Naives, das an Kinderzeichnungen erinnert. Hat man sich erst daran gewöhnt, hat es auch seinen Reiz. Dazu passen die etwas einfachen Dialoge, die von weitgehend hohen Frauenstimmen gesprochen werden. Auch hier braucht es eine gewisse Einstimmungsphase, bis der Tonfall nicht mehr so sehr auf die Nerven geht. An sich macht die Animation einen eher kindlichen Eindruck, den sie bis zum Schluss nicht loswird.

Die Stärke des Films sind die Tierkreaturen. Neben den bekannten Motiven wie Einhorn, geflügeltes Pferd, Seraph oder Medusenkopf führt Shaw neue Weisen ein: Babyelefanten mit Flügel oder auch ein Mensch, der den Kopf nicht auf dem Hals trägt, sondern im Bauch integriert hat. Es ist schade, dass der Fokus nicht mehr auf den Tieren liegt. Das hätte der Animation mehr Eigenständigkeit und Originalität gebracht.

Indem der Autor eine Kriminalgeschichte einführt, verliert die Handlung insgesamt an Spannung. Er verpasst es zudem, den wirklich wichtigen Fragen den genügenden Raum zu geben: Ist ein Zoo ein angemessener Lebensraum für Tierarten? Wie lässt sich ein friedliches Zusammenleben zwischen Mensch, Tier und Natur überhaupt gestalten? Die Haltung des Films dazu wirkt fahrig. Es fehlt an einer griffigen Aussage.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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