Colin in Black & White (2021)

Colin in Black & White (2021 / Mini-Serie)

  1. , ,
  2. 30 Minuten

Miniserie-Review: Hans im Schnäggeloch

Netflix
Struwwelpeter
Struwwelpeter © Netflix

Colin Kaepernick ist Erzähler aus dem Off und hin und wieder steigt er im wahrsten Sinn des Wortes ins Bild und erläutert seine Kommentare. Er erzählt, wie sich bei den Probetrainings im American Football die Spreu vom Weizen trennt. Kaepernick wächst als Adoptivkind in einem wohlbehüteten Umfeld auf. Seine Eltern sind weiss und er wird in diesem gutbürgerlichen Umfeld gross. Er begeistert sich schnell für den Sport und innert kurzer Zeit mausert er sich im Baseball und American Football zu den Besten des Fachs. Kaepernick ist aber immer wieder mit latentem und auch explizitem Rassismus konfrontiert.

Damals stand er noch bei der Hymne.
Damals stand er noch bei der Hymne. © Netflix

Ein Weisser wird zum Beispiel zum Quarterback ernannt, obwohl Kapernick im Probetraining um Längen besser war. Davon lässt sich dieser aber nicht unterkriegen. Er macht einen Ausflug ins Baseball und entdeckt, dass er in diesem Sport ein Naturtalent hat. Die Angebote fliegen ihm zu, aber er möchte lieber Quarterback im American Football werden. Dort wollen die Angebote einfach nicht kommen, aber in der Schule wird er immer beliebter und geht sogar mit seiner Angebeteten zum Tanz. Als er als NFL-Quarterback vor einem Spiel während der amerikanischen Hymne als Protest niederkniet, löst Kaepernick damit eine Kontroverse aus. Er bringt einen Stein ins Rollen.

Die Mini-Serie erzählt den Aufstieg und Fall von Kaepernick mit sehr negativem Fokus. Dass der Sport sich unpolitisch gibt und die Schwarzen darin grösste Erfolge erzielen, wird komplett ausgeblendet. So ist die Serie zu einseitig und zu pauschalisierend geraten. Eine kritische Auseinandersetzung mit der sportlichen Karriere von Kaepernick fehlt und nur seine Lebensumstände finden Erwähnung.

Auch wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt, ist die Mini-Serie in Farbe gedreht. Was den dokumentarischen Fokus angeht, ist er jedoch sehr zutreffend. Die Beispiele von der Unterdrückung der Schwarzen sind beeindruckend, werden aber weder vertieft noch in einen Zusammenhang gebracht. Dadurch ist der dokumentarische Teil dieser Drama-Serie zu plakativ geraten.

Die Serie kreidet fehlende Chancengleichheit für Schwarze im Sport an. Dabei ist doch gerade der Sport ein Bereich, bei dem die Politik aussen vor bleibt! Die Sportwelt kennt unzählige beeindruckende Erfolgsgeschichten von schwarzen Athleten - und nicht nur solche wie diejenige von Jesse Owens, der an den olympischen Spielen von 1936 in Berlin für Furore gesorgt hat und die Ideologie des Nazi-Regimes mit grandiosen Leistungen widerlegt hat.

Darüber hinaus ist die dramaturgische Aufbereitung des Lebens von Colin Kaepernick ist zu seicht geworden. Es gibt viele Menschen, die in der Schule mit äusserst widrigen Umständen zu kämpfen und sich unter deren Eindruck zu einer grossen Sportkarriere durchgekämpft haben. Kaepernick beklagt sich darüber, dass er im Football nur eine faire Chance bekommen hat, obwohl er sich im Baseball von Angeboten kaum retten konnte.

Man rätselt also: Warum sticht Kaepernick aus dieser Menge heraus? Was hat er besonders gut gemacht und was macht seine Geschichte interessant? Hat er etwa auf das falsche Pferd gesetzt? Schlussendlich hatte er es ja geschafft und war Quarterback in der NFL geworden. Warum setzte er mit seinem Kniegang während der Hymne das alles aufs Spiel, nachdem er so lange dafür hatte kämpfen müssen? Das wären spannende und entscheidende Fragen, auf die die Mini-Serie leider keine Antworten bereithält.

Giancarlo Schwendener [gia]

Giancarlo ist James Bond 15 Jahre lang auf Augenhöhe begegnet. Mit dem Abgang von Daniel Craig ist damit vorerst Schluss. Er liebt die grosse Anzahl an tollen Filmen, aber die Fab Five stehen für ihn eine Stufe höher: Sergio Leone, Marlon Brando, Robert De Niro, Sean Connery und Quentin Tarantino.

  1. Artikel
  2. Profil