Captain Volkonogov Escaped (2021)

Captain Volkonogov Escaped (2021)

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  3. 120 Minuten

Filmkritik: O Captain! My Captain!

78. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2021
Kleine Showeinlage im Offiziersbüro.
Kleine Showeinlage im Offiziersbüro. © Studio / Produzent

Fyodor Volkonogov (Yuriy Borisov) ist ein angesehener sowjetischer Hauptmann. Unzählige Gefangene hat er gefoltert und hingerichtet. Doch als plötzlich Männer aus seinen eigenen Reihen verhört und zur Rechenschaft gezogen werden, ergreift Volkonogov die Flucht. Ab jetzt ist er ein gejagter Mann.

Volkonogov weiss, dass er in seinem Job viele Unschuldige ermordet hat; manche von ihnen landeten nur in Haft, weil sie über den falschen Witz lachten. Durch Folter hat Volkonogov schliesslich falsche Geständnisse von diesen potenziellen «Gefährdern» erzwungen. Jetzt befürchtet er, für seine Taten in der Hölle zu landen. Mit dem Wunsch nach Vergebung macht Volkonogov sich auf die Suche nach den Angehörigen seiner Opfer, um sie um Verzeihung zu bitten. Für Volkonogov ist es ein Wettlauf mit der Zeit, denn Major Golovyna (Timofei Tribuntsev) ist ihm dicht auf den Fersen. Dem flüchtigen Hauptmann bleiben nur vierundzwanzig Stunden, um Erlösung zu erfahren.

Captain Volkonogov Escaped weiss mit einem Genremix und auffälligen Anachronismen zu gefallen. Die Regisseure Natasha Merkulova und Aleksey Chupov pusten den Staub vom historischen Genre und präsentieren eine Story, die in der Sowjetunion der Dreissigerjahre spielt, sich aber dank des modernen Looks frisch und innovativ anfühlt. An Hauptdarsteller Yuriy Borisov wird man in Zukunft zudem nicht mehr vorbeikommen.

Bei diesem Film ist ab der ersten Einstellung klar, dass die Zuschauer kein klassischer, historischer Streifen erwartet. Hier zieren Graffiti die Häuserwände. Und das rote Outfit von Volkonogov und seinen Kameraden erinnert eher an einen Trainingsanzug als eine Uniform - fehlen nur die drei Streifen. Auf den ersten Blick sieht Hauptdarsteller Yuriy Borisov darin aus wie ein Hooligan aus den Neunzigern. Sein Hauptmann Volkonogov stemmt dann auch mal im Spagat zwischen Bett und Stuhl ein paar Gewichte. Borisov, der in diesem Jahr einen richtigen Run hat und mit fünf Filmen auf drei Festivals vertreten ist, mimt Volkonogov als respektierten und einschüchternden Muskelmann, der Stück für Stück seine mitmenschliche Seite entdeckt.

Das russische Regieduo Natasha Merkulova und Aleksey Chupov mischt in Captain Volkonogov Escaped Elemente des Chase-Thrillers mit Vergebungsdrama und streut zusätzlich ein paar Horrorelemente obendrauf. Da krabbelt auch mal ein Untoter aus dem Grab und greift nach Volkonogovs Eingeweiden. Der eigentliche Horror aber spielt sich in der grausamen Kälte der Figuren ab: In einem Flashback zeigt der Offizier «Onkel Misha» (Igor Savochkin) den jungen Hauptmännern, wie man die Gefangenen mit einem einzigen glatten Schuss hinrichtet. Er hat die Technik perfektioniert, erschiesst er doch bis zu sechzig Menschen am Tag. Auch Volkonogov betätigt bereitwillig den Abzug. Und so stellt sich immer wieder die Frage, ob jemand wie er überhaupt Vergebung verdient hat.

In der zweiten Hälfte droht die Geschichte schliesslich etwas repetitiv zu werden. Verfolgungsszenen wechseln sich verlässlich mit Volkonogovs Besuchen bei den Opferfamilien ab. Letztere lassen zwar Raum für ruhigere, reflektierte Momente und für Volkonogovos persönliche Entwicklung, doch kurz vor Schluss droht dem Streifen dadurch die Puste auszugehen. Dennoch ist Captain Volkonogov Escaped schon allein wegen des tollen Genremixes einen Filmabend wert.

Swantje Oppermann [swo]

Swantje ist seit 2013 Teil der OutNow-Crew. Zu ihren Lieblingen gehören «Jurassic Park», «When Harry Met Sally» und «Se7en». Bei «Titanic» muss sie noch heute heulen. Das Filmfestival Venedig liebt sie nicht nur wegen der Filme, sondern auch, weil dort der Aperol Spritz in rauen Mengen fliesst.

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