Cruella (2021)

Cruella (2021)

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  2. 134 Minuten

Filmkritik: The Fashion Heist

Disney+
Good Hair Day
Good Hair Day © The Walt Disney Company Switzerland. All Rights Reserved.

Estella (Emma Stone) war schon immer etwas schräg. Geboren mit einem halb schwarzen, halb weissen Haarschopf und einem untrüglichen Sinn für Stil, sorgt sie schon als Kind für Furore. Als sie wegen ungebührlichem Verhalten von der Schule fliegt, beschliesst ihre Mutter, mit ihr nach London zu ziehen. Um das dafür nötige Startkapital zu bekommen, machen die beiden Halt in einem fürstlichen Haus, in dem gerade eine opulente Modenschau stattfindet. Dort muss Estella beobachten, wie ihre Mutter durch den Angriff von drei Dalmatinern von einer Klippe in den Tod stürzt. Estella, die sich die Schuld dafür gibt, flieht von der Unglücksstelle und reist allein nach London. Dort trifft sie auf die Strassenkids Jasper (Joel Fry) und Horace (Paul Walter Hauser), die zu ihrer neuen Familie werden.

Bad Hair Day
Bad Hair Day © The Walt Disney Company Switzerland. All Rights Reserved.

Zehn Jahre später sind die drei, unterstützt von ihren Hunden Buddy und Wink, zu einem eingespielten Gaunerteam gewonnen. Estella möchte jedoch unbedingt Mode kreieren und gelangt so über Umwege an eine Stelle bei der gefeierten Mode-Zarin Baroness (Emma Thompson). Als Estella erkennt, dass diese eine Halskette trägt, die einst ihrer Mutter gehörte, fasst sie den kühnen Plan, die Kette von der Baroness zu stehlen.

Aus der Vorgeschichte einer überzeichneten Bösewichtin machte I, Tonya-Regisseur Craig Gillespie den bisher besten Disney-Live-Action-Film, der auf einem Animationsfilm basiert. Cruella ist, wie wenn man ein Disney-Märchen mit The Devil Wears Prada, Ocean's Eleven, Batman und einem bisschen James Bond mixt. Dank dem stark aufspielenden Darstellerinnenduo Stone und Thompson, niedlichen Hunden, einem einfallsreichen Drehbuch und opulenten Kostümen ist diese ungewohnte Mischung frech, witzig, clever und visuell richtig cool. So müssen Originstorys sein!

Sind wir mal ganz ehrlich: Als Disney das Live-Action-Prequel von Cruella De Vil, der schrillen Bösewichtin aus dem Trickfilmklassiker One Hundred and One Dalmatians, ankündigte, hielt sich die Vorfreude vieler wohl eher in Grenzen. War man beim Maushaus tatsächlich schon so weit, dass man auf die Vorgeschichte von einseitigen Schurkinnen zurückgreifen musste? Wer sich diese Frage stellte, kann sich beruhigt zurücklehnen. Denn Cruella verzichtet darauf, eine direkte Vorgeschichte der bekannten Figur auf die Leinwand zu bringen, die bereits von Glenn Close in zwei Realspielfilmen (101 Dalmatians und 102 Dalmatians) verkörpert wurde. Ähnlich wie schon in Maleficent liest der Film Cruella seine Hauptfigur stattdessen völlig gegen den Strich und zeigt uns eine vielschichtige und meist sympathische junge Frau, mit der man stets mitfiebert.

Dass es sich durchaus um ein ambitioniertes Projekt handelt und nicht um ein uninspiriertes Prequel von der Stange, liessen allerdings bereits die vielen bekannten Namen erahnen, die am Film beteiligt waren. Neben Regisseur Craig Gillespie, der zuletzt mit der bitterbösen Satire I, Tonya für einen der Kritikerlieblinge der letzten Jahre verantwortlich zeichnete, gehört dazu natürlich auch das oscarprämierte Darstellerinnen-Duo Stone und Thompson. Beide Emmas werfen sich leidenschaftlich in ihre Rollen, treten in einer Reihe atemberaubender Kostüme auf und dürfen sich richtig böse gegenseitig in die Pfanne hauen. Die Modewelt als Setting und insbesondere Thompsons ultrafiese Baroness erinnern freilich unschwer an The Devil Wears Prada. Nicht von ungefähr, denn Aline Brosh McKenna, die das Drehbuch zum kultigen Meryl-Streep-Film verfasste, war auch hier am Drehbuch mitbeteiligt.

Cruella überzeugt vielleicht gerade deshalb so gut, weil der Film unzählige Dinge mischt, die eigentlich nicht zusammenpassen dürften, es aber letztlich doch tun. So ist der Film gleichzeitig eine disneytypische abenteuerliche Komödie mit herzigen Hunden wie auch ein spektakuläres Heist Movie, bei dem sich die sympathische Gaunertruppe in bester Ocean's Eleven-Manier ihre ausgefuchsten Pläne zurechtlegt; ist ebenso intrigante Rachestory und bildgewaltiger Märchentraum in der Modewelt. Kaum denkt man, dass es sich um eine Bösewichte-Originstory wie etwa bei einer Batman-Bösewichtin handelt, wendet sich das Blatt erneut und der Film zeigt uns eine neue Seite der jungen titelgebenden Dame.

Durch die gekonnte Balance aus Komödie, Action, Gaunerabenteuer, Intrige und dem Siebzigerjahre-Setting in der Modewelt ist Cruella eine richtig runde Sache geworden. Nicht zuletzt gefällt der Film auch wegen der Tatsache, dass er sich nur punktuell daran hält, was wir bisher von Cruella De Vil wissen, und sich stattdessen die Freiheit nimmt, eine ganz neue Figur vorzustellen, um deren Schicksal man sich auch wirklich kümmert. Übrigens: Dalmatiner sieht man nach diesem Film gleich mit ganz anderen Augen.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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