Convergence: Courage in a Crisis (2021)

Convergence: Courage in a Crisis (2021)

  1. ,
  2. 113 Minuten

Filmkritik: Abgründe und Hoffnungen

Netflix
Cheers auf das Leben!
Cheers auf das Leben! © Netflix

Ende 2019: Ein bis dato beinahe unbekanntes Virus bricht im chinesischen Wuhan aus. Nicht schon wieder, ist man gewollt zu sagen, schliesslich waren mit Vogel-, Schweinegrippe und Sars bereits mehrmals Erreger im Umlauf, auf die man sich global vorbereitete, ohne dass es jemals zu einer weltweiten Verbreitung kam. Doch mit dem Covid-19-Erreger ist alles anders: Rasend schnell verbreitet sich das Virus um den gesamten Erdball und versetzt die Menschheit in eine aussergewöhnliche, nie dagewesene Krisenlage.

Guten Abend, wir haben eine Pandemie.
Guten Abend, wir haben eine Pandemie. © Netflix

Ob als ehrenamtlicher Chauffeur für Krankenhauspersonal in Wuhan, als Forscherin am Impfstoff an der Universität Oxford, als Reinigungskraft im Spital oder als Mitglied des Vorstandes der WHO (World Health Organisation): Die unterschiedlichsten Menschen werden mit existenziellen Ängsten, Anspannung, entstehenden Depressionen, Elend, schlechter Vorbereitung und ungenügendem Umgang mit dem Virus konfrontiert. Doch das Virus bringt nicht nur leere Strassen, unreal erscheinende, futuristisch wirkende Szenarien von Menschen in virussicheren Anzügen und völlig überfüllte Spitäler mit an die Grenzen stossendem Personal, sondern auch Hoffnung. Die Menschen sind auch in dieser schweren Lage bereit, sich zu engagieren, füreinander einzustehen.

Ja, wir alle haben langsam genügend gesehen und gehört von Covid-19, wir sind gesättigt von Informationen und müde. Convergence: Courage in a Crisis wirft jedoch nicht nur einen Blick zurück, sondern auch vorwärts und macht Mut. Der Film zeigt, dass während der Krisensituation auch eine Menge positive Energie und Solidarität entstand. Die Dokumentation bietet so eine spannende Aufarbeitung der Geschehnisse, mit denen wir alle uns gezwungenermassen befassen mussten.

Diverse Fernseh- und sogar Filmbeiträge wurden bereits gedreht, die sich mit den Auswirkungen von Covid auf die Gesellschaft und deren Folgen auseinandersetzen. Diese Dokumentation geht einen Schritt weiter und zeigt, welche Chancen die Pandemie mit sich bringt, welches unausgeschöpfte menschliche Potential noch vorhanden ist und weshalb in der grässlichen Lage doch immer noch Hoffnung existiert.

Convergence: Courage in a Crisis zieht lange eine düstere Bilanz und vermittelt erstmal wenig Hoffnung. Mit Einblendungen von Fall- sowie Todeszahlen dokumentiert sie den stetigen Anstieg und die Verschlimmerung der Pandemie. Die Menschen erzählen von Schwierigkeiten, von Einsamkeit, es fliessen Tränen. Einzig der junge Fahrer in Wuhan vermittelt Hoffnung.

Die Dokumentation beeindruckt durch eine starke Nähe zu den Menschen, unabhängig davon, in welcher Situation sie sich gerade befinden. Die Kamera ist dabei und filmt, intime, persönliche Momente, Krisen und den Verlust des Glaubens, dass alles doch noch gut kommt. Immer wieder weckt der Film eigene Erinnerungen und Erfahrungen, die wir alle in dieser Krisensituation erleben mussten. Die Dokumentation dient gewissermassen der Aufarbeitung der Ereignisse der vergangenen zwei Jahre. Immer wieder wird man an Lockdowns, Bilder aus dem Fernsehen und eigene Stimmungslagen erinnert und in die jeweilige Situation zurückgeworfen.

Mehr und mehr wird diese Hoffnung stärker und zum Träger dieser Dokumentation - beispielsweise, wenn ein Arzt den Obdachlosen in Miami hilft oder endlich ein Impfstoff in Reichweite zu sein scheint. Covid-19 hat unser aller Leben verändert, ob wir jemals zur früheren Normalität zurückkehren können, steht in den Sternen. Obschon die Nachrichtensendungen und die Zeitungen gefüllt sind mit Informationen zur Pandemie, wirft Convergence: Courage in a Crisis einen differenzierten, emotionalen Blick zurück, aber auch vorwärts.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. Letterboxd