Blue Miracle (2021)

Blue Miracle (2021)

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  3. 95 Minuten

Filmkritik: Oh Captain, my Captain

Netflix
«Zieh, Junge, zieh!»
«Zieh, Junge, zieh!» © Netflix

Omar Venegas (Jimmy Gonzales) führt in Cabo San Lukas (Mexiko) das kleine Waisenhaus Casa Hogar für Jungen. Von den Kindern wird er liebevoll Papa Omar genannt. Immer wieder mal bittet die Polizei Omar um Hilfe, so wie im Fall von Moco (Miguel Angel Garcia), der einem Mann eine Armbanduhr gestohlen hat und sich weigert, mit der Polizei zu kooperieren. Beim bestohlenen Mann handelt es sich um den Angler Wade (Dennis Quaid).

«Mann, du bist vielleicht schwer...»
«Mann, du bist vielleicht schwer...» © Netflix

Das Waisenhaus drücken 117'000 Dollar Schulden bei der Bank. Doch dann ergibt sich eine Gelegenheit, all die Schulden zurückzuzahlen. Denn Wade will an einem der berühmtesten Angler-Wettbewerbe der Welt teilnehmen, dem «Bisbee's Black & Blue»-Turnier, das er bereits zweimal gewonnen hat. Dafür braucht er eine Crew und fragt Omar an, ihn mit ein paar seiner am wenigsten nervigen Jungen zu begleiten. Als Omar einwilligt und sie bald darauf zum Schiff von Wade kommen, müssen sie feststellen, dass nicht nur Wade, sondern offensichtlich auch dessen Schiff die besten Tage hinter sich hat.

Blue Miracle ist ein typischer amerikanischer Feelgood-Film für die ganze Familie. Er plätschert eine ganze Weile vor sich hin, doch spätestens ab Filmmitte fiebert man teilweise mit den Protagonisten mit. Herauszuragen vermag vor allem Dennis Quaid in seiner Rolle als Kapitän mit gar nicht mal so harter Schale, aber weichem Kern. Obwohl der Film sehr vorhersehbar ist und die Story auch mit hohem Kitschfaktor versehen ist, vermag er an der einen oder anderen Stelle zu berühren.

In seinem zweiten Langspielfilm nach The Vessel ist Julio Quintana ein familienfreundlichers Drama gelungen. Die Story basiert auf einer wahren Geschichte, welche im Abspann kurz mit Text und Fotos erläutert wird.

Neben der Tatsache, dass der Film ein wenig Zeit braucht, um in die Gänge zu kommen, ist vor allem Hauptdarsteller Jimmy Gonzales in gewissen Szenen ein Problem. Er hat eine teilweise fast komödiantische Körpersprache, und dies in völlig unpassenden Augenblicken. In anderen Momenten nimmt man ihm seine Rolle als fürsorglicher und auch sympathischer Waisenhausvater dann aber doch ab. Dennis Quaid vermag diese schauspielerischen Mängel teilweise auszugleichen. Er spielt den typischen Mann, der seine besten Zeiten hinter sich hat und manchmal ein wenig zu tief ins Glas schaut.

Der Film weiss immer wieder zu berühren, sei es mit ein paar harten Dialogen zwischen den Kindern und Kapitän Wade, aber auch mit dem etwas absehbaren Ende. Zudem lässt er die Zuschauer mit einem positiven Gefühl zurück - allerdings dürfte er auch ziemlich schnell wieder vergessen sein.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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