Il buco (2021)

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  2. 93 Minuten

Filmkritik: Loch-Nix

78. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2021
Da geht's noch weiter ...
Da geht's noch weiter ... © Studio / Produzent

Kalabrien im Jahr 1961. Idyllische Bergwiesen umringt von Bergwänden. Ein Dorf hockt still im Tal. Während im Norden Italiens die Wirtschaft boomt und dort in die Höhe gebaut wird, erkundet eine Gruppe von Höhlenforschern im Süden des Landes eine Bergspalte, um deren Tiefe zu messen. Sie klettern immer tiefer hinab in den steinernen Spalt, den man den «Abgrund von Birfurto» nennt und der über 700 Meter tief ins Innere der Erde führt.

Ein alter Hirte, der in ebenjenen Bergen lebt, beobachtet das Geschehen zusammen mit seinem Esel aus der Ferne. Dann bricht er plötzlich zusammen. Anwohner finden den bewusstlosen Mann und bringen ihn in seine Hütte, um ihn dort zu pflegen. Während die Höhlenforscher immer tiefer in den tiefschwarzen Spalt vordringen und ihn vermessen, verschlechtert sich der Zustand des Hirten.

Kein Plot, keine Dialoge, keine klar gezeichneten Charaktere, aber dafür schöne Aufnahmen: Der Film erzählt nicht, er beobachtet. Il Buco ist daher nur etwas für jene Filmfans, die Bilder gerne auf sich wirken lassen und sich den Sinn des Films am Ende selbst zusammenpuzzeln möchte. Für alle anderen könnten sich die 93 Minuten Laufzeit sehr lang anfühlen.

Die meisten Filme nehmen uns mit auf eine emotionale Reise. Die Zuschauer folgen einer oder mehreren Figuren, die ein klares Ziel verfolgen, dabei immer wieder auf Hindernisse stossen, bis sie schliesslich ihr Ziel erreichen oder scheitern. Il Buco gehört nicht zu diesen Filmen.

Wie schon mit Le quattro volte bietet uns der italienische Regisseurs Michelangelo Frammartino auch mit seinem neuesten Werk keine Protagonisten, mit denen wir mitfiebern können. Nicht einmal Dialoge dürfen die Zuschauer erwarten. Zwischen sich immer gleichenden Einstellungen von einer Bergwiese und einem Bergdorf begleitet die Kamera eine Gruppe von Höhlenforscher, die den Abgrund von Birfurto erkunden und dabei ausschliesslich über Ruflaute kommunizieren. Der Spalt führt sie immer tiefer ins Erdreich. Ohne besondere Vorkommnisse.

Der kränkelnde Alm-Öhi wiederum ruft mehrmals «Oooh-oh!» ins Tal. Danach liegt er bewusstlos im Busch und später regungslos auf der Pritsche. Wie diese beiden Stränge zusammengehören, ist der Interpretation der Zuschauer überlassen.

Bleibt nur noch die Bildsprache: Fackeln, die in der tiefen Schwärze des Schachts verglühen. Wolkenverhangene Berge. Grüne Almwiesen. Kameramann Renato Berta hat diese Bilder toll eingefangen. Wie die Forscher dringt auch die Kamera immer weiter in die Tiefe - bis zu 700 Meter. Dem Regisseur zufolge steckten er und sein Team sogar einmal in der Spalte fest, als Wasser in die Höhle eindrang. Allein das klingt weitaus spannender als alles, was in den 93 Minuten des Films zu sehen ist. Oooh-oh!

Swantje Oppermann [swo]

Swantje ist seit 2013 Teil der OutNow-Crew. Zu ihren Lieblingen gehören «Jurassic Park», «When Harry Met Sally» und «Se7en». Bei «Titanic» muss sie noch heute heulen. Das Filmfestival Venedig liebt sie nicht nur wegen der Filme, sondern auch, weil dort der Aperol Spritz in rauen Mengen fliesst.

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